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Warum wir mit Andersdenkenden sprechen – oder eben nicht

06.01.202612:01 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) «Demokratie lebt vom politischen Diskurs», sagt Dr. Melissa Jauch, Assistentin in der Abteilung für Sozialpsychologie der Universität Basel. «Es ist für eine Demokratie deshalb unverzichtbar, dass Menschen miteinander sprechen; zum einen, um die Gegenseite besser zu verstehen und im besten Fall politische Gräben zu überbrücken. Zum anderen aber auch, um die eigenen Ansichten kritisch zu hinterfragen.»

Gleichzeitig führt die zunehmende politische Polarisierung dazu, dass viele Menschen die Konfrontation mit Andersdenkenden scheuen, sei es aus Angst vor Konflikten oder aus dem Bedürfnis heraus, den Selbstwert nicht zu gefährden. «Es ist daher wichtig zu verstehen, unter welchen Umständen Menschen bereit sind, sich mit Andersdenkenden auszutauschen», so Jauch.

Die Postdoktorandin hat diese Frage zusammen mit weiteren Forschenden aus der Sozialpsychologie untersucht und die Ergebnisse vor Kurzem in der Zeitschrift «Political Psychology» veröffentlicht. Insgesamt wurden vier Studien mit Studierenden der Fakultät für Psychologie der Universität Basel sowie mit Stichprobengruppen in den USA und in Grossbritannien durchgeführt.

Interesse an anderen Meinungen

Um die Diskussionsbereitschaft zu messen, hat das Basler Forschungsteam mit WEDO (Willingness to engage with differently minded others) ein eigenes Messinstrument entwickelt. Die Funktionsweise ist einfach: Anhand von vorgegebenen hypothetischen Szenarien geben die Studienteilnehmenden in einem ersten Schritt ihre Haltung zu einem bestimmten Thema – zum Beispiel Nachhaltigkeit oder Einwanderung – auf einer mehrstufigen Skala an.

In einem zweiten Schritt werden sie gebeten, eine hypothetische Diskussionsgruppe zusammenzustellen. Dabei definieren sie den Bereich von Meinungen, den sie in dieser Gruppe als akzeptabel erachten: So kann ein Teilnehmer zum Beispiel Personen mit extrem abweichenden Meinungen ausschliessen, moderat abweichende Positionen aber zulassen. WEDO misst also nicht nur, ob jemand einen Dialog befürwortet oder verweigert. Das Instrument erfasst vielmehr die gesamte Bandbreite an Meinungen, die eine Person zu akzeptieren bereit ist.

Was offene Menschen auszeichnet

Die Untersuchung zeigt, dass Personen, die sich offen zeigen gegenüber Andersdenkenden, eher analytisch denken und ein generelles Bedürfnis haben, den Dingen auf den Grund zu gehen. «Menschen, die zu einem Schwarz-Weiss-Denken neigen und sich eher auf ihr Bauchgefühl verlassen, sind hingegen weniger bereit zum Austausch», berichtet Jauch.

Überrascht hat die Sozialpsychologin, dass es gemäss den Studien für die Dialogbereitschaft keine Rolle spielt, ob ein Thema politisch stark umstritten ist. «Wir gingen davon aus, dass bei kontroversen Themen anderslautende Meinungen eher vermieden werden. Das hat sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Laut einer Studie sind Menschen bei kontroversen Fragen eher bereit, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.»

Studien gehen weiter

Die Studien seien noch nicht abgeschlossen, sagt Melissa Jauch. Noch gebe es eine Reihe offener Fragen, die näher zu untersuchen seien: Warum zeigen sich Menschen bei umstrittenen Themen manchmal eher zum Dialog bereit? Welcher Kontext ist förderlich für einen politischen Austausch? Gibt es neben analytischem und intuitivem Denkstil weitere Persönlichkeitsmerkmale, welche die Dialogbereitschaft beeinflussen? Und welche Rolle spielen Stereotype?

WEDO bietet aber schon heute mehrere Vorteile: Im Vergleich zu Verhaltensstudien spart das Messinstrument Zeit und Kosten und kann leicht an verschiedene Themen und Kontexte angepasst werden. Ausserdem erlaubt es, das Spektrum an Meinungen, auf das sich die Menschen einlassen wollen, nuanciert zu bewerten – und leistet damit einen Beitrag, um die Faktoren zu identifizieren, die politische Gräben überbrücken können.

Originalpublikation:
Melissa Jauch et al.
How deep a divide do we tolerate? Measuring the willingness to engage with differently minded others (WEDO)
Political Psychology (2025)
doi: 10.1111/pops.70086

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