(openPR) Schwäbisch Gmünd. Gute Manieren, Ästhetik und Rücksichtnahme beim Essen im Restaurant erhöhen den Genuss. Dabei gibt es auch Grenzfälle. Diabetiker beispielsweise müssen manchmal kurzfristig ihren Blutzucker messen und Insulin spritzen. Die TAKT & STIL Group nimmt zu diesem heiklen Benimm-Thema Stellung.
Pro Spritzen am Esstisch: Wenn er den Kohlenhydratgehalt von exotischen Speisen nicht richtig einschätzen kann oder sich das Essen stundenlang hinzieht, holt der Diabetiker schon mal sein komplettes Kontroll- und Spritzenbesteck aus der Tasche, macht eine Blutprobe, stellt den Messwert fest, um sich dann die richtige Dosis zu spritzen. Zudem empfinden es Diabetiker als unhöflich, den Tisch zu verlassen, wenn gerade das Essen für alle gebracht wurde. Diabetiker möchten sich nicht ausgegrenzt fühlen oder ins Abseits gestellt sehen, indem sie sich auf dem „stillen Örtchen“ versorgen. Spritzen kann man übrigens ganz unauffällig durch die Kleidung.
Kontra Spritzen am Esstisch: Sensible „Mitesser“ fühlen sich durchaus einer Ohnmacht nahe, wenn sie das Wort „Spritze“ nur hören; sie empfinden beim Anblick eines „hantierenden“ Diabetikers oft Ekel und Angst und der Anblick eines einzigen Tropfen Bluts erzeugt bei ihnen Kreislaufprobleme. Sie halten es nicht für unhöflich, wenn der Diabetiker oder die Diabetikerin mit einer kurzen Entschuldigung den Tisch verlässt, sobald das Essen gebracht wurde. In vielen anderen Fällen, etwa bei Nasenbluten oder einem Hustenanfall, verlässt der/die Betroffene ja auch den Tisch.
Ein erfahrener Diabetiker kann sich im Voraus die Speisekarte ansehen, danach seinen Bluttest machen und dann die erforderliche Menge an Insulin spritzen – abseits des Esstisches. Diabetiker-Utensilien, auch Tablettenschachtel und Tropfenfläschchen haben auf jeden Fall nichts auf der Tischdecke zu suchen. Besonders unappetitlich ist es, Teststreifen und Injektionsnadeln im Aschenbecher, in der Tischdekoration oder gar im Weinkühler zu entsorgen! Zugegeben: Alte Menschen mit Sehschwäche, die ein Medikament einnehmen müssen, haben hier schlechte Karten. Geht es nicht anders, sollte die Einnahme am Tisch zumindest sehr unauffällig erfolgen.
Kompromiss: Diabetiker sollten so diskret wie möglich am Tisch (auf dem Schoß, und nicht den Bauch entblößen) hantieren. Rücksichtsvoller ist es aber, kurz den Waschraum oder eine stille Ecke aufzusuchen. Das Thema „Krankheit“ passt grundsätzlich nicht zum Essen, und ästhetisches Verhalten ist für das Wohlbefinden der anderen Gäste wichtig. Darum stochert auch niemand ungeniert in den Zähnen und bringt große Make-up-Korrekturen an. Teststreifen und Injektionsnadeln werden natürlich in einer mitgebrachten Streichholzschachtel oder einem Taschentuch entsorgt.










