(openPR) Bei dem kleinen südostasiatischen Land Kambodscha denken Kulturreisende zuerst an die berühmten Tempelbauten von Angkor. Die Hauptstadt Phnom Penh dagegen erlangte in den 1970er Jahren traurige Berühmtheit, als sie durch die Roten Khmer entvölkert wurde. Nur Insider wissen jedoch, dass Phnom Penh zuvor, in der Zeit seit der Unabhängigkeit 1953, eine Phase des kulturellen und architektonischen Aufschwungs erlebte, deren Zeugnisse bis heute das Bild der Stadt prägen. Im Übrigen ist Phnom Penh eine Stadt, die im Vergleich zu vielen anderen asiatischen Metropolen leicht zu bereisen und zu besichtigen ist. Bauten unterschiedlicher architektonischer Stile finden sich hier nah beieinander.
Der "Architectural Guide Phnom Penh" präsentiert mit 141 Arbeiten aus den vier Hauptphasen der Stadtgeschichte eine umfassende Übersicht über das bauliche Erbe Phnom Penhs, illustriert mit zahlreichen historischen und zeitgenössischen Aufnahmen. Phnom Penh wurde im fünfzehnten Jahrhundert gegründet und während des französischen Protektorats (1863-1953) neu geplant und erweitert. So koexisterten frühe religiöse und vernakuläre Bauten, die glanzvollen Strukturen des Royal Palace und koloniale französische Bauten, als sich nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1953 bis in die 1970er Jahre hinein die „Neue Khmer Architektur“ entwickelte. Im Ausland ausgebildete kambodschanische Architekten verbanden die Formensprache der klassische Moderne mit traditionellen Khmer Elementen und entwickelten daraus eine spezifische, lokale Moderne. Aber auch Planer aus Frankreich, China oder der Sowjetunion prägten das neue Erscheinungsbild der Stadt. Es entstanden viele öffentliche und private Bauten wie die heutige Royal University of Phnom Penh, der National Sports Complex und die Chaktomuk Conference Hall, aber auch luxuriöse Wohnbauten wie das Tan Pa Building. Den Terror der Roten Khmer, die die Hauptstadt räumen ließen und urbanes Leben ablehnten, überstanden diese Bauten weitgehend unbeschadet, doch mit der politischen Stabilisierung in den 2000er Jahre erlebt die Stadt eine beispiellose Modernisierung, der immer wieder wichtige historische Bauten zum Opfer fallen. Jedoch eröffnet diese Situation auch einer – noch kleinen – Gruppe junger kambodschanischer Architekten die Möglichkeit, an der Neugestaltung des Landes mitzuwirken.
Die Autoren Moritz Henning und Walter Koditek führen ihre Leser mit dem geographisch gegliederten Band nicht nur zu den bekannteren Meisterwerken, sondern auch durch die Alltagsarchitektur der Stadt jenseits der Touristenpfade. Darüber hinaus liefert dieses Buch einen wichtigen Beitrag zu den aktuellen Debatten über den Denkmalschutz und dokumentiert Bauten, die morgen vielleicht schon verschwunden sind. Interviews mit lokalen Experten ergänzen die Portraits der wichtigsten Vertreter der Khmer-Moderne wie Vann Molyvann und Lu Ban Hap und zeigen individuelle Blickwinkel auf die Stadt.
Moritz Henning/Walter Koditek
Architectural Guide Phnom Penh
134 × 245 mm, 364 Seiten
450 Abbildungen, Softcover
ISBN 978-3-86922-434-3 (Englisch)
EUR 38,00 / CHF 46,40
Januar 2020. DOM publishers, Berlin













