openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Chemiker der JLU stellen erstmals Hexastickstoff her

12.06.202510:54 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Chemiker der JLU stellen erstmals Hexastickstoff her

(openPR) Ein Chemie-Team der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat erstmals erfolgreich Hexastickstoff (N₆) hergestellt. Bei dieser bislang nur theoretisch vorhergesagten Form von reinem Stickstoff handelt es sich um die energiereichste Substanz, die jemals gebildet wurde. Das Molekül besteht aus sechs Stickstoffatomen in einer Kette und speichert enorme Mengen an Energie, die durch den rückstandslosen Zerfall zu N2 („normaler“ Stickstoff, der 78 Prozent unserer Luft ausmacht) wieder zurückgewonnen werden kann. Das macht eine künftige Anwendung als umweltfreundlicher Energiespeicher denkbar. Das JLU-Team hat seine Ergebnisse in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Zur Herstellung von N6 ließ das Forschungsteam um den Chemiker Prof. Dr. Peter R. Schreiner Chlorgas (Cl₂) oder Brom (Br₂) mit Silberazid (AgN₃) reagieren. Die entstehenden Reaktionsprodukte wurden bei sehr tiefen Temperaturen (–263 °C) in einer Argon-Eismatrix eingefangen, um sie zu stabilisieren und N₆ zu nachzuweisen. Außerdem gelang es, N₆ in Reinform als dünnen Film bei –196 °C (Temperatur von flüssigem Stickstoff) herzustellen. Die Forschenden gehen davon aus, dass Hexastickstoff in diesem Zustand über 100 Jahre stabil bleibt.

Das Team, zu dem außer Schreiner noch Dr. Artur Mardyukov und Weiyu Qian vom Institut für Organische Chemie der JLU gehören, konnte Hexastickstoff mit verschiedenen Methoden nachweisen. Zur Messung der Lichtabsorption nutzten die Chemiker eine Kombination von Infrarot- und UV/Vis-Spektroskopie. Über den Einbau schwerer Stickstoffatome (15N-Isotope) und unter Verwendung aufwändiger Computermodelle konnten sie nachweisen, dass es sich tatsächlich um das neue Molekül N₆ handelt.

Bei Raumtemperatur hat die Substanz eine Lebensdauer von rund 35 Millisekunden. „Das reicht aus, um es einzufangen und es zu untersuchen – ein riesiger Fortschritt in der Stickstoffchemie“, betont Prof. Schreiner. Bei der Zerlegung von N₆ in normalen Luftstickstoff (N₂) wird mehr als zwei Mal so viel Energie pro Gramm freigesetzt wie bei TNT – und das ganz ohne umweltschädliche Nebenprodukte. „In der Tat wäre Hexastickstoff damit der effizienteste Energiespeicher“, erklärt Schreiner, für den die Entdeckung ein echter Durchbruch ist: „Es ist das erste Mal, dass ein isolierbares, neutrales Stickstoffmolekül mit mehr als zwei Atomen im Labor hergestellt wurde. Das öffnet die Tür für die gezielte Entwicklung neuer und sauberer Hochenergiematerialien.“

Der Chemiker weiß, dass mit der Entdeckung auch Herausforderungen verbunden sind: „Die Handhabung sehr energiereicher Verbindungen ist immer mit Risiken verbunden, wenn deren Zersetzung unkontrolliert passiert und alle Energie auf einmal freigesetzt wird“, erläutert er. Neben der Erforschung weiterer Polystickstoffe werde es daher künftig auch um die sichere Herstellung und Handhabung von Hexastickstoff gehen, um die kontrollierte Umwandlung in Stickstoff (N2) und darum, die Ergebnisse aus dem Labor in größere Maßstäbe zu übertragen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter R. Schreiner
Institut für Organische Chemie
Telefon: 0641 99-34300
E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
Weiyu Qian, Artur Mardyukov & Peter R. Schreiner: Preparation of a neutral nitrogen allotrope hexanitrogen C2h-N6, Nature 642, 356-360 (2025)
https://www.nature.com/articles/s41586-025-09032-9

