(openPR) Die vorherrschenden Gefühle im Zusammenhang mit Bürokratie sind Wut, Zorn und Aggression.
Insgesamt empfinden 92 Prozent der Befragten den bürokratischen Aufwand für Bürger und Unternehmen als zu hoch, nur 6 Prozent als angemessen. 85 Prozent sagen, es gäbe mehr Bürokratie als vor 10 Jahren.
Meine Forderung: „Wir müssen dem Bürokratiemonster den Kopf
abschlagen, indem wir die Zahl der Ministerialbeamten reduzieren.
Eine Neueinstellung darf es erst geben, wenn zuvor zwei Beamte ausgeschieden sind. Außerdem brauchen wir Verfallsdaten für Gesetze, damit diese automatisch auslaufen. ”Deutschlands Bürokratie sorgt oft für Kopfschütteln und echte Peinlichkeiten im Alltag, was bei fast der Hälfte der Bevölkerung zu Frust, Wut und regelrechter "Bürokratie-Wut" führt. Absurde Beispiele reichen von der strikten Kassenbonpflicht, die trotz moderner Technik massenhaft Müll produziert, bis hin zu peniblen Dokumentationspflichten für Handwerksbetriebe, die selbstverständliche Abläufe auf dem Papier belegen müssen.
Die absurdesten bürokratischen Peinlichkeiten
- Die Kassenbon-Pflicht: Trotz modernster digitaler Kassensysteme muss bei jedem Bezahlvorgang ein Beleg gedruckt werden – auch wenn der Kunde ihn gar nicht haben möchte und er sofort im Müll landet.
- Der Dokumentationswahn: In Metzgereien oder Bäckereien muss die Kühlraumtemperatur handschriftlich notiert werden, obwohl die Kühlanlagen längst digitale Alarmsysteme bei Temperaturabweichungen besitzen.
- Keine Kommunikation zwischen Behörden: Wer den Führerschein und den Personalausweis gleichzeitig beantragt, muss die Formulare oftmals separat einreichen, da die IT-Systeme der verschiedenen Behörden nicht miteinander vernetzt sind.
Der deutsche Bürokratie-Wahnsinn ist für viele Bürger und Unternehmen zu einer enormen Belastung geworden. Schätzungen zufolge gehen der deutschen Wirtschaft durch überbordende Formularfluten und Berichtspflichten jährlich bis zu 146 Milliarden an Wirtschaftsleistung verloren. Die ausufernden Vorschriften betreffen dabei nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche.
Warum der Amtsschimmel so laut wiehert
- Überregulierung: Für alltägliche Prozesse oder Produkte müssen unzählige, oft widersprüchliche Gesetze beachtet werden. Selbst kleine Betriebe verbringen einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentationspflichten statt mit ihrem eigentlichen Geschäft.
- Langwierige Genehmigungsverfahren: Bauvorhaben, die Sanierung von Gebäuden oder die Planung von Infrastruktur (wie Radwege) ziehen sich oft über Jahre hin, weil unzählige Gutachten (z.B. für Lärm- oder Artenschutz) eingeholt werden müssen
- Fehlende Digitalisierung: Trotz Initiativen wie dem Onlinezugangsgesetz (OZG) sind viele Behördengänge weiterhin analog oder von Medienbrüchen geprägt. Viele Anträge erfordern noch immer Papierformulare und händisch ausgefüllte Dokumente.
Wo der Irrsinn besonders tobt
- Unternehmen & Handel: Kleine Firmen und Einzelhändler kämpfen mit immer neuen EU-Richtlinien oder umfänglichen Arbeitsschutzvorgaben, die kaum noch personell zu bewältigen sind.
- Bauen & Planen: Private Bauherren und Kommunen verzweifeln oftmals an den bürokratischen Hürden. Die Zuständigkeitsbereiche der Ämter sind häufig fragmentiert, was einfache Projekte blockiert.
- Gesundheit & Soziales: Lange Wartezeiten, Quartalsüberweisungen beim Arzt, unzählige Abrechnungsformulare und überlastete Ausländerämter zeigen den bürokratischen Stau im täglichen Leben.
Allein in den letzten vier Jahren sind die Bürokratiekosten um 8 Milliarden Euro gestiegen. Unternehmen verbringen jährlich rund 1 Milliarde Arbeitsstunden mit bürokratischen Aufgaben.
- Jedes Sanitätshaus muss pro Produktgruppe zudem jeweils eigene Verträge mit den zahlreichen Krankenkassen abschließen, um auch Leistungen abrechnen zu können. Dass führt dazu, dass ein einzelner Betrieb unter Umständen Hunderte Verträge verwalten muss mit verschiedenen Vereinbarungen. "Das heißt, wir haben teilweise bei jeder Krankenkasse ein anderes Formular, das die Betriebe verwenden müssen. Man kommt aus der Verwaltung der Papiere kaum noch heraus"
Bürokratieabbau: Wie kommt die Regierung voran?
