(openPR) Projektmensch hat am Mittwoch, den 27. Mai 2020, wieder zum Mittelstandsfrühstück eingeladen. Aufgrund der nach wie vor bestehenden Einschränkungen und zum Schutz aller Beteiligten, fand es zum ersten Mal im virtuellen Klassenzimmer statt. Zum Thema „Marktchancen erkennen und systematisch nutzen: Wie Sie strukturiert vorgehen können, um neue Geschäftsfelder zu erschließen“, war Holger Zimmermann, Inhaber und Chef von Projektmensch mit dabei, um einen Impulsvortrag über die Möglichkeiten in Krisensituationen zu halten. Unter den zahlreichen Teilnehmern waren Themen-Interessierte aus den unterschiedlichsten Branchen mit dabei.
H. Zimmermann stieg nach einer kurzen Begrüßung mit einem Zitat ein, das die Zwangspause der Ladengeschäfte thematisierte und wie die Inhaber diese Zwangspause nutzen. Einige streichen ihre Wände neu und nutzen die Zeit, um alles auf Vordermann zu bringen. Doch was sagt uns das? Um die Entwicklungen der letzten Wochen im Hinblick auf die Krisensituation verdeutlichen zu können, skizziert H. Zimmermann live am digitalen Whiteboard den Verlauf mit Hilfe einer Kurve. Die Zeit, nachdem Corona eintraf, beschreibt er dabei als Talfahrt. Zunächst ging es für viele Unternehmen einfach bergabwärts. Für Zimmermann ist jedoch ganz klar, dass wir diese Talfahrt bremsen müssen, durch erste Maßnahmen wie beispielsweise, die Liquidität und das Bestandsgeschäft zu sichern. Eines ist jedoch sehr wichtig: Irgendwann haben sich die ersten Maßnahmen eingependelt und wir müssen uns überlegen, wie es weiter geht. Entweder spekuliert man darauf, dass irgendwann wieder ein automatischer Aufschwung kommt, was jedoch ein gewisses Risiko mit sich bringt. Es kann aber auch gut sein, dass eine weitere Talfahrt kommen wird. Deshalb, betont Zimmermann, muss ich für mich als Unternehmen überlegen, wie ich selbst aus dem Tal wieder herauskomme. Als Beispiel führt H. Zimmermann hier die Reisebranche auf. Hier ist das Herauskommen aus dem Tal vermutlich aktuell ein wichtiger Schritt. Dabei spielen auch die Abhängigkeiten eine Rolle - über die Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg. Dazu muss man überlegen, auf welches Ziel man hinarbeiten möchte. Zimmermann legt dabei das aktuelle Ziel von Projektmensch offen: Am Ende der Talfahrt haben wir mindestens 100 Unternehmen nachweislich geholfen. Es geht darum, neue Ansätze zu entdecken und diese umzusetzen. Zimmermann berichtet, wie auch in seinem kürzlich erschienenen Buch „Unternehmenskrisen meistern“ darüber, die Kostenseite und die Einnahmen- bzw. Marktseite zu berücksichtigen. Vor allem die Marktseite ist wichtiger, als viele denken. H. Zimmermann sagt ganz klar, dass es auch wichtig ist, die Talfahrt zu bremsen und Wände zu streichen, aber dann muss auch die Einnahmenseite betrachtet werden. Neue Geschäftsfelder müssen erkannt und genutzt werden.
