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Wenn Leidenschaft auf Bürokratie trifft …

(openPR) … behindern starre Regelungen der Sozialkassen die Ausbildung in familiärem Handwerksbetrieb

Dies ist eine Geschichte aus dem deutschen Bürokratie-Alltag. Die Geschichte eines leidenschaftlichen Handwerkers: über seinen Willen, praktisch begabten jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben – und die Hürden der Bürokratie, die das verhindern. Aber der Reihe nach.



Thomas Gutwin (47) lebt mit Frau Wibke und zwei Kindern im idyllischen Soester Ortsteil Röllingsen. Der selbstständige Zimmerer- und Dachdeckermeister betreibt von einem ehemaligen Bauernhof aus sein kleines Handwerksunternehmen: Er errichtet in der Umgebung Holzblockhäuser, Carports, Dächer, bietet seinen Kunden sogar qualifizierte Energieberatung – und steckt zudem viel Herzblut in die Ausbildung des Berufsnachwuchses. Sei es im und für den eigenen Betrieb, sei es als Dozent in der Fortbildung von angehenden Dachdecker- und Zimmerermeistern. Er besitzt daher selbstverständlich auch für beide Gewerke -die häufig fachlich eng miteinander verbunden sind- die Ausbildungsberechtigung.

Gutwin lebt das Handwerk und zeigt das (nicht nur durch das Tragen der Zunftkleidung) gerne auch stolz in der Öffentlichkeit. Gesellen „auf der Walz“ oder Auszubildende mit besonderen, vielleicht sogar problematischen Lebensläufen finden hier häufig ihren Platz. Rundum: Ein Handwerker, der bei komplizierten Aufgaben am Dach, auf der Baustelle oder im Betrieb immer eine praktikable Antwort findet. Aber jetzt weiß auch der erfahrene Meister nicht mehr weiter. „Ich würde gerne auch in Zukunft junge Menschen im Zimmererhandwerk ausbilden, doch die Kosten lassen das -streng betriebswirtschaftlich gerechnet- nicht zu“, sagt er und zeigt dabei auf seine zwei Auszubildenden. Jonas Kellner (31) erlernt bei Gutwin aktuell das Dachdeckerhandwerk (denn der Arbeits-schwerpunkt des Betriebes ist die Dachdeckerei); Danann Nowotny (24 Jahre, mit südafrikanischen Wurzeln) hingegen ist Zimmerer-Azubi – und kostet daher seinen Chef jährlich mehrere Tausend Euro zusätzlich. Gutwin sagt ein wenig trotzig: „Aber ich habe mein Wort gegeben, dass ich ihm die Ausbildung hier ermögliche – und das Wort eines Handwerkers sollte doch noch gelten, oder?“

Sein Problem mit der Ausbildung zweier verschiedener Gewerke: Für die Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk ist die Sozialkasse (SoKa) „Dach“ zuständig, für die Auszubildenden im Zimmerer-Handwerk hingegen die „Soka-Bau“. Beide Sozialkassen haben für solche Fälle bislang kein gegenseitiges Ausgleichsverfahren für die Übernahme der zusätzlichen Kosten bei überbetrieblichen Kursen und bestimmten Teilen der Ausbildungsvergütung – und Ausbilder Gutwin bleibt auf der Kostendifferenz sitzen, weil die Zimmerer-Ausbildung teurer ist, als die Dachdecker-Ausbildung. „Das können leicht bis zu 16.000 Euro oder mehr in den drei Lehrjahren werden – so ganz genau können mir das bislang die Sozialkassen selbst nicht sagen! Und dabei frage ich mich: Bin ich denn wirklich der einzige Betrieb in Westfalen oder gar ganz Deutschland, der entsprechend ausbilden will und am Ende durch den fehlenden Willen an einer pragmatischen Ausgleichslösung der Sozialkassen daran gehindert wird? Ich musste inzwischen sogar schon einem weiteren Interessenten für die Zimmererausbildung absagen!“
Der Hintergrund: Da Gutwins Betrieb in die „Soka-Dach“ einzahlt, werden die Kosten für den Lehrling Jonas aus diesem Topf bedient. Aber bei Zimmerer-Azubi Danann ist das anders: Hier sieht sich die „Soka-Bau“ nicht für den im Schwerpunkt Dachdecker-Betrieb Gutwin (aufgrund fehlender Beitragseinnahmen) zuständig – und umgekehrt will die Sozialkasse „Dach“ nicht in vollem Umfang für einen „fachfremden“ Zimmerer-Auszubildenden zahlen.
Dabei verkennt Gutwin nicht, dass die Beiträge für die „Soka-Bau“ höher sind, als die der „Soka-Dach“. „Doch ein ausgebildeter Zimmerergeselle, der anschließend in einer Zimmerei tätig wird, bringt später der „Soka-Bau“ auch erhebliche Beiträge zurück“, argumentiert der Ausbilder.

In vielen Briefen, Telefonaten und Gesprächsrunden hat Meister Thomas Gutwin (mit Unterstützung seiner Innung und Kreishandwerkerschaft) inzwischen über Monate hinweg versucht, dass die zuständigen Institutionen miteinander sprechen und für solche Fälle grundsätzlich eine praktikable Ausgleichsregelung finden. Randbemerkung: Die betreffenden Sozialkassen sind in Wiesbaden nur etwa sechs Gehminuten voneinander entfernt! Doch bislang leider ohne Erfolg.
„Es sieht wohl so aus, dass ich hier am Ende bin und mein vermehrtes Engagement aus eigener Tasche zahlen werde. Dafür wird die Familie wohl auf gemeinsame Urlaube verzichten müssen – aber als Handwerker will ich eben mein Wort halten können!“

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