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Profitieren vom Technologiewechsel bei den Sicherheits-Infrastrukturen

(openPR)

Für Frequentis war 2025 ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Der Vorstandsvorsitzende Norbert Haslacher erläutert im Interview, mit welchen Produkten das Wiener Unternehmen vom technologischen Wandel bei den sicherheitskritischen Infrastrukturen im Flugverkehr, in der öffentlichen Sicherheit und im Verkehr auf der Schiene und zur See profitiert.



Frequentis ist 2025 beim Umsatz um fast 21 Prozent gewachsen, die EBIT-Marge hat sich um 140 Basispunkte auf 8,1 Prozent verbessert. Was gab den Ausschlag?

Strategisch haben wir in den letzten Jahren einiges richtig gemacht. Zum einen durch die Verbreiterung des Produktportfolios mit Übernahmen. Zugleich haben wir durch unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung regulatorische Anforderungen im sicherheitskritischen Bereich rechtzeitig adressieren können. Mit dem Ergebnis, dass wir 2025 substanziell in der Breite in den meisten Regionen und vertikalen Geschäftseinheiten gewachsen sind und die Früchte dessen ernten, was wir vor Jahren begonnen haben. Dazu kommt: im Vergleich zu vielen anderen Industrien sind wir in einem positiven Marktumfeld unterwegs. Das Thema Sicherheit spielt eine immer größere Rolle und die deutlich wachsende Zahl an neuen Flugzeugen im internationalen Luftraum erfordert entsprechende Kommunikationsstrukturen für die Flugsicherung.

Wo sehen Sie auf Kundenseite die größten Impulse?

Wir sehen einen Technologiewechsel bei den Sicherheits-Infrastrukturen, und zwar weg von geschlossenen, proprietären Systemen in Richtung cloudfähige Systeme. Ganz einfach, weil in den Flugsicherungen die Anpassungsgeschwindigkeit von operationellen oder regulatorischen Anforderungen deutlich erhöht werden muss. Um es plastisch auszudrücken: In den derzeitigen Systemen dauert das viel zu lange, weil die technische Code-Struktur der Software eher einem Spaghetti-Code gleicht. Ersetzt werden sie jetzt durch Lasagne-Schichtenmodelle aus der modernen IT.

Ist dieser Paradigmenwechsel kommerziell ausgereift?

Diese technologische Umstellung wird uns auf Sicht der nächsten Jahre eine gute Pipeline im Bereich der Flugsicherung bescheren. Frequentis konnte hier zum Jahresanfang schon die ersten Förderprogramme gewinnen, wo diese Technologie umgebaut werden soll in Richtung serviceorientierte Cloud-Native-Architektur. Die ersten Flugsicherungen schreiben schon diese neue Art von Systemen aus.

Wir sprechen hier über den Luftverkehr. Was tut sich im öffentlichen Sicherheits- und Verkehrsbereich?

Hier profitiert Frequentis von zwei Entwicklungen. Bis 2036 geht in der Industrie der Funkstandard GSM-R außer Betrieb. Das ist eine zum Ende der neunziger Jahre etablierte Kommunikationstechnologie, die Bahninfrastruktur basiert noch darauf. Genau hier kommt Mission X von Frequentis mit Daten-, Video- und Sprachkommunikation ins Spiel. Mit der Beteiligung an Nemergent Solutions aus Spanien 2024 haben wir die Expertise eines der führenden Softwarehersteller für diese Marktnische erworben. Wie man mit dem Auftrag in Großbritannien zu einer cloudbasierten Leitstelle für alle rund 300.000 Einsatzkräfte gesehen hat, sichern wir uns in Europa hier die ersten Aufträge im Rahmen derzeit laufenden größeren Ausschreibungen. Dasselbe gilt für den Mobilfunk für die öffentliche Sicherheit, wo der TETRA-Standard vor dem end-of-life steht.

ein Standard, der sich als multimediale Plattform kaum eignet.

Ähnlich wie GSM-R ist TETRA sehr dünnbandig mit extrem wenig Möglichkeiten für Datentransfers. Der G7-Gipfel in Schloss Ellmau 2015, bei dem Frequentis seine technologische Expertise einbrachte, lieferte ein anschauliches Beispiel dafür. Die Einsatzkräfte aus unterschiedlichen Ländern konnten nicht miteinander in den vorhandenen Funksystemen kommunizieren. Mit MCX versuchen wir einen europäischen Standard im Schichtenmodell zu etablieren. Die Kunden haben damit eine freie Auswahl an Lieferanten. Sie können wie in einem App-Store unterschiedliche Applikationen für das Schichtenmodell erwerben. Damit vermeiden sie, sich wie in der Vergangenheit an einzelne Lieferanten zu binden - mit deren eigenen Standards, die gerade in Europa nicht mit anderen Anbietern aus anderen Ländern interoperabel waren.

Auf dem US-Markt schaffte Frequentis 2025 ein Umsatzwachstum von 80 Prozent. Erwarten Sie auch dieses Jahr eine anhaltend hohe Wachstumsdynamik und in welchen Bereichen investiert Frequentis hier gerade vor Ort?