Um diese Geschäftsfelder zu erkennen, bezieht sich H. Zimmermann in seinem Impulsvortrag auf die „Ansoff Matrix“. Er beschreibt sie als ein super spannendes Hilfsmittel, mit dem man strukturiert hergehen kann, um zu schauen, wo gibt es für mich Möglichkeiten bzw. Marktchancen. Ein Schlüssel in der Organisation von Krisen, sind laut Zimmermann die Kooperationen, so dass jeder seinen Teil gut mit einbringen kann. Die „Ansoff Matrix“ sagt auf der einen Seite, dass ich entweder bestehende Kunden berücksichtigen kann oder ich wage mich an neue Kunden heran. Auf der anderen Seite gibt es bereits vorhandene Leistungen oder Produkte, ich könnte aber auch neue Dinge auf die Beine stellen, neue Leistungen oder Produkte anbieten. Daraus entstehen die 4 Felder der Matrix, aus denen ich Wachstum generieren kann. Bei vielen Unternehmen hat Zimmermann in den letzten Wochen beobachtet, dass sie aufgrund der Schwankungen ihren Vertrieb in die Pause geschickt haben. Doch was passiert dann? „Stellen Sie sich vor, 10 Unternehmen stellen ihren Vertrieb auf Pause und Sie als 11. Unternehmen beschäftigen den Vertrieb weiter.“ H. Zimmermann sagt, dass wir uns hier im Bereich der Psychologie befinden: Wenn alle anderen das so machen, dann machen wir das auch. Aber genau darin stecken laut Zimmermann die Chancen. Eine andere Möglichkeit ist, sich zu fragen, wo meine Leistung aktuell gefragt ist. Wo haben potentiell neue Kunden bzw. Menschen aktuell ein Problem oder einen Schmerzpunkt? Damit bezieht sich Zimmermann auf das erste Feld in der „Ansoff Matrix“. Am Beispiel eines Schreibtischherstellers zeigt Zimmermann, die Chance auf, dass der Schreibtischhersteller durch den Trend zu Homeoffice nun auch an Privatpersonen verkaufen kann, anstatt bisher nur an Unternehmen. Der Vorteil daran ist, dass man dabei nach wie vor in seinem Marktsegment bleibt und man kann sein Know-How weiterhin einsetzen. „Hier sind Partner auch eine gute Möglichkeit, um in das Segment reinzukommen und mir eine Marktchance aufzubauen“, kommentiert Zimmermann. Doch ich kann mit dem zweiten Feld in der Matrix auch noch weitergehen. Wohin wird der Trend gehen? Dieses Jahr wird es viele Deutschlandurlaube geben. Als Chance führt Zimmermann diesbezüglich folgende auf: Ich kann beispielsweise den Campingplätzen helfen, ihre Struktur umzubauen und zu erweitern. Der Fehler von vielen ist, dass sie Krisen als Nachteil sehen. Doch wo es einen Abwärtstrend gibt, entstehen immer auch neue Bedarfe. Den Trend zum Homeoffice aktuell, ist nicht nur für Projektmensch eine große Chance. Viele Eltern sind im Homeoffice. Dabei fragt sich Zimmermann seit einigen Wochen, wieso kein Cateringservie auf die Idee kommt, das Mittagessen zu organisieren und zu liefern.
Zimmermann sagt, dass es wichtig ist, alle Ideen, seien sie noch so verrückt und abwegig, einfach mal aufzuschreiben. Unter 50 Ansätzen würde Zimmermann nicht aufhören. Einer der Hauptgründe, warum Geschäftsideen scheitern, ist, weil die Menschen denken: Wenn die Idee gut wäre, hätten es die Menschen ja schon längst gemacht. Was gibt es noch für Trends, fragt sich H. Zimmermann. Neues Wohnen beispielsweise: Garten, Balkon, Homeoffice. Oder kontaktlose Hygiene-Konzepte. Oder auch das Thema Produktivität durch Digitalisierung - Wie beim heutigen Mittelstandsfrühstück: Keiner von uns musste irgendwohin fahren. Auch wenn es Zimmermann lieber gewesen wäre, wenn wir die Brezeln hätten vor Ort essen und den Cappucchino im #projektraum42 trinken können.
