(openPR) Es war vor ungefähr 15 Jahren. Damals sollten neue Großbriefsorter entwickelt werden und wir beobachteten den Briefmarkt mit grosser Skepsis. Kritische Stimmen warnten vor den neuen Medien und deren Auswirkung auf das Briefvolumen. In einem Punkt haben sich die Prognosen bestätigt: die elektronischen Kommunikationswege haben sich rasant entwickelt aber... der Brief lebt!
Sicher wäre diese Analyse nicht besonders aussagekräftig – würde man nicht den kausalen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, in diesem Fall Briefsender und Empfänger genauer betrachten.
Seit längerem taucht in jeder Diskussion das Stichwort Informationsgesellschaft oder Zeitalter der totalen Kommunikation auf. Meistens im Zusammenhang mit den sog. Neuen Medien. Ein wichtiger Aspekt auch im Zusammenhang mit dem Briefmarkt, was dazu geführt hat, dass sich überall auf der Welt Institute und Professoren mit dieser Frage beschäftigen.
Behauptung 1 – Online-User brauchen demnächst keine Briefe mehr
Eine Studie der französischen Regulierungsbehörde ARCEP zeigt, dass 47% der Internet-User regelmäßig Briefe versenden und 68% der Internet-User Briefe erhalten. Bei den „Nicht-Onlinern“ liegen die Raten nur bei 39% bzw. 48% !
Behauptung 2 – Der Brief als Werbeträger wird durch „moderne Medien“ abgelöst.
Die Australia Post hat eine Untersuchung zum Thema durchf[hren lassen. Die Auswertung zeigte u.a. dass:
51% aller Unternehmen, die regelmäßig Mailings zur Kundenbindung verschicken, ihren Profit um 25% steigern konnten! 60% aller Kunden, die durch die Mailings erreicht wurden, haben später nochmal bestellt und davon haben 40% ihre Ausgaben deutlich erhöht.
Behauptung 3 – Online-Shopper informieren sich online. Kataloge und Briefe sind out.
Wer sich mit Werbung besch’ftigt weiss: Eine Website verlangt eine aktiv Bewerbung, um sie bei der Zielgruppe bekannt zu machen. Ohne ausreichenden Einsatz der klassischen Medienauswahl und -gestaltung ist dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt. Online-Werbung muß deshalb immer als integrierte Kampagne, unter Einbindung von Printmedien und Mailings, entwickelt werden. Ein bekannter Werbefachmann hat einmal behauptet: „Ein Internetauftritt ohne Werbung ist so, als würden Sie eine Würstchenbude in Grönland eröffnen: niemand nimmt Kenntnis von Ihnen“.
Die USPS veröffentlichte unter der Überschrift eine von comScore Networks, Inc. durchgeführte Studie, die eine solche Behauptung eindeutig belegt.
Empfänger von Katalogen besuchen 16% häufiger die Homepage eines Onlinehändlers. Zudem klicken Mailingempfänger bis zu 22% mehr Internetseiten des Online-Anbieters und verbringen 15% mehr Zeit auf den Seiten. Last but not least ist die Anzahl der Erstbesucher einer Website, die einen Katalog erhalten haben, doppelt so hoch, wie die Anzahl Besucher ohne Katalog!
Eine weltweite Untersuchung zeigt, dass Mailempfänger einen Wert aus dem erhaltenen Brief ableiten und bereit sind, ihn zu öffnen und zu lesen. Das Ergebnis dieser weltweiten Untersuchung wird in Amerika beeindruckend bestätigt: 98% aller Amerikaner lesen jeden Tag Ihre Post; aber weniger als 50% lesen jeden Tag ihre E-mails!
Zuletzt bliebe noch die Frage offen, wie oft Briefe verschickt werden sollen. Debatten um die allgemein gültige Formel E+1 haben da schon eine gewisse Tradition. Auch hier bringt eine Studie vielleicht etwas mehr Licht ins Dunkle.
Ebenfalls die ARCEP hat das „Postverhalten“ der Marktteilnehmer in Frankreich untersucht. 94% der Firmen und 57% der Privathaushalte erhalten täglich mindestens einen Brief. Die Studie ermittelte, dass eine E+1-Zustellung, 6 Tage die Woche für die Kunden das wichtigste Kriterium sind (allerdings unter Nichtberücksichtigung des Preises).
FAZIT
Welche Schlüsse lassen sich aus den o.g. Fakten ziehen? Jeder hat da wahrscheinlich seine eigenen Vorstellungen. Ich persönlich leite folgende Erkenntnisse ab:
A) Werbetreibende, Hersteller und Dienstleister müssen die Werthaltigkeit der Briefe erhöhen.
B) Der Servicelevel E+1 hat bei bestimmten Anwendungen weiterhin eine wichtige Bedeutung. In anderen Fällen wird über eine E+n-Lösung nachgedacht werden müssen.
Ich möchte alle Mitglieder der Postgruppe einladen, gemeinsam weitere Themen aufzugreifen und kontrovers zu diskutieren.
Beenden möchte ich den Beitrag mit einem Zitat von Bruce Barton, Begründer der BBDO-Werbegesellschaft:
„In guten Zeiten haben die Menschen den Wunsch zu werben; in schlechten Zeiten müssen sie es tun!“











