(openPR) Mirko Scheffe hatte das Werbeversprechen von "Fliegen zum Taxipreis" in den Ohren, als er einen Germanwings-Flug nach London-Stansted buchte. "Ich wollte übers Wochenende in London abspannen, Sehenswürdigkeiten gucken gehen und ein echtes Manchester-Trikot kaufen", berichtet der 34-jährige Sicherheitsbeamte aus Köln. Freunde gaben ihm Hotelgutschein und Cityguide mit auf den Weg, einem Erlebniswochenende an der Themse stand eigentlich nichts im Wege. Die Ankunft in der britischen Hauptstadt gestaltete sich jedoch komplizierter als geplant. "Vom Flughafen wurde ich anderthalb Stunden mit dem Bus durch London chauffiert, bis ich endlich in der Innenstadt ankam" erzählt Scheffe. Rund 34 Euro musste er für die Busfahrt bezahlen - so teuer ist in der Germanwings-Werbung nicht einmal das Flugticket selbst.
Ostern steht vor der Tür - und immer mehr Deutsche nutzen die günstigen Angebite von Ryanair, Easyjet und Co. für einen Wochenendtrip in die Sonne. Jeder zweite Deutsche ist laut einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinsituts TNS-Infratest an einer Reise mit Billigfliegern interessiert. Wer ein Schnäppchen zum „Taxipreis", wie in der Werbung versprochen, ergattert hat oder in diesen Tagen buchen will, sollte bei der Auswahl des Zielflughafens genau hinsehen: „Um die Flugkosten niedrig zu halten, wählen Billigfluggesellschaften oft kleinere Flughäfen in der Nähe von europäischen Metropolen aus und steuern nicht den Hauptflughafen der Stadt an„, erklärt der Kölner Jurist Gordon Pankalla. Der Betreiber der Internetseite „Billigflieger Vergleich„ bekommt Zuschriften wie die von Mirko Scheffe immer wieder. „Manchmal kostet das Taxi vom Flughafen in die Innenstadt ein Vielfaches des eigentlichen Ticketpreises", sagt Pankalla.
Bei der Namensgebung ihrer Destinationen greifen die Billigfluganbieter dabei immer wieder zu Ortsbezeichnungen, die geografisch nicht korrekt sind und den Fluggast leicht in die Irre führen können. Spitzenreiter der Namenstrickser ist Ryanair. Die Iren bieten beispielsweise Flüge nach Oslo an, der Zielflughafen Torp liegt jedoch rund 120 Kilometer südlich der norwegischen Hauptstadt. 130 norwegische Kronen, also rund 16 Euro, kostet die Busfahrt ins Zentrum, ganze 90 Minuten muss der Reisende für den Transfer einplanen. Eine ähnliche Situation in Barcelona, wo Ryanair auf dem Regionalflughafen Reus landet. Der liegt 110 Kilometer von Barcelona entfernt und ist ebenfalls mit dem Bus erreichbar. Auch hier dauert die Fahrt vom Flughafen in die City rund 90 Minuten, 11 Euro werden pro Tour fällig. Wer mit Ryanair in Barcelona-Girona landet, ist "nur" noch 100 Kilometer oder 70 Minuten von der Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Katalonien entfernt.
Auch in Deutschland tricksen die Billigflieger bei der Benennung ihrer Zielflughäfen. Der Flughafen "Frankfurt-Hahn" beispielsweise liegt ganze 130 Kilometer von der Bankenmetropole entfernt, der Shuttlebus braucht mindestens 105 Minuten vom Terminal bis in die Frankfurter Innenstadt. Wer ein Ryanairticket mit der Zielbezeichnung "Hamburg-Lübeck" besitzt, landet nicht an der Elbe, sondern an der Ostsee - zwischen Lübeck und dem eigentlichen Zielwunsch Hamburg liegen 75 Kilometer.
Verbraucherschützer und Gerichte beobachten die Namensgebung der Billigflieger aufmerksam. Die ständige Umkennzeichnung des Regionalflughafens Weeze am Niederrhein beispielsweise wurde vom Kölner Landgericht schnell untersagt: Namen wie "Airport Niederrhein Düsseldorf" oder "Airport Düsseldorf Regional (Weeze)" führten den Flugpassagier in die Irre, urteilten die Kölner Richter bereits 2004. Eine geographische Verbindung sei zwischen Weeze und Düsseldorf - die Orte liegen rund 75 Kilometer voneinander entfernt - nicht zu erkennen, hieß es in der Urteilsbegründung.
Ryanair führt den Flughafen trotzdem weiterhin als "Düsseldorf (Weeze)" und hat den Regionalflughafen im Februar gerade erst zu seiner vierten Deutschland-Basis gemacht. Immer mehr Billig-Verbindungen spannen die Iren und ihre Konkurrenten über den deutschen Himmel, oft werden dabei kleine Flughäfen ins Programm aufgenommen. Deshalb sollten sich Billigflug-Passagiere in jedem Falle vor dem Abflug genau über ihren Zielflughafen informieren.
Probleme bei der Abfahrt vom Flughafen in Richtung Stadt dürften Billigflug-Passagiere nicht haben, vielerorts hat sich der Nahverkehr auf das Geschäft mit deutschen Billigtouristen eingestellt. Ryanair bietet an vielen Airports eigene Shuttlebusse an, die zwar extra bezahlt werden müssen, jedoch auf die Billigflug-Passagiere warten. In London ist der "Stansted-Express" ein zuverlässiges und beliebtes Transportmittel für Reisende, die Big Ben und Tower Bridge möglichst schnell sehen wollen. Bei Vorlage eines gültigen Flugtickets erhalten Reisende in Glasgow-Prestwick einen Rabatt von 50 Prozent auf die Bahntickets in die Stadt. Wenn eine neue Fluglinie eröffnet wird, fahren Flugpassagiere mit der Bahn nach Glasgow sogar sechs Monate lang kostenlos. In Altenburg-Leipzig und Brescia sind die seltenen Abfahrtszeiten des Busses auf den Flugplan von Ryanair abgestimmt - wenn sich der Flieger verspätet, wartet auch der Bus.
Gordon Pankalla warnt vor allzu leichtsinnigen Buchungen oder gar dem Boykott der Transportangebote am Flughafen: "Ich habe schon so manche Zuschrift von Reisenden bekommen, die glaubten, sie könnten zu Fuß vom Airport in die Innenstadt kommen. Man erlebt im Regelfall eine böse Überraschung mit Blasen an den Füßen. Das ist sicher nicht im Sinne eines erholsamen Urlaubes".