Umgekehrt, wir haben ja noch zwei weitere Felder, bezieht sich Zimmermann wieder auf die Matrix. Was tut unseren Kunden jetzt weh und in drei Monaten und vielleicht in einem Jahr? Meinen bestehenden Kunden, die ich ja bereits kenne. So muss man einfach anrufen und fragen, was sie momentan beschäftigt. Wie bei Projektmensch, betont H. Zimmermann. Wir haben seit einigen Wochen umgestellt auf Online-Formate, da die Kunden keine Präsenzformate mehr wahrnehmen konnten. Dabei ist es völlig egal, ob man das kann oder nicht. Man kann das auch gut in Kooperation machen. Die Kombination aus dem Problem und daraus, was kann ich, ist der Schlüssel. „Marktchancen sind mehr als nur eine Idee.“, sagt Zimmermann. Dann gibt es noch die Königsdisziplin und somit das letzte Feld der „Ansoff Matrix“. Messebauer beispielsweise entwerfen aktuell Hygieneschutzwände. Dadurch, dass man keine Kompetenz und keinen Zugang zu den Kunden hat, braucht man besonders jetzt die Partner und Kooperationen.
Im Anschluss an seinen Vortrag, beantwortete H. Zimmermann noch die Fragen aus der Runde. Einige der Teilnehmer haben ebenfalls beobachtet, dass viele in Krisensituationen viel zu früh aufgeben. Zimmermann gibt den Teilnehmern Recht und betont, dass für ihn deshalb das Anpassen, Lernen und Tun ganz wichtig ist. Hierbei hilft die agile Vorgehensweise: „Ich mache einen Schritt, lerne daraus und mache es dann besser.“, nennt es Zimmermann. Und nur durch echtes Feedback aus dem Markt kann ich wissen, wie es funktioniert. Genau jetzt ist es wichtig, dass ich etwas wage – und ein erstes so genanntes „minimum viable product“ herausbringe. Und dann muss ich schauen, ob es meinen Kunden hilft. Auch Kennzahlen zur Überwachung werden aus der Runde als wichtig angesehen. Jedoch nicht zu viele - sonst verliert man sich wiederrum in den Kennzahlen. Zimmermann bestätigt das - ein bis zwei Messwerte, die mir sagen, funktioniert das, oder nicht, reichen aus. Zimmermann meint dazu auch, dass wir Deutschen uns mit dem Wort „Experiment“ schwer tun. Das wundert ihn immer wieder. Ein Experiment ist etwas wohl Überlegtes und echter, als viele Marktumfragen. Zu einer guten Krisenbewältigung gehört jedoch auch ein gutes Risikomanagement. Die Risiken, die am bedeutendsten sind, um die muss ich mich kümmern. Und die Besonderheit in Krisensituationen ist laut Zimmermann die Tatsache, dass aktuell auch nicht perfekte Produkte und Lösungen ausreichen, weil sie uns helfen. Auch das ist eine riesen Chance! Stefan Lazar, ein Teilnehmer und Freund von Projektmensch, kümmert sich aktuell in einem seiner Projekte um zusätzliche Campingkapazitäten, obwohl er mit seinem Unternehmen CastX eigentlich Veranstaltungen organisiert. Er hat die Chance ergriffen und sie haben für sich einen guten Weg gefunden, um das Experiment zu starten. Zimmermann greift das auf und meint, dass es hierfür hilfreich ist, mit einem Kanban-System zu arbeiten (Kanban = Karte). Es geht darum, eine Karte von der Idee zur Erledigung zu führen. Dabei gibt es einen Arbeitsspeicher, eine Kategorie mit den Dingen, die ich umsetze und eine mit den Dingen, die erledigt sind.
Anschließend an die spannende Fragerunde, wurde in kleinere Gesprächsrunden mit Projektmensch eingeladen. Dazu wurden die Teilnehmer und alle aus dem Projektmensch-Team nach dem Zufallsprinzip in so genannte Break-Out-Räume geschickt. In den einzelnen virtuellen Räumen konnten dann spezifischere Fragen geklärt und weitere Themen aufgegriffen werden. Wieder einmal standen die guten Gespräche und der Austausch im Fokus. Das nächste Mittelstandsfrühstück ist bereits in Planung.