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1285442
 812

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Chemiker der JLU stellen erstmals Hexastickstoff her “ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Steinbeis Europa Zentrum und Projektpartner stärken KMU und Regionen für die digitale, grüne, kreative TransformationBild: Steinbeis Europa Zentrum und Projektpartner stärken KMU und Regionen für die digitale, grüne, kreative Transformation
Steinbeis Europa Zentrum und Projektpartner stärken KMU und Regionen für die digitale, grüne, kreative Transformation
Wie gelingt es kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), ihre Geschäftsmodelle, Prozesse und Angebote digitaler, nachhaltiger und innovativer zu gestalten? Das Steinbeis Europa Zentrumhat im EU‑Projekt Capacity2Transform (Interreg Central Europe) gezeigt, dass der entscheidende Hebel nicht in "noch einem Training" liegt – sondern in der gezielten Verbindung von Kompetenzen und Akteuren. Wenn KMU, Kreativschaffende, Technologieexpert:innen, Forschung und Intermediäre gemeinsam an konkreten lokalen Herausforderungen arbeiten, entstehen tragfähig…
Bild: Antiferroelektrika aus neuer Perspektive: Wenn Dipole aus der Reihe tanzenBild: Antiferroelektrika aus neuer Perspektive: Wenn Dipole aus der Reihe tanzen
Antiferroelektrika aus neuer Perspektive: Wenn Dipole aus der Reihe tanzen
Antiferroelektrika wirken nach außen elektrisch neutral, weil sich ihre Dipole gegenseitig aufheben. Legt man jedoch eine elektrische Spannung an, kann sich diese Balance schlagartig verändern: Die Dipole richten sich neu aus und machen das Material aktiv. Erst seit kurzem begeistert diese Eigenschaften weltweit die Wissenschaft, denn man hat erkannt, dass solche Antiferroelektrika besonders leistungsfähige Energiespeicher, robuste elektronische Bauteile und innovative Kühltechnologien ermöglichen könnten. Das Team geht nun noch einen Schrit…

Das könnte Sie auch interessieren:

