openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Hat sich der Östliche Gorilla erholt?

04.08.202610:40 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Hat sich der Östliche Gorilla erholt?

(openPR) Der Östliche Gorilla (Gorilla beringei) ist die größte heute lebende Menschenaffenart und kommt ausschließlich in den tropischen Wäldern Zentral- und Ostafrikas vor. Lebensraumverlust, Wilderei und bewaffnete Konflikte setzen den Beständen seit Jahrzehnten zu. Sowohl der Berggorilla (Gorilla beringei beringei) als auch der Östliche Flachlandgorilla (Gorilla beringei graueri) zählen zu den am stärksten bedrohten Menschenaffen der Welt.
Die neu erschienene Statusbewertung der IUCN zeigt für die beiden Unterarten nun ein deutlich unterschiedliches und gleichzeitig differenziertes Bild: In einigen Gebieten, insbesondere in bestimmten bewirtschafteten Wäldern, sind die Populationen des Östlichen Flachlandgorillas stabil geblieben. „Das zeigt, dass nachhaltiger Schutz weitere Verluste verhindern kann. Im Fall der Berggorillas hat langfristiger, intensiver Artenschutz sogar ein messbares Populationswachstum ermöglicht“, berichtet Hauptautorin Dr. Jessi Junker, Forscherin am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz sowie bei der Naturschutzorganisation Re:wild und dem Institute for Ape Conservation Science in Ruanda. „Unsere Gefährdungsbewertung verdeutlicht eindrücklich die Notwendigkeit und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen, die in einigen Regionen den Unterschied zwischen Überleben und Aussterben ausmachen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Bemühungen aufrechtzuerhalten und auszuweiten.“

Während die Rote Liste der IUCN das Aussterberisiko einzelner Arten verzeichnet, zeigt der „Grüne Status“, wie stark eine Art sich der vollständigen Erholung in ihrem gesamten heimischen Verbreitungsgebiet annähert. Erholung bedeutet hier, dass Populationen lebensfähig und über natürliche Lebensräume verteilt sind und ihre ökologischen Rollen erfüllen können. Insgesamt lässt sich für den Östlichen Gorilla somit eine Erholung feststellen.

Für die Bewertung rekonstruierten die Expert*innen das historische Verbreitungsgebiet der Gorillaunterarten um die Wende zum 19. Jahrhundert und unterteilte es in fünf Regionen, die jeweils unterschiedliche Populationen mit verschiedenen Bedrohungen, Schutzgeschichten und Managementkontexten repräsentieren. Vier für Östliche Flachlandgorillas im Osten der Demokratischen Republik Kongo und eine für Berggorillas in der Bwindi-Virunga-Landschaft in Uganda, Ruanda und der nordöstlichen Demokratischen Republik Kongo. Für jede der untersuchten Regionen wurden der aktuelle Populationsstatus, wesentliche Bedrohungen sowie die Auswirkungen vergangener und laufender Schutzmaßnahmen analysiert. Zu Bedrohungen werden etwa Lebensraumverlust, Bergbau, landwirtschaftliche Expansion oder Krankheitsrisiken gezählt. Auf dieser Grundlage erstellte das Team verschiedene Artenschutz-Szenarien, um abzuschätzen, wie es der Art heute ohne die bisherigen Schutzmaßnahmen ergehen würde, wie es ihr voraussichtlich ergehen wird, wenn die Maßnahmen fortgesetzt werden und was passieren könnte, wenn die derzeitigen Bemühungen reduziert oder eingestellt würden.

In den Prozess waren insgesamt über 60 Expert*innen involviert, die Mehrzahl aus den Verbreitungsländern Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Uganda, wodurch sichergestellt wurde, dass die Ergebnisse auf fundiertem regionalem Fachwissen und lokalen Praxiskenntnissen beruhen.
„Die Bewertung ist das Resultat einer herausragenden Kooperationsleistung. Die außergewöhnlich große Zahl von Expert*innen aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Art und die damit verbundene Breite an Fachwissen gibt den Ergebnissen besonderes Gewicht“, betont Magdalena Cygan, Referentin für den „Green Status of Species“ bei der IUCN. „Der ‚Grüne Status‘-Ansatz ermöglicht es uns, über das Aussterberisiko hinauszublicken und eine tiefergehende Frage zu stellen: Wie nah sind wir an einer vollständigen Erholung, und wie viel hat der Artenschutz wirklich bewirkt?“

