(openPR) Eine originelle Überraschung für Geburtstage bietet kostenlos der Schriftsteller François Loeb als kulturellen Beitrag in diesen schwierigen Zeiten an.
Die individuelle Lesung (mit Bildübertragung) hat eine Länge von 5-10 Minuten.
Das Thema kann zuvor per Mail (
) nach Konsultation seiner Homepage (https://www.francois-loeb.com/kurzgeschichten-kostenlos-lesen/geschichten-archiv/) ausgewählt werden.
Bestimmt werden weitere Kulturschaffende dieser Initiative für eine würdige, originelle und abwechslungsreiche Geburtstagsfeier in Corona Zeiten folgen!
Weitere Auskünfte über diese Initiative können per Mail unter Angabe einer Rückrufnummer angefordert werden.
Beispiel einer möglichen Kurzgeschichte:
DER NEUE FLÜGEL
Wir sassen - das heisst ich, meine Frau und unsere
vier Kinder - am Mittagstisch. Das Fleisch war
abgetragen, wir warteten auf den traditionellen
Sonntagsschmaus: Halbgefrorenes mit heissem, aus
Tiefgefrorenem des letzten Sommers zubereitetem
Beerenkompott. Ohne Sonntagsschmaus kein SonntagsMittags- tisch und seit drei Monaten kein Warten auf
den Sonntags Schmaus ohne Flügeldiskussion. Begonnen,hatte alles, wie gesagt, vor drei Monaten. Die Älteste wollte einen Flügel, liess sich nicht mehr
davon abbringen. Steckte die ganze Familie an. Einen Flügel. Nicht mehr und nicht weniger. Trotz
angespanntester Finanzlage. Nur einen Flügel. Mein
Herantasten an ein Klavier, wohl zu Beginn ein
Mietklavier, wie ich mich vorsichtig auszudrücken
versuchte, wurde zuerst mit schweigsamer Verachtung und dann mit dem Zauberwort «Flügel» gekontert. Ich begab mich in Musikhäuser. Der kalte Schweiss brach aus, als ich der Wirklichkeit, den horrenden Flügelpreisen, gegenübergestellt wurde. «Sie können ja immerhin auch einen koreanischen Billigflügel, der bei Karezki und Sohn angeboten wird, in Betracht ziehen», sagte salbungsvoll der Flügelmann, der mein Erbleichen richtig gedeutet hatte, «obwohl die Kapitalanlagestrategie, die wir sonst beim Flügelkauf empfehlen, in diesem Falle natürlich dahinfallenwürde. Die Depräziation», er sagte Depräziation, ich erinnere mich genau, «ist dann natürlich wesentlich grösser, ein koreanisches Modell verliert hierzulande beinahe seinen ganzen Wert im Augenblick des Wechsels über den Ladentisch »- wie wenn ein Flügel über den
Ladentisch wechseln würde «wobei selbstverständlich nur den materiellen Wert und nicht den affektiven!» Mit Affekt verliess ich das Geschäft, hörte mir drei weitere Sonntage die geflügelten Tochter-Wünsche an, fühlte mich geschlagen, unfähig... flügellahm, wandte
mich letzte Woche an Karezki und Sohn, verschuldete mich tief, liess den koreanisch-affektiven Flügel in unsere Einfamilienhaus-Garage liefern, verbot der Familie wegen explosivem gesundheitsgefährdendem
Farb- und Lackgemisch - ich gab vor, die Farbschäden an unserem Auto zu beheben -, verbot also der Familie den Zutritt, verschloss die Garage, band den Schlüssel um den Hals, duschte und schlief mit ihm. Nun war es soweit. Noch vor dem Sonntagsschmaus bat ich die Familie in die Garage. Zur Besichtigung der ausgebesserten Lackschäden. Schloss auf. Trat ein. Öffnete das Tor. Schwarz blitzte der Flügel im einfallenden Licht. Meine Tochter schlug die Hände vors Gesicht. «Doch nicht so ein Flügel», flüsterte sie. Zog ihre Bluse aus. Entrollte den einen Schmetterlingsflügel an ihrem Rücken. «Einen zweiten solchen Flügel benötige ich zum Fliegen...»







