(openPR) Wurde zu Beginn der Coronakrise noch intensiv über das harte Schicksal von Künstlern, Freiberuflern und Soloselbständigen berichtet, gibt das Thema abgesehen von Aktionen wie #allesdichtmachen mittlerweile kaum noch Schlagzeilen her. Nur: Die Situation hat sich nicht verbessert, im Gegenteil. Djs jobben beim Supermarkt, ein Musiker-Ehepaar aus Huglfing übernimmt eine Postfiliale. Jeder versucht, sich irgendwie über Wasser zu halten.
Doch es gibt auch Freischaffende, die diese schwierige Situation als Chance begreifen. Einer von ihnen ist Sebastian Sonntag. Wie viele andere Fotografen, vor allem aus der Event- und Hochzeitszene, litt der Starnberger Fotograf und Journalist Mitte letzten Jahres unter einem herben Umsatzeinbruch. Mit einem Dirndl-Hersteller als Großkunde war er das letzte Glied eines existenzbedrohenden Domino-Effekts: Keine Wiesn, kein Stuttgarter Wasen, keine Dirnd-Verkäufe, keine Fotoaufträge. Auch die Novemberhilfen für indirekt Betroffene brachten wenig - schließlich musste weder der Dirndl-Betrieb schließen, noch erwirtschatete Sonntag mehr als 80 Prozent seines Einkommens mit einem Kunden. Nur: Auch andere Aufträge blieben aus. Reisen wurden verschoben, Manager-Treffen inklusive Business-Fotos abgesagt. Die Kasse: leer. Die Laune: im Keller.
Während die Digital- und Online-Shop-Branche einen Höchstabsatz nach dem anderen meldete, saß der Fotograf ohne Arbeit zu Hause. Also beschloss Sonntag, sich weiterzubilden und mit einer eigenen Webagentur in den zukunftsträchtigen Online-Markt einzusteigen. Die Basis war bereits gelegt - Sonntag hatte seine Foto-Webseiten auf WordPress-Basis selbst entwickelt - und auch sein Fachwissen im Bereich Fotografie und Text ließ sich gut mit dem neuen Konzept kombinieren. Wer eine neue Webseite erstellen lässt, braucht in der Regel auch neue Fotos.
Was folgte, waren viele Abende mit Online-Tutorials zu Themen wie SEO, Webdesign, Hosting, Consent Tools, Caching-Plugins, Rechtsaspekten oder Pagespeed-Rankings. Ein umfangreicher Themenpool, den sich die meisten Agenturen über Jahre hinweg angeeignet oder extern eingekauft haben.
Glücklicherweise fanden sich im Freundeskreis einige Experten, die nicht nur offene Fragen beantworten, sondern auch ihre Dienste für Bereiche anbieten konnten, die Sonntag selbst nicht abzudecken in der Lage war.
Mittlerweile ist mit neXXt.website die Agentur-Seite online, bereits nach einer Woche kamen Kundenanfragen, einige Webprojekte konnte er bereits umsetzen, von kleinen Fertigbaukästen bis zu umfangreichen Komplettlösungen. Und Sonntag selbst? Gibt sich vorsichtig optimistisch. Bedarf an hochwertigen Webseiten gäbe es genug, sagt er, die Schwierigkeit liegt nun darin, die Kunden auch zu erreichen. Es stehen also noch weitere Abendschichten an, zum Thema Google Ads, Suchmaschinenoptimierung und Social Media-Werbung.
Die Fotografie betreibt er nach wie vor - und das wird auch so bleiben. Die Liste aufgeschobener, aber nicht aufgehobener Aufträge ist lang. Und mit dem Fortschreiten der Impfkampagne gibt es auch für Fotografen und Künstler wieder einen Silberstreifen am Horizont - auch wenn die Wiesn vermutlich auch heuer flach fallen wird.












