openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Zwei Wirtschaftsmächte – zwei Bildungsstrategien

09.05.202509:00 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) „In China lag seit den 1950ern der Schwerpunkt auf der Primär- und Sekundärbildung und den dadurch vermittelten Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Grundrechnen. Dagegen konzentrierte sich Indien als ehemalige britische Kolonie auf die akademische Bildung“, sagt Ko-Studienautor Li Yang, PhD aus der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“. „Das hat Konsequenzen: Während China in der Breite der Bevölkerung grundlegende Kompetenzen förderte, die für die wirtschaftliche Entwicklung wichtig sind, war das in Indien anders. Dort entstanden einerseits Bildungseliten und andererseits auch große bildungsferne Schichten.“

Grundschulen vs. Hochschulen

Chinas Ansatz der Bildungspolitik ging seit den 1950er Jahren in die Breite statt in die Spitze. Die Studie zeigt, dass die Priorisierung der Grund- und Sekundarschulbildung zu einer höheren Alphabetisierungsrate und einem größeren Anteil an Ingenieuren/-innen und Facharbeitern/-innen führte. Diese sogenannte „Bottom-up“-Strategie ermöglichte es China, die Vorteile des exportorientierten Wachstums im verarbeitenden Gewerbe zu nutzen.

Im Gegensatz dazu verfolgte Indien einen „Top-down“-Ansatz, der Hochschulen auf Kosten der Grundschulbildung förderte. Dies führte zu einer geringeren Alphabetisierungsrate und einem höheren Anteil an Hochschulabsolventen/-innen in Geistes-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Infolgedessen konzentrierte sich Indiens Wirtschaftswachstum auf den Dienstleistungssektor.

Mehr Ungleichheit durch Fokus auf Hochschulen

„Im Gegensatz zum chinesischen Bildungssystem führte der indische Ansatz zu einer höheren Bildungs- und Lohnungleichheit. Obwohl das Land insgesamt einen höheren Anteil an Hochschulabschlüssen aufweist, kämpft Indien nach wie vor mit einer hohen Analphabetenquote. Das erschwert den strukturellen Wandel, da viele Menschen im wenig produktiven Agrarsektor verbleiben“, ordnet Yang ein.

Historische Entwicklung mit langfristigen Folgen

Das zeigt sich auch im BIP pro Kopf: Im Jahr 2024 lag das chinesische Pro-Kopf-BIP mit rund 13.000 US-Dollar fast fünfmal über dem Indiens mit knapp 2.700 US-Dollar.

„Die unterschiedlichen Ansätze in der Bildungspolitik haben historische Wurzeln. Chinas Qing-Dynastie konzentrierte sich im späten 19. Jahrhundert auf die Vermittlung von beruflichen Fähigkeiten, während die britischen Kolonialherren in Indien ein Schulsystem zur Ausbildung von Verwaltungsangestellten einführten“, erklärt Yang die historischen Hintergründe.

Über die Studie

Die Studie von ZEW-Forscher Li Yang und Nitin Kumar Bharti (New York University Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate) untersucht die unterschiedlichen Bildungssysteme in Indien und China und ihren Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die Autoren entwickelten dafür einen neuartigen, detaillierten Datensatz zur Entwicklung des Humankapitals in China und Indien von 1900 bis 2020. Dafür wurden historische Aufzeichnungen und Informationen über die Schulsysteme kombiniert, um die Rolle der Bildung bei der wirtschaftlichen Abweichung zu analysieren.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Li Yang, PhD
Wissenschaftler der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“
E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
https://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp24078.pdf

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1283007
 1000

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Zwei Wirtschaftsmächte – zwei Bildungsstrategien“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Gertrud Roegner: Die Frau, die vor 120 Jahren Universitätsgeschichte in Greifswald schrieb
Gertrud Roegner: Die Frau, die vor 120 Jahren Universitätsgeschichte in Greifswald schrieb
Gertrud Roegner wurde 1873 im schlesischen Liegnitz, dem heutigen Legnica, als Tochter eines Kaufmanns geboren. Nach einer Ausbildung zur Handarbeits- und Turnlehrerin und mehreren Jahren im Schuldienst entschied sie sich 1896 für einen beruflichen Neuanfang. Sie wollte Medizin studieren und musste dafür zunächst das Abitur nachholen. 1901 bestand sie die Reifeprüfung am Königlichen Gymnasium in Jauer. Ihr Medizinstudium führte sie von Halle über Göttingen und Breslau nach Greifswald. Dort erhielt sie die Erlaubnis, an Vorlesungen und klinisc…
Bild: Perspektive Zukunft: Wege aus der Ungleichheit
Perspektive Zukunft: Wege aus der Ungleichheit
Ungleichheit hat häufig eine sich selbst verstärkende Dynamik. Das ist eines der zentralen Forschungsergebnisse aus den ersten sieben Jahren des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. Die Unterschätzung von Ungleichheit kann politische Unterstützung für Gegenmaßnahmen schwächen, geringe Bildung wirkt sich negativ auf politische Beteiligung aus und politische Entscheidungen können bestehende Ungleichheiten weiter verfestigen. In der zweiten Förderphase nimmt der Cluster nun stärker ungleichheitsmindernde Dy…

Das könnte Sie auch interessieren:

Europäische Fachmesse zum Thema \"Bildung für nachhaltige Entwicklung\" tagt vom 13.-15.9.06 in Hamburg
Europäische Fachmesse zum Thema \"Bildung für nachhaltige Entwicklung\" tagt vom 13.-15.9.06 in Hamburg
Vom 13. bis 15. September diskutieren Experten aus Medien, Wissenschaft und Politik über zukunftsfähige Bildungsstrategien, die ökologische, ökonomische und soziale Ziele in Einklang bringen. Die Fachtagung findet im Rahmen der UN-Dekade 2005-2014 statt, die Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit rückt. Veranstalter …
Bild: Tablet-Lagerung und Ladetechnik für Schulen – sichere Lösungen für den digitalen UnterrichtBild: Tablet-Lagerung und Ladetechnik für Schulen – sichere Lösungen für den digitalen Unterricht
Tablet-Lagerung und Ladetechnik für Schulen – sichere Lösungen für den digitalen Unterricht
… Die 19 Zoll-Tec GmbH steht damit für verlässliche Qualität, kurze Lieferwege und nachhaltige Produktionsprozesse. Mit ihren praxisnahen Lösungen leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung digitaler Bildungsstrategien und unterstützt Schulen dabei, digitale Endgeräte sicher, effizient und langfristig nutzbar zu machen.
Verlängerung der STAR Private Equity Jubiläumsfonds
Verlängerung der STAR Private Equity Jubiläumsfonds
… sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Das Londoner Wirtschaftsforschungsinstituts „Centre for Economics and Business Research“ (CEBR) prognostiziert weitere Veränderungen in der Rangfolge der Wirtschaftsmächte. So werden laut CEBR peu à peu alle europäischen Volkswirtschaften bis 2020 hinter den neuen großen Ökonomien wie Indien, Brasilien …
Aktionstage politische Bildung
Aktionstage politische Bildung
… und Schwierigkeiten bei der Produkterstellung mit Medien wie Video, Web 2.0, Theater oder digitaler Fotografie werden diskutiert. 22. – 29.05. 2011: „Bildungsstrategien gegen rechtsextreme Einstellungen“ für Fachkräfte der Jugendarbeit aus ganz Europa Wie lässt sich Demokratie stärken? TeilnehmerInnen setzen sich in diesem Seminar mit rechtsextremen …
Bild: Delegation aus China zu Gast bei Dr. Udo Janßen im Deutschen Krankenhausinstitut (DKI)
Delegation aus China zu Gast bei Dr. Udo Janßen im Deutschen Krankenhausinstitut (DKI)
… „Der Austausch mit China ist wichtig und für beide Seiten zukunftsweisend. Die Globalisierung fordert, global informiert zu sein – sicherlich insbesondere auch zielgerichtet auf Wirtschaftsmächte wie China, das für Deutschland einen interessanten Markt darstellt. Es liegt an beiden Seiten, Synergieeffekte zu entdecken und zu nutzen!” Der Leiter der …
Bild: Arbeiten im Ausland – Beliebt sind Australien und die SchweizBild: Arbeiten im Ausland – Beliebt sind Australien und die Schweiz
Arbeiten im Ausland – Beliebt sind Australien und die Schweiz
… als 10% für sich begeistern zu können. Hier könnten Länder mit mehr exotischer Ausstrahlung – wie zuvor Australien – die besseren Karten haben. Aber aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Japan schneiden mit 4% trotzdem überraschend düftig ab. Offensichtlich sind die asiatischen Länder auch kulturell wiederum zu weit von Deutschland entfernt, als …
Captain Train gewinnt Deutsch-Französischen Wirtschaftspreis 2015
Captain Train gewinnt Deutsch-Französischen Wirtschaftspreis 2015
hrer von Captain Train. „Start-up Initiativen sind für unsere Volkswirtschaften von wachsender Bedeutung und rufen bemerkenswerte binationale Projekte ins Leben. Sie verdienen eine besondere Auszeichnung“, so Guy Maugis, Vorsitzender der Jury und Präsident der Industrie- und Handelskammer der zwei Wirtschaftsmächte.
Bild: Spontane Ordnung in der Stakeholder Governance – Forschung der GrandEdu Research School setzt ImpulseBild: Spontane Ordnung in der Stakeholder Governance – Forschung der GrandEdu Research School setzt Impulse
Spontane Ordnung in der Stakeholder Governance – Forschung der GrandEdu Research School setzt Impulse
… und Doktorand an der ULSIT Sofia mit Schwerpunkt Informationsmanagement und Erwachsenenbildung.Dr. Tobias Oberdieck, Geschäftsführer der GrandEdu GmbH und Mitentwickler innovativer Bildungsstrategien im Bereich beruflicher Aufstiegsfortbildung und akademischer Programme.Der Artikel wurde am 27. November 2025 eingereicht, am 5. Januar 2026 angenommen …
Bild: Fremde Welten vom Kreuzfahrtschiff aus entdecken – Princess Cruises präsentiert neuen Routen durch Asien
Fremde Welten vom Kreuzfahrtschiff aus entdecken – Princess Cruises präsentiert neuen Routen durch Asien
München – Asien steht in der Gunst europäischer Urlauber hoch im Kurs. Ob südostasiatische Tiger-Destinationen wie Thailand, Malaysia und Vietnam oder Wirtschaftsmächte wie China und Japan: Das Interesse auch deutscher Touristen an fernöstlichen Ländern ist ungebrochen. Ein erstes Kennenlernen dieser neuen Welten erfolgt zumeist im Rahmen einer Pauschalreise, …
Taiwan belegt Platz 18 bei der wirtschaftlichen Freiheit
Taiwan belegt Platz 18 bei der wirtschaftlichen Freiheit
… 23, Südkorea auf Platz 33 und Festlandchina auf Platz 115. Die Anstrengungen des Landes im Hinblick auf die Förderung wirtschaftlicher Freiheit haben Taiwan vor globale Wirtschaftsmächte wie Deutschland und die Niederlande auf den Plätzen 28 und 34 gebracht. Zum ersten Mal im Jahr 1996 veröffentlicht, misst der Bericht die verschiedenen Parameter der …
Sie lesen gerade: Zwei Wirtschaftsmächte – zwei Bildungsstrategien