(openPR) Weltweit äußern sich zunehmender Rassismus und wachsende Nationalisierung auch in Gewalt und Verfolgung gegenüber Journalisten. Zu ihnen gehört auch der kurdisch-alevitische Schriftsteller und Widerstandskämpfer Aziz Tunç. Der Ausländerbeirat und Gefangenes Wort laden ihn zu einer Lesung mit anschließendem Gespräch am 20. Februar 2019 um 20:00 Uhr ins Kerkradezimmer in der Kongresshalle Gießen ein. Der Eingang findet sich auf Seite der Wieseck. Der Eintritt ist frei.
Aziz Tunç wurde 1956 im kurdisch-alevitischen Elbistan nahe der Stadt Maras geboren. Noch in seiner Jugend engagierte er sich als linker Aktivist gegen die Militärdiktatur in der Türkei und kam dafür das erste Mal ins Gefängnis.
1978 verübten Nationalisten und Mitglieder der rechtsextremen Partei der Nationalistischen Bewegung das Massaker von Maras: Dabei wurden ganze Wohnviertel zerstört und über 100 Kurden, Aleviten und Kommunisten gefoltert und getötet, wobei inoffizielle Angaben von einer weit höheren Zahl ausgehen – darunter auch Freunde und Bekannte Tunçs. Als er nach dem Militärputsch 1980 auf die Fahndungsliste der neuen Regierung geriet, war er gezwungen, für elf Jahre unterzutauchen.
Beim Putschversuch 2016 war Tunç gerade auf einer Konferenz in Deutschland. Ein Rückflug wurde unmöglich, als seine Freunde verhaftet wurden. Seitdem ist er auf der Flucht und lebt seit 2017 in Deutschland.
Doch bei diesen Lebensbedingungen findet er keine Möglichkeit, an seinen weiteren Projekten zu arbeiten oder die drei Bücher, die schon weitgehend fertig gestellt sind, zu veröffentlichen. Dabei hat der türkische PEN sein 2011 erschienenes Werk „Maras Kiyimi“ (deutsch: „Die Anatomie und die Hintergründe der Massaker von Maras“) als Buch des Monats ausgezeichnet. 2014 veröffentlichte Tunç das Buch „Beni Sen Öldür. Maras/78“ (deutsch: „Du hast mich getötet. Maras/78“), in dem er die Opfer des Massakers biografisch darstellt. Genau das ist Tunç als Überlebendem und Zeugen wichtig: die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten
W.i.E. erzählt… Aziz Tunç – 20 Uhr
Kerkradezimmer (Kongresshalle)
Berliner Platz 2
35390 Gießen
Eintritt frei