Für die Östlichen Flachlandgorillas liegt der berechnete „Artenerholungswert“ bei 15 Prozent, womit sie in die Kategorie „kritisch dezimiert“ des Grünen Status fallen. In den letzten Jahrzehnten haben sich ihre Verbreitung und Bestandsgröße deutlich verringert. Schätzungen zufolge ist die Gesamtpopulation der Östlichen Flachlandgorillas in den letzten rund 20 Jahren um etwa 60 Prozent zurückgegangen – heute gibt es noch weniger als 7.000 Exemplare. Gleichzeitig zeigt die Bewertung, dass der Artenschutz noch schwerwiegendere Verluste verhindert hat. In einigen Gebieten der Demokratischen Republik Kongo – darunter das von der Gemeinde verwaltete Oku Community Reserve und die Nkuba Conservation Area – sind die Gorillapopulationen in den letzten zwei Jahrzehnten trotz der anhaltenden Unruhen im Land relativ stabil geblieben.
„Stabile Populationen in Teilen des Verbreitungsgebiets des Östlichen Flachlandgorillas zeigen, dass Naturschutz funktioniert“, sagt Dominique Bikaba, Geschäftsführer der Naturschutzorganisation Strong Roots Congo. „Wo Gemeinschaften und Naturschutzpartner effektiv zusammenarbeiten, lässt sich der Rückgang aufhalten. Diese Populationen sind jedoch weiterhin stark auf anhaltende Unterstützung angewiesen.“

Die erstellten Szenarien in der Statusbewertung zeigen: Würden die derzeitigen Schutzbemühungen reduziert oder eingestellt, würden die Populationen des Östlichen Flachlandgorillas wohl rapide zurückgehen. Da die Unterart sich nur langsam vermehrt, sind größere kurzfristige Zuwächse zwar unwahrscheinlich, langfristig sei eine echte Erholung aber weiterhin möglich, sofern die Schutzbemühungen verstärkt und nachhaltig fortgesetzt würden.

Die Berggorillas wiederum weisen einen höheren „Artenerholungswert“ von 25 Prozent auf und werden damit als „weitgehend dezimiert“ eingestuft. Obwohl eine vollständige Erholung damit noch in weiter Ferne liegt, spiegelt der Wert ein messbares Populationswachstum in den letzten Jahrzehnten wider.
In den 1980er-Jahren waren die Bestände auf weniger als 620 Individuen geschrumpft. Heute leben mehr als 1.000 Berggorillas im Virunga-Massiv und im Bwindi Impenetrable National Park. Erreicht wurde dieser Anstieg durch jahrzehntelange koordinierte Naturschutzmaßnahmen – darunter das Management von Schutzgebieten, veterinärmedizinische Maßnahmen, grenzübergreifende Zusammenarbeit und eine enge Einbindung der lokalen Gemeinschaften. „Die Erholung der Berggorilla-Population ist eine der weltweit größten Erfolgsgeschichten im Naturschutz“, betont Felix Ndagijimana, Landesdirektor für Ruanda beim Dian Fossey Gorilla Fund. „Sie zeigt, dass langfristige Investitionen, eine konsequente Durchsetzung der Gesetze und die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, NGOs und Gemeinden selbst drastische Bestandsrückgänge umkehren können.“ Die Statusbewertung der IUCN zeigt jedoch auch, dass die bisher erzielte Erholung nur nachhaltig ist, wenn Schutzmaßnahmen fortgesetzt werden.

„Der ‚Green Status‘ macht sichtbar, dass angewandter Naturschutz wirkt“, fasst Senckenbergerin Jessi Junker ihre Ergebnisse zusammen. „Jetzt verfügen wir über eine transparente Methode, um die Wirkung von Maßnahmen zu messen, Mittel zu priorisieren und sicherzustellen, dass nachhaltige Investitionen zu einer echten Erholung vor Ort führen. Diese Bemühungen müssen jetzt nicht nur fortgesetzt, sondern auch landesweit ausgeweitet und mit besseren Ressourcen ausgestattet werden. Das anhaltende Engagement wird darüber entscheiden, ob die Östlichen Gorillas auf dem Weg der Erholung weiter vorankommen.“

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Jessi Junker
Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
E-Mail

