openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Vampire der Tiefsee: Uralte Verbindung zwischen Oktopussen und Tintenfischen

Bild: Vampire der Tiefsee: Uralte Verbindung zwischen Oktopussen und Tintenfischen

(openPR) In einer in iScience veröffentlichten Studie präsentieren Forscher*innen um Oleg Simakov von der Universität Wien, des National Institute of Technology – Wakayama College (NITW; Japan) und der Universität Shimane (Japan) das bisher größte sequenzierte Genom eines Kopffüßers. Ihre Analysen zeigen, dass der Vampirtintenfisch Teile einer alten, tintenfischähnlichen Chromosomenstruktur bewahrt hat und belegen damit, dass sich moderne Kraken von tintenfischähnlichen Vorfahren entwickelt haben.

Der Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis sp.) zählt zu den rätselhaftesten Tieren der Tiefsee. Seinen dunklen Körper, den großen roten oder blauen Augen und den mantelartigen Schwimmhäuten zwischen seinen Armen verdankt er seinen dramatischen Namen – obwohl er kein Blut saugt, sondern sich friedlich von organischen Abfällen ernährt. "Interessanterweise heißt der Vampirtintenfisch im Japanischen 'kōmori-dako', was so viel wie 'Fledermaus-Oktopus' bedeutet", erklärt Masa-aki Yoshida von der Universität Shimane, einer der drei Hauptautoren des Projekts. Doch hinter seinem Äußeren verbirgt sich ein noch tieferes Geheimnis: Obwohl er zu den Oktopussen zählt, weist er auch Merkmale von Tintenfischen und Sepien auf. Um dieses Paradoxon zu entschlüsseln, hat ein internationales Team unter der Leitung von Oleg Simakov von der Universität Wien zusammen mit Davin Setiamarga (NITW) und Masa-aki Yoshida (Universität Shimane) das Genom des Vampirtintenfischs entschlüsselt.

Ein Blick in die Tiefsee-Evolution

Durch die Sequenzierung des Genoms von Vampyroteuthis sp. rekonstruierten die Forscher*innen ein Schlüsselkapitel der Kopffüßer-Evolution. Die "modernen" Kopffüßer (Coleoidea) spalteten sich vor über 300 Millionen Jahren in zwei Hauptlinien auf: die zehnarmigen Decapodiformes (Kalmare und Sepien) und die achtarmigen Octopodiformes (Kraken und der Vampirtintenfisch).
Obwohl der Vampirtintenfisch wie ein Krake acht Arme besitzt, teilt er wichtige genomische Merkmale mit seinen zehnarmigen Verwandten. Dadurch nimmt er eine wichtige Stellung zwischen beiden Linien ein. Obwohl er zu den Oktopussen gehört, zeigt sein Genom in der chromosomalen Struktur und Organisation viele ursprünglichere Charakteristika der sich früher abgespalteten Kalmare.

Ein enormes Genom mit uralter Architektur

Mit über 11 Milliarden Basenpaaren ist das Genom des Vampirtintenfischs fast viermal so groß wie das menschliche Genom – das größte jemals analysierte Genom eines Kopffüßers. Trotz dieser Größe weisen seine Chromosomen eine überraschend konservierte Struktur auf. Daher gilt Vampyroteuthis als "genomisches lebendes Fossil" – ein moderner Vertreter einer uralten Abstammungslinie, der wichtige Merkmale seiner evolutionären Vergangenheit bewahrt hat. Das Forschungsteam fand heraus, dass er Teile eines zehnköpfigen Tintenfisch-ähnlichen Karyotyps bewahrt hat, während moderne Kraken im Laufe der Evolution umfangreiche Chromosomenfusionen und Umstrukturierung durchliefen. Diese konservierte Genomarchitektur liefert neue Hinweise darauf, wie sich die einzelnen Linien der Kopffüßer auseinanderentwickelten. "Der Vampirtintenfisch steht genau an der Schnittstelle zwischen Kraken und Tintenfischen", sagt der Hauptautor Oleg Simakov vom Department für Neurowissenschaften und Entwicklungsbiologie der Universität Wien. "Sein Genom enthüllt tiefgreifende evolutionäre Geheimnisse darüber, wie zwei auffallend unterschiedliche Abstammungslinien aus einem gemeinsamen Vorfahren hervorgehen konnten."

Oktopus-Genome bildeten ihre eigene evolutionäre Autobahn

Durch den Vergleich des Vampirtintenfischs mit anderen sequenzierten Arten, darunter dem Hochseeoktopus Argonauta hians, konnten die Forscher*innen die Richtung der Chromosomenveränderungen im Laufe der Evolution nachvollziehen. Das Genom von Argonauta hians ("Papierboot"), einem ungewöhnlichen Hochseeoktopus, dessen Weibchen sekundär eine Schale entwickelten, wurde in dieser Studie ebenfalls erstmals präsentiert. Die Analyse legt nahe, dass frühe Coleoidea eine tintenfischähnliche Chromosomenorganisation besaßen, deren Einzelteile im Laufe der Evolution teilweise verschmolzen und sich in das moderne Oktopus-Genom verdichteten – ein Prozess, der als "fusion with mixing" bekannt ist. Diese irreversiblen Umstrukturierungen führten wahrscheinlich zu wichtigen morphologischen Neuerungen wie der Spezialisierung der Arme und dem Verlust der äußeren Schalen. "Obwohl der Vampirtintenfisch zu den Oktopussen gezählt wird, besitzt er ein genetisches Erbe, das älter ist als beide Abstammungslinien", ergänzt die Zweitautorin Emese Tóth von der Universität Wien. "Es ermöglicht uns einen direkten Einblick in die frühesten Stadien der Kopffüßer-Evolution."

Eine grundlegende Erkenntnis der Evolution der Kopffüßer

Die Studie liefert den bisher deutlichsten genetischen Beweis dafür, dass der gemeinsame Vorfahre von Kraken und Tintenfischen tintenfischähnlicher war als bisher angenommen. Sie hebt hervor, dass eine umfassende chromosomale Reorganisation und nicht die Entstehung neuer Gene der Hauptgrund für die bemerkenswerte Vielfalt der modernen Kopffüßer war.

Über die Universität Wien:

Die Universität Wien setzt seit über 650 Jahren Maßstäbe in Bildung, Forschung und Innovation. Heute ist sie unter den Top 100 und damit den Top 4 Prozent aller Universitäten weltweit gerankt sowie in aller Welt vernetzt. Mit über 180 Studien und mehr als 10.000 Mitarbeitenden ist sie einer der größten Wissenschaftsstandorte Europas. Hier treffen Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um Spitzenforschung zu betreiben und Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen zu finden. Ihre Studierenden und Absolvent*innen gehen mit Innovationsgeist und Neugierde komplexe Herausforderungen mit reflektierten und nachhaltigen Lösungen an.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Oleg Simakov
Department für Neurowissenschaften und Entwicklungsbiologie
Universität Wien
1030 Wien, Djerassiplatz 1
T +43-1-4277-56501
E-Mail
www.univie.ac.at

Originalpublikation:
Yoshida, M.A., Tóth, E., Kon-Nanjo, K., Kon, T., Hirota, K., Toyoda, A., Toh, H., Miyazawa, H., Terauchi, M., Noguchi, H., Setiamarga, D.H.E., Simakov, O., Giant genome of the vampire squid reveals the derived state of modern octopod karyotypes, iScience (2025).
DOI: 10.1016/j.isci.2025.113832
https://www.cell.com/iscience/fulltext/S2589-0042(25)02093-0

