(openPR) Stefan Sprang spürt in seinem biografischen Roman dem Leben eines außergewöhnlichen Menschen nach: dem inzwischen vergessenen Tenor Joseph Schmidt. Sein Leben war selbst wie eine große tragische Oper. Der jüdische Tenor Joseph Schmidt (1904 bis 1942) aus der Bukowina wird Ende der 20er Jahre zum Radiostar und Liebling des Publikums nicht nur in Deutschland. Ob als Opernsänger, Schlagergott oder Filmheld, er hat weltweit Erfolg - und er kommt an bei den Frauen, obwohl er gerade einmal 1,54 Meter groß ist. Immer wieder hat „der deutsche Caruso“ Liebschaften und Affären. Als die Nazis die Macht übernehmen, unterschätzt Schmidt die Gefahr für sein Leben. Statt sich rechtzeitig in die USA abzusetzen, beginnt er eine Flucht durch Europa, die in der Schweiz tragisch endet.
Die Frage, warum sich Joseph Schmidt sich nicht schon früher in Sicherheit gebracht hat – auf zwei USA-Tourneen hatte er die Gelegenheit dazu -, war der Auslöser für den Autor Stefan Sprang, diesen Roman zu schreiben: „Ich hatte schon einen riesigen Respekt und habe mich gefragt, ob ich das überhaupt darf: mich als nicht-jüdischer Autor, der die Nazi-Zeit natürlich nur noch aus Büchern kennt, in die Gedankenwelt eines Joseph Schmidt zu versetzen.“ Aber es gab da einen zentralen Anknüpfungspunkt: Das Thema Heimat, das Eingebundensein in eine Familie, die Liebe zu den Orten der Herkunft und zur vertrauten Kultur. Einerseits gibt all das Sicherheit. Andererseits lauern hier aber auch Fesseln, wenn es darum geht, sich zu befreien, zumal, wenn die eigene Existenz bedroht ist.
In atmosphärisch dichten Szenen und mit einem musikalisch-poetischen Sound erzählt dieser Roman von einem unglaublichen Schicksal. In einer spannenden Mischung aus Fakten und Fiktion spannt der Autor dabei einen dramatischen Bogen vom lebensprallen Berlin Ende der 20er, wie Vicki Baum („Menschen im Hotel“) es beschrieben hat, bis zum Leid der Flüchtlinge in Anna Seghers „Transit“.
Mit diesem Thema ist „Ein Lied in allen Dingen“ hochaktuell, zugleich ist der Roman aber auch eine zeitlose Hommage an den Zauber der menschlichen Stimme, den Schmidt mit seinem engelgleichen Tenor so sehr entfaltet hat.
Der Autor
Stefan Sprang, geboren 1967 in Essen. Dort aufgewachsen im Süd-Viertel. Studium in Münster und Berlin. Begann Mitte der 80er Jahre mit dem literarischen Schreiben. Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Seit 1990 freier Hörfunkautor und –redakteur. Für seine journalistische Arbeit bekam er den „Kurt-Magnus-Preis“ der ARD. Sein 2007 erschienener Hörspiel-Monolog „helden: tot“ wurde nominiert für den „Deutschen Hörbuchpreis“. Die Bühnenfassung hatte 2018 Premiere in Essen. Weitere Veröffentlichungen: „Fred Kemper und die Magie des Jazz“ (Roman) und der Story-Band „Boy Meets Girl oder: Die Liebe hiesiger Menschen im 21. Jahrhundert.“ Stefan Sprang lebt und arbeitet in Frankfurt/Main und Essen.
Der Autor steht für Interviews zu Verfügung.