Dr. Liz Williamson
University of Stirling
E-Mail

Originalpublikation:
Junker, J., Bikaba, D., Eckardt, W., Fawcett, K., Pintea, L., Plumptre, A.J., Robbins, M.M., Scholfield, K., Stoinski, T.S. & Williamson, E.A. 2026. Gorilla beringei (Green Status assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2026.
https://www.iucnredlist.org/species/39994/115576640

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1319826
 83

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Hat sich der Östliche Gorilla erholt? “ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Ausgerechnet! Unser Universum startet in der ESO SupernovaBild: Ausgerechnet! Unser Universum startet in der ESO Supernova
Ausgerechnet! Unser Universum startet in der ESO Supernova
Die rund 30-minütige Fulldome-Produktion entstand 2019 für das Planetarium des Deutschen Museums. Entwickelt wurde sie in enger Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Museum, dem damaligen Exzellenzcluster Universe und dessen Nachfolger ORIGINS. Für die ESO Supernova wurde die Show technisch überarbeitet und an das Planetarium angepasst. Eine Reise durch die Geschichte des Kosmos Begleitet von der Stimme des Astrophysikers und Wissenschaftsjournalisten Prof. Dr. Harald Lesch nimmt die Show das Publikum mit auf eine Reise durch die Geschichte…
Bild: Wechselwirkung antiferromagnetischer Skyrmionen erstmals in Echtzeit beobachtetBild: Wechselwirkung antiferromagnetischer Skyrmionen erstmals in Echtzeit beobachtet
Wechselwirkung antiferromagnetischer Skyrmionen erstmals in Echtzeit beobachtet
Forschende der JGU haben das Zusammenspiel von Magnetwirbeln visualisiert und gezeigt, dass sich antiferromagnetische Skyrmionen entlang der Richtung eines angelegten Stroms bewegen Skyrmionen – vereinfacht gesagt Magnetwirbel – sind ein vielversprechender Ansatz in der Spintronik: Sie könnten künftig als Bauelemente in Speichermedien oder Computern eingesetzt werden und etablierte CMOS-Technologien ergänzen. Forschende der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben nun die Interaktion antiferromagnetischer Skyrmionen erstmals bildlich…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Affengeile Werbung bei SWZ
Affengeile Werbung bei SWZ
Nürnberg (swz) Die Nürnberger Kommunikationsagentur Schultze. Walther. Zahel. ließ drei Wochen lang den Affen los. Anlass für die „Gorilla-Marketing“-Aktion war das Baugerüst am Haus und die Frage, was sich damit alles machen lässt. Die Sache war klar – auf ein Gerüst, auf dem es sich so toll klettern lässt, gehörte ein Affe, am besten ein Gorilla. …
Bild: Serie ‚gorilla tube’ ist ab sofort im HandelBild: Serie ‚gorilla tube’ ist ab sofort im Handel
Serie ‚gorilla tube’ ist ab sofort im Handel
Extrem stabil, federleicht und einzigartig im Design, so präsentiert sich die neue Serie ‚gorilla tube’. Diese formschönen und sehr stabilen Schutzhüllen sind ab sofort im GRAVIS Onlineshop sowie in ausgewählten GRAVIS-Filialen oder direkt unter gorilla-cases.com erhältlich. Durch den Einsatz von beständigen Hightech-Materialien wie Carbon-/ und Naturfaser, …
Bild: Kite Gorilla heißt jetzt Wave Gorilla und ist mehr als KiteboardingBild: Kite Gorilla heißt jetzt Wave Gorilla und ist mehr als Kiteboarding
Kite Gorilla heißt jetzt Wave Gorilla und ist mehr als Kiteboarding
Seit der Gründung im Sommer hat sich beim E-Commerce Startup Kite Gorilla viel getan. Kite Gorilla war gestern, jetzt ist Wave Gorilla Online. Weiterhin handelt es sich um einen Online Shop für Wassersport Ausrüstung. Im Sortiment stehen jetzt auch komplette Ausrüstungen zum Windsurfen, Stand Up Paddling (SUP), Wakeboarding und Wellenreiten. Vielfalt …