Preisgekrönte Forschung und innovative Anwendungen aus Gießen
Preisgekrönte Forschung und innovative Anwendungen aus Gießen
… Society of Chemistry – wegweisende Wissenschaft mit praktischer Konsequenz Gießen, 23. Mai 2019 – Als erster nicht-angelsächsischer Wissenschaftler überhaupt erhält der Gießener Chemiker Prof. Peter R. Schreiner den international angesehenen Preis für Physikalisch-Organische Chemie der Royal Society of Chemistry für 2019/2020. Wie die Justus-Liebig-Universität …
Bild: Gemeinsam an Molekül-Hologrammen forschenBild: Gemeinsam an Molekül-Hologrammen forschen
Gemeinsam an Molekül-Hologrammen forschen
… sichtbares 3D-Hologramm betrachten. In diesem Wintersemester erhalten interessierte Studierende bei zwei Terminen die Möglichkeit, das neuartige System zu erleben. Projektkoordinator ist der Chemiker Dr. Michael Weber vom Institut für Parasitologe, der das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein Rechenkraft.net e.V. entwickelt hat. Das System basiert …
Innovationscampus für die Hochschule der Zukunft
Innovationscampus für die Hochschule der Zukunft
Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) gehört zu den Gewinnerinnen der bundesweiten Ausschreibung „Lehrarchitektur. Hochschule der Zukunft gestalten“ der Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL). Die Entscheidung der Stiftung ist ein bedeutender Fördererfolg für Mittelhessen: In einer ersten Förderphase bis 2029 stellt die Stiftung voraussichtlich …
Bild: Labore „leafern“ Beispiele für NachhaltigkeitBild: Labore „leafern“ Beispiele für Nachhaltigkeit
Labore „leafern“ Beispiele für Nachhaltigkeit
… nachhaltig gestalten: Dies bedeutet, nicht nur über Nachhaltigkeit zu forschen, sondern auch die eigenen Forschungstätigkeiten nachhaltig auszurichten. An der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen sind im Fachgebiet Chemie wichtige Schritte im Hinblick auf eine nachhaltige Transformation erreicht worden: Im neu gestarteten Pilotprojekt „LEAF-Zertifizierung“ …
Bild: Prof. Dietmar Rösler ist Otto-Behaghel-SeniorprofessorBild: Prof. Dietmar Rösler ist Otto-Behaghel-Seniorprofessor
Prof. Dietmar Rösler ist Otto-Behaghel-Seniorprofessor
… der das Fachgebiet und den Studiengang „Deutsch als Fremdsprache“ maßgeblich geprägt hat, ist ab sofort Otto-Behaghel-Seniorprofessor der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Zu seinem Dienstantritt Anfang Oktober würdigte JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee insbesondere die Verdienste des Wissenschaftlers bei der großen Integrationsaufgabe …
Forschung für Tierwohl und Tiergesundheit
Forschung für Tierwohl und Tiergesundheit
… 2017 --- Tierwohl und Tiergesundheit sind das Thema der nächsten Hochschultagung des Fachbereichs 09 – Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Im Mittelpunkt der Veranstaltung am Freitag, 8. Dezember 2017, ab 10 Uhr in der Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen stehen die Beiträge der …
Rückenwind für Personalentwicklungskonzept der JLU
Rückenwind für Personalentwicklungskonzept der JLU
… und Ländern – Universität Gießen freut sich über die Finanzierung zusätzlicher Professuren --- Die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat im bundesweiten Wettbewerb überzeugt: Wie am Donnerstag in Berlin bekanntgegeben wurde, gehört die JLU zu den Universitäten, die im Nachwuchspakt …
„Keine Energiewende ohne Chemie“
„Keine Energiewende ohne Chemie“
… trotz enormer Anstrengungen zur Gewinnung erneuerbarer Elektrizität nicht erreicht werden und auch bis zum Jahr 2020 nicht erreichbar scheinen. Aus der Sicht eines Chemikers, der beständig mit komplexen Systemen chemischer Reaktionen umgeht, wird der systemische Charakter der Energieversorgung häufig verkannt. Diese richte sich nicht nach willkürlichen …
Bild: „Jamaika-Kater? – Nachlese zur Bundestagswahl“Bild: „Jamaika-Kater? – Nachlese zur Bundestagswahl“
„Jamaika-Kater? – Nachlese zur Bundestagswahl“
… „Jamaika-Kater? – Nachlese zur Bundestagswahl 2017“ am 26. Oktober 2017. Die Podiumsdiskussion findet um 18.00 Uhr in der Aula des Uni-Hauptgebäudes der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) in der Ludwigstraße 23 statt. Das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der JLU veranstaltet die öffentliche Podiumsdiskussion in Zusammenarbeit mit dem Institut …
Bild:  Hexastickstoff zum „Molekül des Jahres 2025“ gewähltBild:  Hexastickstoff zum „Molekül des Jahres 2025“ gewählt
Hexastickstoff zum „Molekül des Jahres 2025“ gewählt
… Aufmerksamkeit, aber auch in der breiten Öffentlichkeit. Der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Peter R. Schreiner am Institut für Organische Chemie der JLU gelang es, erstmalig Hexastickstoff (N₆) herzustellen – ein Molekül aus sechs Stickstoffatomen, die linear angeordnet die Form eines großen N ergeben. Seither ist vom „Supermolekül“, von einer „Revolution“ …
Sie lesen gerade: Chemiker der JLU stellen erstmals Hexastickstoff her