(openPR) Seit dem 19. Oktober ist das frühere Berliner Kaiser-Friedrich-Museum und heutige Museum für Spätantike und Byzantinische Kunst – Bode-Museum – für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst wurden schon im Jahr 2000 vereint. Jetzt aber erstrahlen die Sammlungen sowie eine umfangreiche Münzsammlung auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte in vollem Glanz.
Durch die Berichte über die gelungene Wiederherstellung des prächtigen Bauwerks angelockt nutzten meine Lebensgefährtin und ich Allerheiligen, um das Museum zu erleben. Zweifelsohne: Der Bau ist eine Wucht. Und die deftigen 8 Euro Eintritt pro Person kann man angesichts des Kunst Genusses und Nachhilfe in Deutsch verschmerzen.
Unsere Tour beginnt am Kopf der Museumsinsel auf der Monbijou Brücke, auf die sich die Schlange der Museumsbesucher hinaus reckt. Sie reicht von der äußeren, durch Dussmann Mietpersonal gemanagte Absperrung, bis etwa zur Mitte der Brücke. Eine Schlange von nur rund 80 Besuchern, die sehnlichst zur Kasse vorrücken wollen. Es sind etwa gefühlte Minus 4 Grad. Aber das ist halb so wild, denn die Gedanken werden durch den Regen abgelenkt, der auf die Wartenden prasselt.
Alle 6 Minuten werden 10 Personen zur Audienz an die Kasse gebeten. Man kann sich darauf verlassen: nach knapp 50 Minuten Anstehen wird man es geschafft haben! Da die Warteschlange nicht kürzer oder länger wird, sondern immer gleichmäßig rund 80 Personen warten, fragt man sich, ob es nicht sinnvoller wäre, diese 80 auf einen Schlag passieren zu lassen. Es würde den Museumsgast ein Gefühl des Willkommen Seins vermitteln. Ein Besucher aber wagt es indes, den Herrn Wachmann zu befragen, ob man nicht unter dem Dach im Wandelgang warten dürfe, um etwas wind- und regengeschützter anzustehen. Dazu muss man wissen: Der Wandelgang ist auf einer Länge von etwa 70 m und einer Breite von 5 m völlig leer. Der Wachmann erläutert ausführlich, warum das nicht geht: "Weil es nicht gestattet ist."
Wir sind an der Reihe. Geistig und körperlich gut durchgefrostet dürfen wir ein paar Minuten vor der Kasse das Ambiente des zugigen Einlasses befühlen. Durch die Innentüren kann man hier schon sehen: Im Innern des Baus herrscht nicht etwa großer Andrang, der die 50 Minuten Wartezeit rechtfertigen würde, sondern ein zartes Geplätscher von Besuchern hier und dort, die sich in den heiligen Hallen der neuen deutschen Attraktion verlieren.
Immerhin: Man darf seine Jacke anbehalten und sogar seine Tasche mit in die Ausstellung nehmen. Vorausgesetzt allerdings, man behält die Jacke dann auch an, legt sie nicht etwa über den Arm oder bindet sie sich um, das wäre strengstens untersagt. Seine Handtasche, so wird ein freundlicher Museums Helfer meine Lebensgefährtin später belehren, trägt man bitte immer seitwärts unter dem Arm. Nur gut, dass wir zuvor noch die etwa zehn Minuten Anstehen an der Garderobe abgewartet haben, um unsere Mäntel abzulegen.
Drei sichtlich überforderte Garderobieren hetzen zwischen Textilien und Tresen hin und her. Eine davon dick eingepackt in ihre Winterjacke und mit einem Schal vermummt, denn die Garderobe ist auf etwa 0° heruntergekühlt, da sie recht ungünstig fast schon im Freien zwischen Ein- und Ausgang liegt.
Die Kälte verfolgt uns bis weit in die erste Halle hinein. Hier lernen wir, dass man durch einen Sondereingang für Privilegierte hätte eintreten dürfen – ohne Wartezeit. Man muss nur behaupten, man wolle das Café oder den Buchshop im 1. OG besuchen. Also notieren Sie bitte für Ihren Besuch: Behaupten Sie einfach, Sie wollten nur ins Café, dann können Sie sich geschwind zur Kasse vordrängeln und etwa eine Stunde Zeit sparen.
Ein übrigens sehr gut besuchtes Café. Kein Wunder, denn im Museum gibt es nur etwa alle acht Säle eine kleine Sitzbank zum Pausieren. Eine vermutlich von gut bezahlten Einrichtern in langwierigen Besprechungen ausdiskutierte und am Bedarf älterer Mitbürger sinnvollst ausgerichtete Planung. Uns begegnet bei unserem Besuch ein älterer Herr, der einen Klappstuhl bei sich trägt, und wir fragen uns, ob man seinen Stuhl von daheim mitbringen muss oder ob man sich einen beim Museum ausleihen könnte? Für letzteres fehlt ein Hinweisschild.
In einem Gästebuch am Ausgang lesen wir dann auch viele Besucherkritiken, die mich beruhigen: Ich bin mit meiner Meinung nicht allein! Nur offensichtlich schmökert die Museumsleitung nicht im Gästebuch. Meine Lebensgefährtin und ich haben deshalb auf noch mehr Redundanz verzichtet.
Nach dem Rundgang durch sehenswerte Räume mit aufregenden Exponaten aus rund 1500 Jahren Menschheitsgeschichte wird der Besucher am Ausgang sanft auf den Boden der Realität zurückgeführt. Denn bevor man draußen ist, fantasiert man dank Wartezeit im Durchzug und der schon im Herbst unerträglichen Kälte darüber, wie es wohl im Winter hier ist, wenn die Bekleidung der Gäste eissteif serviert wird.
Für den internationalen Gast gereicht das Bode-Museum zur Erweiterung seiner kulturellen Deutschkenntnisse. Vielleicht bestätigt es auch gewisse Klischees. Aber auch für den einheimischen Besucher, der durch andere Kulturangebote viel zu sehr verwöhnt wurde und den es nach einer Prise Ost-Nostalgie verlangt, ist ein Besuch empfehlenswert.