Zu Gast bei Gorillas
Zu Gast bei Gorillas
"Unsere nahen Verwandten in einem unberührten Tieflandwald zu beobachten... diesen besonderen Grad der Verbundenheit zwischen uns und den Westlichen Flachlandgorillas so unmittelbar zu spüren, das macht den Reiz aus", beschreibt Safariexperte Rob Moffett von Wilderness Safaris die Faszination des Gorilla-Trackings im kongolesischen Odzala-Kokoua Nationalpark. …
Bild: Frischer Wind am KitemarktBild: Frischer Wind am Kitemarkt
Frischer Wind am Kitemarkt
Die Branche wächst: Mit Kite Gorilla betritt ein neuer Kiteshop - kitegorilla.de - den Online-Markt Kite Gorilla, ein junges E-Commerce Startup aus Berlin, kündigt den Launch eines Kiteshops an. Der Erwerb hochwertiger Kiteausrüstung namhafter Hersteller wird künftig über den Onlineshop von Kitegorilla.de möglich. Hier gibt es eine große Auswahl an …
Bild: Reisekosten-Gorilla räumt auf mit dem Belegechaos und macht die Reisekostenabrechnung zum Kinderspiel.Bild: Reisekosten-Gorilla räumt auf mit dem Belegechaos und macht die Reisekostenabrechnung zum Kinderspiel.
Reisekosten-Gorilla räumt auf mit dem Belegechaos und macht die Reisekostenabrechnung zum Kinderspiel.
Der Reisekosten-Gorilla sagt der Bürokratie in deutschen Mittelstandsbüros den Kampf an - schließlich reichen 45% der Geschäftsreisenden ihre Reisekosten heute noch in Papierform ein. ------------------------------ Reisekosten-Gorilla.com ist ein Online-Tool zur einfachen Reisekostenabrechnung, das mit sperrigen Bedienungsoberflächen und umständlichen …
Bild: 2009 wird zum Jahr des Gorillas erklärtBild: 2009 wird zum Jahr des Gorillas erklärt
2009 wird zum Jahr des Gorillas erklärt
… wird immer matschiger und der Weg, trotz stabilem Schuhwerk, immer unstabiler. Immer tiefer sacke ich in diesen Schlamm hinein… Und dann plötzlich streng stinkende, natürliche Hinterlassenschaften der Gorillas: „Sie sind noch frisch, sie müssen ganz in der Nähe sein!“ Dann steht plötzlich ein Gorilla vor uns – ein Gorilla, der sich einen Teufel darum …
Bild: Gorilla Sports als Top Webshop ausgezeichnet
Gorilla Sports als Top Webshop ausgezeichnet
… BILD und Statista haben zum neunten Mal die deutschen Onlineshops unter die Lupe genommen, nach verschiedenen Bewertungskriterien analysiert und die besten Shops ausgewählt. Gorilla Sports, Anbieter für Homegym-Equipment darf stolz sein: www.gorillasports.de wurde ausgezeichnet und zählt zu den Top Shops 2023.Gorilla Sports wurde von COMPUTER BILD und …
Bild: Wave Gorilla bereitet sich mit neuen Herstellern und Produkten auf die kommende Surf Saison vorBild: Wave Gorilla bereitet sich mit neuen Herstellern und Produkten auf die kommende Surf Saison vor
Wave Gorilla bereitet sich mit neuen Herstellern und Produkten auf die kommende Surf Saison vor
Rechtzeitig zum Beginn der neuen Surf Saison hat der Surfshop Wave Gorilla sein Sortiment erweitert und vertreibt nun eine noch größere Auswahl an Kites, Boards, Paddeln und Segeln sowie Ersatzteile und Zubehör von noch mehr Herstellern über den Online Shop. Dadurch gibt es bei Wave Gorilla nun ein größeres Sortiment, damit wirklich jeder Wassersportler …
Bild: Frischer Wind am KitemarktBild: Frischer Wind am Kitemarkt
Frischer Wind am Kitemarkt
Die Branche wächst: Mit Kite Gorilla betritt ein neuer Kiteshop - kitegorilla.de - den Online-Markt Kite Gorilla, ein junges E-Commerce Startup aus Berlin, kündigt den Launch eines Kiteshops an. Der Erwerb hochwertiger Kiteausrüstung namhafter Hersteller wird künftig über den Onlineshop von Kitegorilla.de möglich. Hier gibt es eine große Auswahl an …
Sie lesen gerade: Hat sich der Östliche Gorilla erholt?