- Seit 2022 ist der Unternehmer Lutz Goebel Vorsitzender des Normenkontrollrates. Seine Bilanz im vergangenen Jahr: Trotz aller Bemühungen und mehrerer Entlastungsgesetze hält sich die Bürokratie hartnäckig. "Wir werden immer größer, die Ministerien werden immer größer. Immer mehr Menschen, die dort arbeiten, die sich bestimmt 30 Prozent ihrer Zeit vorwiegend mit sich selber beschäftigen".
- Immer neue Vorgaben kommen auch durch EU-Regelungen. Im vergangenen Jahr hatte Ursula von der Leyen noch einen massiven Abbau von Vorschriften angekündigt. Die Realität sieht indes anders aus: Laut dem Wirtschaftsverband Gesamtmetall schlug die Kommission 2025 21 neue Richtlinien, erließ 137 delegierte Rechtsakte sowie 1.196 Durchführungsrechtsakte. Das seien so viele neue Regeln wie seit 15 Jahren nicht mehr.
- Digitale Steinzeit: Während in Ländern wie Dänemark die Verwaltung effizient und digital arbeitet, ersticken deutsche Betriebe am Papierkram. Bürokratische Vorgaben des Bundes kosten die Wirtschaft Schätzungen zufolge bis zu 146 Milliarden Euro pro Jahr, wobei Steuern und Umsatzsteuerrecht fast die Hälfte dieser Lasten verursachen.
- Ehrenamt am Limit: Selbst Vereine, die eigentlich gemeinnützig arbeiten, kämpfen oft mehr mit dem Ausfüllen von Formularen, Datenschutzvorgaben und Nachweisen, als sich auf ihre eigentliche ehrenamtliche Arbeit konzentrieren zu können.
Warum der Abbau so schwerfällt
Die Regierung versucht zwar, mit diversen Gesetzen gegenzusteuern, allerdings blockieren sich Ministerien und Behörden oft selbst. Der Nationale Normenkontrollrat, der genau diese ausufernde Regelungswut eigentlich eindämmen sollte, hat seine Ziele bislang kaum erreicht, da sich Ministerien oft gegen einen Abbau ihrer eigenen Zuständigkeiten wehren.
Um zu sehen, wie sehr der Alltag von kleinen Unternehmen durch Auflagen und Papierkram gelähmt wird:
Einer pragmatischen Verwaltungspraxis steht in Deutschland eine strikte Prozessorientierung entgegen. Das vorrangige Ziel von Behörden besteht demnach nicht darin, ein Projekt umzusetzen, sondern ein fehlerfreies, unangreifbares Verfahren abzuwickeln. Wenn sich dabei das Projekt erheblich verzögert – oder gänzlich scheitert –, ist dies aus der Verwaltungslogik heraus unproblematisch.
Wer will was?
Die Initiative für einen handlungsfähigen Staat hat einige Vorschläge zur Verwaltungsvereinfachung gemacht. Unter anderem schlagen die Expertinnen und Experten vor, bereits im Verfahren anzusetzen. So soll der Gesetzgebungsprozess „gründlicher, integrativer, transparenter und vollzugsorientierter“ werden. Gesetze sollen leichter umzusetzen und zu erfüllen und überhaupt „innovationsoffen und ausnahmefreundlich“ sein. Private Investitionen sollen erleichtert, die Digitalisierung vorangetrieben, der Datenschutz vereinfacht und gelockert werden. Die Liste der Vorschläge ist lang.
Der Beirat des Wirtschaftsministeriums schlägt vor, wo immer möglich großzügige Pauschalen statt kleinteiliger Einzelnachweise und Ausnahmen bei Kleinstbeträgen („Bagatellklauseln“) vorzusehen. Im Übrigen solle der Staat auf „Mikromanagement“ verzichten. Statt etwa technische Vorgaben zu machen, sollte der Staat Ziele vorgeben, den Weg dorthin aber den Unternehmen und den Bürgerinnen und Bürgern überlassen. Das „gold plating“ von EU-Richtlinien soll aufhören. Behörden sollten künftig an den Ergebnissen, die sie ermöglichen, gemessen werden. An deren Spitzen sollten häufiger Führungskräfte aus der Wirtschaft gesetzt werden, die sich moderner Managementmethoden bedienen. So soll der Vorrang der Prozessorientierung zurückgedrängt werden.
Ob solche Vorstöße eine Chance haben, liegt auch an den Bürgerinnen und Bürgern selbst. Denn oft ist es der öffentliche Ruf nach eindeutigen Regeln, der Parlamente und Regierungen in immer neue Gesetzgebungsverfahren lockt.
Dieter Trollmann