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1297250
 688

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Vampire der Tiefsee: Uralte Verbindung zwischen Oktopussen und Tintenfischen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: QIA startet Phase zum Aufbau von Full-Stack-Quanten-NetzwerkenBild: QIA startet Phase zum Aufbau von Full-Stack-Quanten-Netzwerken
QIA startet Phase zum Aufbau von Full-Stack-Quanten-Netzwerken
Die Quantum Internet Alliance (QIA) erhält von der Europäischen Kommission Fördermittel in Höhe von 47,5 Millionen Euro, um ihre Arbeit an einem Full-Stack-Quanten-Internet-Prototyp voranzutreiben und diesen für den Einsatz in der Praxis vorzubereiten. Die neue spezifische Fördervereinbarung (SGA 2) unterstützt die Forschung und Entwicklung in den kommenden 42 Monaten und baut auf den Errungenschaften des Konsortiums der ersten Phase (SGA 1) auf, die von Oktober 2022 bis März 2026 lief. Ziel ist ein vollständiger, programmierbarer Quanten-Ne…
Bild: DAAD-Preis 2026 für Tahoora Tabatabaei an der Evangelischen Hochschule Dresden
DAAD-Preis 2026 für Tahoora Tabatabaei an der Evangelischen Hochschule Dresden
Mit dem DAAD-Preis sollen die Leistungen und das Engagement internationaler Studierender an deutschen Hochschulen sichtbar gemacht und mit den Menschen und persönlichen Geschichten dahinter verbunden werden. Die Preisträger:innen stehen stellvertretend für internationale Studierende, die ihre Hochschulen fachlich, gesellschaftlich und kulturell bereichern. Mit Tahoora Tabatabaei würdigt die ehs eine Studentin der Sozialen Arbeit (B.A.), die sehr gute Studienleistungen mit einem besonderen gesellschaftlichen Engagement verbindet. Der Einsatz …

