(openPR) Interview mit Regisseur Markus Arendt zur Premiere des „Schimmelreiters“ am 30. August 2019 an der Dittchenbühne
(Elmshorn / 2.8.2019) Über die neue Inszenierung am Elmshorner „Forum Baltikum - Dittchenbühne“ sprachen wir mit Regisseur Markus Arendt - Theaterpädagoge und Lehrer an der Leibniz-Privatschule. Der „Schimmelreiter“ wird am 30. August 2019 an der Dittchenbühne Premiere feiern. Welche Erfahrungen hat Arendt gemacht mit der Novelle von Theodor Storm und dem Stück von Dittchenbühnen-Chef Raimar Neufeldt?
Herr Arendt, der „Schimmelreiter“ ist ja eine durchaus vielschichtige Novelle von Theodor Storm. Worauf kam es Ihnen bei der Inszenierung für die Dittchenbühne besonders an?
Markus Arendt: Vielschichtig: Ja! Aber vor allem, wenn man sich an die eigene Schulzeit erinnert, in der diese Novelle „durchgenommen“ wurde, oder an die alten Schimmelreiter-Verfilmungen, vor allem sehr düster, niederdrückend, fast schwermütig. Die Vielschichtigkeit wollen wir bei unserer neuen Inszenierung natürlich erhalten - aber die Düsternis soll zurückgedrängt werden, so dass die Zuschauer nicht in dunkler Stimmung aus dem Theater kommen, sondern durchaus auch mit guten Gefühlen nach Hause gehen können.
Mit welchen Mitteln versuchen Sie das?
Das Stück war - wie die Novelle - ursprünglich sehr männerlastig. Ich habe deshalb einige der Männerrollen auf junge Mädchen übertragen - und schon kommt alles etwas leichter, heller, freundlicher daher. Und: Wir haben bewusst fröhliche Szenen - etwa von einem Dorffest - mit ins Stück genommen, so dass die Lebensfreude, die es damals ja auch gab, zum Tragen kommt.
Bei Storm ist Hauke Haien ein Charakter, der durchaus Widersprüche aufweist. Kommen die im Stück zum Tragen?
In der Novelle ist das sicher gut so. Aber das Theater hat andere Erfordernisse. Deshalb habe ich bei dieser Inszenierung auf die Gegnerschaft zweier ganz unterschiedlicher Charaktere gesetzt: auf den Deichgrafen Hauke Haien und auf seinen Gegenspieler Ole Peters. Holger Bessel als Hauke Haien und Kalle Skala als Ole Peters bilden da ein fantastisches Anti-Paar. Das Gute und das Böse stehen sich personifiziert gegenüber - und das Stück wird fassbarer und eingängiger. Das ist sicherlich auch gut für die Ostseetournee, weil so die Handlung besser zu verstehen ist - schließlich wird da für die meisten Zuschauer in einer Fremdsprache gespielt ...
Sehen Sie aktuelle Bezüge in den Aussagen dieses Stücks?
Das ist immer so eine Frage! Was will uns Storm sagen? Ich glaube, er wollte uns einfach eine spannende, ungewöhnliche Geschichte erzählen, und uns unterhalten. Wenn es eine Aussage gibt, dann vielleicht diese: Bleib deinen Ideen treu; es lohnt sich, für das einzutreten, was man für sich selbst als richtig erkannt hat; es lohnt sich, dafür zu kämpfen - selbst dann, wenn das zu einem tragischen Ende führen kann.
Kann sich das Elmshorner Publikum auf besondere Regieeinfälle freuen?
Die größte Schwierigkeit beim „Schimmelreiter“ am Theater ist doch: Wie bringe ich den Schimmel auf die Bühne? Ganz real? Das verbietet sich, denke ich, von selbst. Und auch jede Form eines künstlichen Theaterpferds wäre wohl eher lächerlich. Wir lösen diese Herausforderung durch Einspielfilme, die auf den Bühnenhintergrund projiziert werden - Filmsequenzen, die wir in St. Peter-Ording aufgenommen haben. Damit startet die Aufführung und versetzt das Publikum gleich in die richtige Stimmung - und auch später setzen diese Filmszenen bestimmte Akzente. Die Kostüme wurden von der Theaterschneiderei im Stil der Zeit extra für die Produktion angefertigt und unterstützen diese Wirkung - ebenso wie die Gestaltung der Bühne, auf der sich nur das notwendigste Mobiliar findet.
Herr Arendt, für Sie als Theaterpädagoge ist der „Schimmelreiter“ an der Dittchenbühne Ihre erste Regiearbeit mit erwachsenen Darstellern. Welche neuen Erfahrungen machen Sie dabei? Und was bringen Sie aus Ihren Schulerfahrungen in diese Regiearbeit ein?
In puncto Theater geht es an der Dittchenbühne natürlich viel professioneller zu: Man hat den Eindruck, dass sich alles um die Aufführung dreht. An der Schule ist Theater dagegen nur ein Fach von vielen. Und so können die erwachsenen Darstellerinnen und Darsteller der Dittchenbühne auch viel ergebnisorientierter, viel konzentrierter und fokussierter agieren als es den Jugendlichen an der Schule möglich ist. Ich bin Raimar Neufeldt sehr dankbar, dass ich in diesem Umfeld arbeiten und diese Erfahrung machen konnte.
Auf der anderen Seite habe ich bei der Arbeit mit Jugendlichen gelernt, Theaterstücke so aufzuführen, dass das Publikum von Anfang an gepackt wird, emotional mitgehen kann. Das, denke ich, muss auch beim Theater für Erwachsene so sein - und entsprechend habe ich den „Schimmelreiter“ inszeniert. Um ein Beispiel zu nennen: Am Schluss des Stücks stand ursprünglich ein sehr langer, kommentierender Monolog. Daraus haben wir ein ganz dramatisches Ende gemacht, das noch einmal Leben - und Tod! - auf die Bühne bringt. Man darf gespannt sein!
Nähere Informationen und Tickets beim „Forum Baltikum – Dittchenbühne“, Hermann-Sudermann-Allee 50, 25335 Elmshorn. Ruf: 04121/89710; E-Mail:













