(openPR) Darf man das? Oder mal lachen?
Auf jeden Fall! Oft ist der Kontakt mit anderen Menschen und nicht das Gesprächsthema, das Balsam für die Seele ist.
Angesichts des seelischen Schmerzes bei den Geflüchteten, fühlen wir uns oft hilflos und wissen nicht, was wir sagen sollen.
Es ist eine Sache, eine Unterkunft oder einen Transport zur Verfügung zu stellen und eine andere, sich zu unterhalten. Darf man Smalltalk reden? Mal lachen?
Ein klares Ja!
Eine Katastrophe derartigen Ausmaßes ist sicherlich ein potentiell traumatisches Ereignis.
Doch mit einer guten Unterstützung sind die Selbstheilungskräfte eines Menschen nicht zu unterschätzen.
Als einfache Bürger können wir wenig die Probleme auf politischer Ebene lösen, doch wir können Betroffenen helfen, in ihrer Kraft zu bleiben. Manchmal einfach indem wir da sind, zuhören und uns interessiert zeigen.
Das ist extrem wertvoll und nicht zu unterschätzen.
Und dafür braucht es keine therapeutische Ausbildung, sondern einfach nur Menschlichkeit.
Das Wesen eines Traumas ist nicht nur die Katastrophe an sich. Es ist das begleitetende Gefühl der Ohnmacht, der Hilflosigkeit und des Alleineseins. Traumatisierte haben kein Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen und fühlen sich ausgeliefert. Das muss nicht sein.
Die jeweilige Katastrophe kann natürlich nicht ungeschehen gemacht werden. Doch die seelische Wunde kann ein Stück weit aufgefangen werden.
Wenn Sie Kontakt zu Flüchtlingen haben und sofern es geht, nehmen Sie sich Zeit.
Eine heiße Tasse Tee und ein gutes Gespräch können sehr gute Medizin sein.
Eine ruhige Unterhaltung in Sicherheit hilft dem Gehirn Geschehnisse und Befürchtungen besser einzuordnen. Das wiederum kann neue Erkenntnisse bringen oder Lösungsmöglichkeiten, die einem vorher nicht bewusst waren.
Wenn jemand unter hohen Stress steht, dann denkt das Gehirn in einer Dauerschleife in einem sehr engen Rahmen. Der Weitblick fehlt und da man sich nicht mit anderen verbunden fühlt, schlägt sich Hoffnunglosigkeit nieder. Man möchte irgendwas tun und verstrickt sich dadurch in reflexgesteuerten Handlungen, die oft sinnlos sind und unnötige Energie verbrauchen.
Der Denkrahmen und die (Neu-) Orientierung wird bei einem guten Gespräch erweitert. Es kann sein, dass dem Betroffenen jetzt erst wirklich bewusst wird, dass er/sie in Deutschland und in Sicherheit ist. Für die Zukunft kann niemand sprechen, doch in dem Moment, indem Sie das Gespräch führen, ist der Betroffene in Sicherheit. Erinnern Sie in sanft daran, denn er/sie fühlt das Offensichtliche manchmal nicht.
Das Gehirn von Opfern ist randvoll. Da gibt es vielleicht schreckliche Bilder, die ständig präsent sind. Da gibt es Zukunftsängste, die nicht aufgelöst werden können, weil man noch nicht weiß, wo die Reise als nächstes hingeht.
Wenn Sie mit mit Zeit und Ruhe ein solches Gespräch führen können, dann helfen Sie Ihrem Gegenüber, sich zu sortieren.
Das was man einem Anderen erzählen möchte, bringt man automatisch in eine gewisse Reihenfolge, um sich verständlich zu machen.
Durch aufmerksames Zuhören, kann das Nervensystem des Betroffenen fühlen, dass es einen Menschen gibt, der zuhört. Ein Gegenüber. Dadurch wiederum fühlt man sich weniger alleine.
Oft braucht es keine großen Ratschläge oder Lösungsangebote.
Wenn wir den Menschen wieder helfen, in ihre eigene Kraft zu kommen, dann finden sie ihre eigenen Wege. Sie können wieder lösungsorientiert nach vorne sehen. Sie haben wieder Zugang zu ihrer eigenen Widerstandsfähigkeit.
In der Zeit eines ruhigen Gespräches kann man sich ausruhen und Erregung kann so abfließen. Dadurch können wiederum körpereigene Erholungsprozesse anspringen.
Kennen wir das nicht alle von einem guten Gespräch? Wo wir jemandem unser Herz ausgeschüttet haben und er oder sie einfach da war. Mit Wärme und Verständnis.
Und hinterher hatten wir neue Gedanken, neue Hoffnungen oder vielleicht auch einfach nur das Gefühl, im Schmerz nicht alleine zu sein.
Es klingt nach wenig, doch es bedeutet unheimlich viel.
"Heilung bedeutet, daß der Mensch erfährt, was ihn trägt, wenn alles andere aufhört ihn zu tragen."
Wolfram von Eschenbach (ca. 1160 - 1220)