Das Wachstum 2025 war stark geprägt durch den APCS-Auftrag der US-Flugsicherungs-Behörde FAA (Federal Aviation Administration). Hier geht es um die Umstellung auf IP bei der Boden-Luft-Kommunikation im Flugsicherungsnetz der USA. Die neue US-Regierung stellt größere Budgets für die Modernisierung der Flugsicherung-Infrastruktur zur Verfügung. Das kommt uns zugute, weil die technologischen Innovationen hier aus Europa kommen. Hier in Europa haben wir auf enger Fläche den komplexesten Luftraum mit unterschiedlichen Lufthoheiten. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen hinsichtlich Interoperabilität, Automatisierung und Digitalisierung.

Wie schafft es Frequentis, auch vom US-Militär immer neue Aufträge an Land zu ziehen?

Wir sind seit mehr als 20 Jahren in den USA präsent. 2025 haben wir für militärische Anwendungen eine eigene Niederlassung eröffnet, die mit dem top secret-Siegel klassifiziert ist. Der Präsident ist ein früherer General der US Air Force. Was für uns noch mehr die Chancen erhöht, klassifizierte Projekte zu adressieren und zu gewinnen. Aber auch auf den europäischen Märkten sind wir sehr gut aufgestellt. In Europa ist die Erneuerung geprägt durch das Forschungsprogramm SESAR, was auf Sicht der nächsten Jahre entsprechendes Wachstumspotenzial generiert.

Dagegen schrumpfte der Umsatz Asien zuletzt.

Asien ist ein sehr komplexer Markt, was die Bedingungen bei den Ausschreibungen angeht. Der Rückgang war Verschiebungen nach Ausschreibungen geschuldet. Diese Projekte starten 2026 und werden danach umsatzwirksam. Der Flugverkehr in der Region wächst jährlich um sechs bis sieben Prozent, dementsprechend voll ist die Pipeline. In Südostasien sind wir hier aktiv, vor allem in Singapur, Malaysia und Thailand. Der Mittlere Osten ist ebenfalls wichtig, auch wenn das Geschäft gerade durch den Irankrieg eingeschränkt ist.

Die Frequentis-Aktie war 2025 der Topperformer an der Wiener Börse. Gleichzeitig ist die Bewertung auf ein 2027er-KGV von knapp 25 gestiegen. Wie kann Frequentis vermeiden, zu einem Opfer der unter Börsianern deutlich gestiegenen Erwartungen zu erwarten?

Wir sind in zwei Wachstumsmärkten unterwegs, der öffentlichen Sicherheit und der Digitalisierung des wachsenden internationalen Luftverkehrs. Die Investoren reagieren positiv darauf, dass wir als Spezialist unsere Marktanteile ausbauen, im Branchenvergleich überproportional beim Umsatz wachsen und es gleichzeitig schaffen, die Margen zu verbessern. Der zweite große Schub für das gestiegene Investoreninteresse ist sicher, dass Frequentis mit inzwischen rund 20 Prozent Umsatzanteil beim Defense-Business überproportional von den erhöhten NATO-Ausgaben profitieren wird. Last but not least kamen psychologische Effekte zum Tragen. Für Investoren war es sicher schockierend zu sehen, wie leicht es eigentlich ist, mit Drohnen in den europäischen Luftraum einzudringen.

Wie hat sich Frequentis hier in das Drohnengeschäft eingeklinkt?

Die Verantwortung für die Identifizierung von feindlichen Drohnen ist noch unklar. Außer in geschützten Zonen wie Airports ist die Flugsicherung lediglich zuständig für den kontrollierten Luftraum über 400 Fuß Höhe (120 Meter, Anm.). Für die Integration von Drohnen haben wir im bayerischen Manching ein Forschungsprogramm am Laufen. Dort probt Frequentis in Verbindung mit der militärischen Flugsicherung, wie Drohnen als feindliche und unbekannte Flugobjekte erkannt werden. Wir bilden mit unseren Kommunikationslösungen die gesamte Daten-Drehscheibe ab, etwa indem wir identifizieren, ob Drohnen registriert sind und einen Flugplan eingereicht haben.

Für die Einsatzzentralen bei Polizei und Feuerwehr hat Frequentis in Deutschland bereits
etliche Großprojekte erfolgreich abgeschlossen. Wo sind Aufträge in ähnlicher Größenordnung am ehesten im Ausland denkbar?

Im Kontrollraum reden wir über unsere digitale Multimedia-Kommunikationsplattform LifeX, die inzwischen in den Einsatzzentralen der Polizei in mehr als der Hälfte der deutschen Bundesländer installiert sind. Großbritannien ist ein ähnlich großer Markt für uns. Hier implementieren wir innerhalb eines Konsortiums mit IBM MissionX ins Netzwerk für die Kommunikation über 5G-Funknetze zwischen Einsatzkräfte und Leitstellen.

Die Kundenbasis von Frequentis wurde in den letzten Jahren immer internationaler. Trifft das auch für die Investorenbasis zu?

Die frühere D-A-CH-Lastigkeit hat sich deutlich erweitert, vor allem seit die Frequentis-Aktie bei der Marktkapitalisierung die Milliardenmarke überschritten hat und die täglichen Handelsvolumina deutlich gestiegen sind. Wir haben jetzt Investoren aus den USA, Australien, Großbritannien und Skandinavien an Bord, für die das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle spielt.

Was sind die wichtigsten Ziele für 2026?

Wir wollen die Wertschöpfungskette optimieren, die mit den Investitionen der Kunden in die Cloud-Infrastruktur komplexer wird. Es geht dabei auch um die Skalierung von Knowhow, was uns in der Entwicklung der Margen sicher helfen wird.

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Frequentis AG
ISIN: ATFREQUENT09
www.frequentis.com
Land: Österreich

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