(openPR) Bingen, 29.12.2025 – In der Welt der Intralogistik ist die Standsicherheit von Regalsystemen die Basis für reibungslose Abläufe. Mit der im Juli 2024 finalisierten Fassung der DGUV Information 208-061 (ehemals DGUV Regel 108-007) wurden die Leitplanken für den sicheren Betrieb von Lagereinrichtungen neu justiert. Die Aktualisierung passt die Sicherheitsstandards an die gestiegenen Anforderungen moderner Hochleistungslager an und sorgt für die notwendige Harmonisierung mit der europäischen Normung.
Rückblick & Status Quo: Die statistische Notwendigkeit
Ein Blick auf die Unfallzahlen der letzten zwei Jahre verdeutlicht, warum die Überarbeitung des Regelwerks unumgänglich war. Obwohl die Präventionsarbeit Früchte trägt, bleibt das Niveau der Zwischenfälle hoch:
- 2023: Mit 15.890 Unfällen an Regalsystemen und über 35.000 Staplerkollisionen war das Jahr ein Beleg für die Risiken in der Schnittstelle Mensch-Maschine-Regal.
- 2024: Die vorläufigen Zahlen zeigen einen leichten Rückgang auf ca. 15.240 Unfälle im Regalbereich (-4,1 %). Experten führen diesen Trend unter anderem auf die frühzeitige Sensibilisierung durch die neuen DGUV-Entwürfe und die fortschreitende Digitalisierung der Lagerprüfung zurück.
Praxisrelevante Neuerungen für das Logistik-Management
Die DGUV 208-061 greift direkt in die operative Planung und den Arbeitsschutz ein:
- Optimierte Flächennutzung (5:1 Regel): Das zulässige Höhen-Tiefen-Verhältnis für Regale mit Schiebe- oder Rolltüren wurde von 4:1 auf 5:1 erhöht. Für Logistikleiter bedeutet dies einen Effizienzgewinn von bis zu 25 % bei der Planung schmalerer, hoher Lagereinheiten, ohne die Standsicherheit formal zu gefährden.
- Härterer Anfahrschutz: Um die hohe Zahl der Staplerunfälle abzufedern, definiert die Information klare Anforderungen: Ein Anfahrschutz muss nun eine Energieaufnahme von mindestens 400 Joule gewährleisten. Dies schafft Klarheit bei Beschaffung und Nachrüstung.
- Rechtssicherheit durch Normen-Harmonisierung: Die strikte Ausrichtung an der DIN EN 15635 erleichtert die rechtssichere Durchführung der wöchentlichen Sichtkontrollen sowie der jährlichen Expertenprüfung.
Einblick & Prognose 2025: Der Weg zum „Smart Safety Lager“
Für das Jahr 2025 zeichnen sich drei wesentliche Trends ab, die durch die neue DGUV 208-061 flankiert werden:
- Trend 1: Predictive Maintenance am Regal. Wir erwarten für 2025 einen verstärkten Einsatz von Sensorik an Regalsäulen. Die klaren Grenzwerte der DGUV 208-061 (z. B. zur Durchbiegung) dienen hierbei als Basis für digitale Alarmsysteme.
- Trend 2: Fokus auf die Unterweisung. Da die Technik sicherer wird, rückt der Faktor Mensch in den Fokus. Die Prognose für 2025 sieht eine verstärkte Nutzung von VR-Trainings vor, um die Anforderungen der neuen Information praxisnah zu schulen.
- Trend 3: Sinkende Unfallschwere. Durch den verbindlichen 400-Joule-Anfahrschutz prognostizieren Experten für 2025 zwar nicht zwingend weniger Kollisionen, aber eine signifikante Reduktion der Unfallschwere und damit geringere Ausfallzeiten.
3-Punkte-Checkliste für Logistikleiter
Um die Anforderungen der neuen DGUV 208-061 zeitnah umzusetzen, sollten Betriebe folgende Punkte prüfen:
- Gefährdungsbeurteilung aktualisieren: Sind die neuen Bezeichnungen (z. B. "Ladungsträger") und die angepassten Standsicherheitsfaktoren in der Dokumentation hinterlegt?
- Hardware-Check (Anfahrschutz): Entspricht der verbaute Schutz an Eckbereichen und Durchfahrten der geforderten Energieaufnahme von 400 Joule?
- Prüfprotokolle anpassen: Wurden die Checklisten für die wöchentliche Sichtprüfung auf die aktualisierten Vorgaben der DGUV 208-061 (in Anlehnung an DIN EN 15635) umgestellt?
Quellenverweis:
- DGUV Bilanz 2024 & Statistik Arbeitsunfallgeschehen 2023.
- DGUV Information 208-061 (Stand Juli 2024), hrg. v. Fachbereich Handel und Logistik.
- Branchenbericht „Logistik Trends 2025“, Fokus auf Predictive Analytics und Sensorik.