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: "Venetian Vampires" - Sie kehren zurück, Fabylon Verlag, 2017Bild: "Venetian Vampires" - Sie kehren zurück, Fabylon Verlag, 2017
"Venetian Vampires" - Sie kehren zurück, Fabylon Verlag, 2017
… Die Trilogie bekam ein wunderschönes, neues Outfit, von dem sich auch die Autorin Gabriele Ketterl, die sich über den Wechsel zu Fabylon sehr freut, begeistert zeigt. Die Vampire: Sie heißen Luca, Angel, Stefano, Raffaele und Vittorio, sie sind alt, mächtig, gerecht und sie sind unsterblich. Sie bewahren, gemeinsam mit den anderen Hütern, das wohlgehütete …
Bild: Dresdner Riesenkalmar noch ohne Namen
Dresdner Riesenkalmar noch ohne Namen
… Tiefsee. Seit der Ausstellungseröffnung begegnen die Besucher im Japanischen Palais leuchtenden Fischen mit enormen Zähnen und Augen, aber auch durchsichtigen Tintenfischen und riesigen, fleischfressenden Quallen. In der Tiefsee-Ausstellung 2010/11 bieten die Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung einen tiefen Einblick in ihre …
Bild: O, wie köstlich schmeckt böses Blut. Papa verzeih mir (Tatana Fedorovna: Zarin der Vampire)Bild: O, wie köstlich schmeckt böses Blut. Papa verzeih mir (Tatana Fedorovna: Zarin der Vampire)
O, wie köstlich schmeckt böses Blut. Papa verzeih mir (Tatana Fedorovna: Zarin der Vampire)
… Revolution geraten ins Schwanken. Unbekannte Historiendetails werden geschickt aufgezeigt. Der zweite, nicht minder packende Handlungsstrang spielt im heutigen Berlin und schafft die Verbindung von Historie und deutscher Gegenwart. Tatana Fedorovna nutzt in ihren Werken geschickt die Schnittstellen deutscher und russischer Geschichte. Der Doppelband mit …
Fahrt zum Schuljahresende der Unterstufe der Montessori-Schule Geisenhausen
Fahrt zum Schuljahresende der Unterstufe der Montessori-Schule Geisenhausen
… fundierte wissenschaftliche Basis mit einer aufwändigen, ästhetisch anspruchsvollen Gestaltung kombinieren. So ist dies auch wieder mit der aktuellen Ausstellung zum Thema Tiefsee gelungen. Riesenkraken, leuchtende Fische, geisterhafte Quallen und urzeitliche Korallen: Die Ausstellung "Tiefsee" taucht ab in die faszinierende Unterwasserwelt - von der …
Bild: „Venetian Vampires” Band 1 – „Kinder der Dunkelheit“Bild: „Venetian Vampires” Band 1 – „Kinder der Dunkelheit“
„Venetian Vampires” Band 1 – „Kinder der Dunkelheit“
Der erste Band der Vampirtrilogie „Venetian Vampires“ der Münchner Autorin Gabriele Ketterl erscheint am 27. November 2013 im Oldigor Verlag. Sie sind endlich wieder unter uns! Die Vampire kehren zurück nach Europa. Die Münchnerin fackelt nicht lange und holt die Herren der Nacht aus dem glitzernden Hollywood in die nebeldurchzogenen Gassen der magischen …
Für immer schön ohne Chemie und Operation. Geht das?
Für immer schön ohne Chemie und Operation. Geht das?
… in die Haut gebracht, welche bei der Heilung die körpereigene Kollagenproduktion anregen. Dadurch wirkt die Haut in kürzester Zeit straffer, frischer und jünger. Durch Verbindung dieser beiden Techniken erzielt Frau Ferber erstaunliche Ergebnisse und das zum Bruchteil der Zeit und Kosten, die bei komplexen Schönheitsoperationen entstehen. Aktuell sind …
Bild: Die TIEFSEE-Ausstellung startet in Dresden
Die TIEFSEE-Ausstellung startet in Dresden
Ab dem 4. November 2010 informiert http://tiefsee.senckenberg.de über die Inhalte der Ausstellung - Am 5. 2010 November öffnet die „Tiefsee“ im Japanischen Palais - Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zeigt die Vielfalt dieses besonderen Lebensraums und das Abenteuer Forschung hautnah - Erstes Highlight: Taschenlampenführungen am Abend des …
Tintenfische: Unterschätzte Akteure im Ozean
Tintenfische: Unterschätzte Akteure im Ozean
… von Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ zeigen die Bedeutung von Tintenfischen als Räuber und Kohlenstofftransporteure. --- (Gemeinsame Pressemitteilung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft") In vergangenen …
Bild: Besucheransturm in der Dresdner Tiefsee
Besucheransturm in der Dresdner Tiefsee
… fremde, dunkle Welt voller rätselhafter Wesen verwandelt. Hier begegnen die Besucher leuchtenden Fischen mit enormen Zähnen und Augen, aber auch durchsichtigen Tintenfischen und riesigen, fleischfressenden Quallen. In der Tiefsee-Ausstellung 2010/11 bieten die Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung einen tiefen Einblick in ihre …
Bild: Zuerst einmal: Willkommen in Rumänien - Der Mythos TranssilvanienBild: Zuerst einmal: Willkommen in Rumänien - Der Mythos Transsilvanien
Zuerst einmal: Willkommen in Rumänien - Der Mythos Transsilvanien
Ein studierter Vampirjäger muss in Christin Spaleks "Zuerst einmal: Willkommen in Rumänien" feststellen, dass er längst nicht alles über Vampire weiß. ------------------------------ Die Zeiten, in denen man an Vampire glaubte sind, längst vorbei. Sie sind für die Menschen im 21. Jahrhundert nichts mehr als eine Gruselgeschichte. Doch Erhan Helsing weiß …
Sie lesen gerade: Vampire der Tiefsee: Uralte Verbindung zwischen Oktopussen und Tintenfischen