openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Herta Müller "Niederungen" - ein Labyrinth der Alpträume

05.11.201809:15 UhrKunst & Kultur
Bild: Herta Müller "Niederungen" - ein Labyrinth der Alpträume
(Foto: Odin Moise) Wasser kommt hinzu - eine ambivalente Konstante, die Tiefe suggeriert, die Wellen des Lebens, ...
(Foto: Odin Moise) Wasser kommt hinzu - eine ambivalente Konstante, die Tiefe suggeriert, die Wellen des Lebens, ...

(openPR) Die als Traumstück wahrzunehmende Inszenierung Panaintes nach der Kurzprosa der Nobelpreisträgerin H. Müller beeindruckt zum Auftakt der neuen Spielsaison 2018/19 im rumänischen Nationaltheater Iasi.
------------------------------

Die junge Regisseurin Mihaela Panainte wagt sich, die Niederungen (1982) der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller aus ihrer Perspektive umzusetzen, ein vielversprechendes, postmodernes Theaterexperiment, das junge Schauspieler und Schauspielstudenten animiert, eine andere Art Theater-Spiel auszuprobieren. Ein gelungener Auftakt der neuen Spielzeit am Nationaltheater aus Jassy (Iasi), ein Projekt, das mit Unterstützung des Deutschen Kulturzentrums Jassy und des Goethe Instituts verwirklicht werden konnte.



Herta Müllers Kurzprosaband erlebte am 29. September 2012 seine erfolgreiche Uraufführung am Deutschen Staatstheater Temeswar in der Regie von Niky Wolcz, unter der Mitarbeit von Ulla Wolcz und dem ausdrucksvollen Bühnenbild von Helmut Stürmer.

Die Magie und Schönheit der neuen Theaterproduktion, im Unterschied zur Uraufführung, besteht in der Schlichtheit der theatralen Ausdrucksmittel - wirkungsvoll, rätselhaft, beeindruckend - von der visuellen bis zur auditiven Ebene - eine Polyfonie der Stimmen, die sich im chorischen Sprechen der kollektiven Gestalt manifestiert. Die Ausdruckskraft der poetischen Sprache, meisterhaft auf die Essenz der Aussage zusammengeschnitten, durchtränkt von starken Leitmotiven wirkt surreal, metaphorisch, paradigmatisch verbunden mit Leben und Tod.

Die Regisseurin lädt zu einer symbolischen Reise der Erinnerungen über erzählte Welten der Protagonisten ein, gestaltet wie ein "Kino" im Kopf, bestehend aus bewegten Bildern, ähnlich einem Gleiten durch Zeitebenen. Es sind die Erinnerungen eines phantasiebegabten Kindes in seiner Konfrontation mit der Welt, jener Reflexionen im Prozess des Erwachsen-Werdens, begleitet von Erwartungen, Ängsten, Träumen, Zwiespalt, Gefühlsausbrüchen, die alle Grenzen zwischen Wirklichkeit und Imagination verwischen.
Die auktoriale Erzählerin lässt über Stichworte und Leitmotive die Welt der Erinnerungen aufleben; mentale Bilder flimmern auf, kleine Mosaiksteine bilden ein Gesamtbild einer Dorfgemeinschaft - eine unendliche Narration entsteht, verwoben aus Minimalgeschichten. Die Worte verwandeln sich in "erinnerte" Bilder, Projektionen der unschuldigen Augen eines Kindes. Die Erzählerin, das Kind (Malina Lazar) und sein Alter Ego (Stefania Sandu), in Doppelgestalt, agiert wie ein Spiegelbild - zwischen Wirklichkeit und Verzerrungen der imaginierten Welt. In einer ausdrucksvollen poetischen Sprache, die dem von der Umwelt bedrohten Kind Trost spendet, wird der bedrückende Alltag beschrieben, die Rohheit und die Gewalt der Erwachsenen, die kein respekt- und liebevolles Miteinander kennen. Die Erinnerungen und Kommentare zu dem Treiben im Dorf, teilweise autobiographische Elemente der Schriftstellerin Herta Müller, konturieren eine scheinheilige Welt, geprägt von Hass, Sünden und Angst - Angst vor dem Vergessen der Angst, vor dem Tod.

Die kollektive Erinnerung der Dorfgemeinschaft nimmt die Gestalt eines geisterhaften Chores an, gekleidet in identisch weißen Roben, wie die Darsteller der antiken Dramen, die mit minimalistisch rhythmischen Bewegungen im Halbdunkel die Bühne, eine mit Wasser überflutete Niederung, durchqueren. Der Blick richtet sich auf die räumlichen Strukturen, auf die vier zum Himmel emporgerichteten Säulen (Bühnenbild - Dan Istrate), auf die Schatten-Gestalten der Schauspieler, die permanent ihre Gesten ändern (Choreographie - Oana Sandu). Körpergebundene und raumbezogene Gesten werden in den Raum des Textes überführt - die geometrischen Raumfigurationen entfalten sich im Rhythmus der Musik und im Licht-Schattenspiel der Scheinwerfer. Der Versuch, die unmittelbare Wirklichkeit der erzählten Welten ins Abstrakte zu überführen, generiert einen außerordentlichen Diskurs, bestehend aus Körpersprache, Text, Musik und Lichteffekte. Die transformative Kraft der Gesten entwickelt eine körperliche Realität , die den Zuschauer zur Dekodierung einlädt.

Die Narration wird auch von anderen Gestalten weitergeführt - so erscheinen unter anderen der erzählende Großvater und die erzählende Großmutter. Jeweils jede einzelne Gestalt verlässt die Formation des Chores und erzählt ihre eigene Geschichte, integriert ins kollektive Gedächtnis, wobei ein Überlappen der Erzählebenen entsteht, denn die Regisseurin arbeitet mit der Technik des chorischen Sprechens - jede einzelne Stimme wird im Sog der Polyfonie zu einem Teil der kollektiven Stimme. Die Erinnerungen werden über die Stimme der anderen wiedergegeben, der Text wird von rhythmischen Bewegungen begleitet, von ausgeklügelten chromatischen Lichtspielen und Soundeffekten. Ein fast mathematischer Verlauf des Bühnengeschehens - anknüpfend an Robert Wilsons Theaterästhetik.

Die begleitende Musik, bestehend aus Passagen von Monteverdi, Mahler und Max Richter, untermalt die sonore Atmosphäre, um den musikalischen Hintergrund zu sichern, wichtig für die Atmosphäre, für die exakten Bewegungen und Gesten, im Zusammenspiel aller Ebenen: Text, Körpersprache, Licht und Raum. Das Wasser kommt hinzu - eine ambivalente Konstante, die Tiefe suggeriert, die Wellen des Lebens, die unerforschten Niederungen der Psyche.

dDie als Traumstück wahrzunehmende Inszenierung beeindruckt durch symboltragende Szenen - das metaphorische Kehren des Wassers, das Spiel mit den Zündhölzchen, die im Kreis versammelte vermeintlich glückliche Familie, die ritualhafte intendierte Reinigung der Körper und Seelen beim Baden, der opheliamäßige Übergang der fragilen Erzählerin aus dem Diesseits ins Jenseits durch das Untertauchen in die Tiefen der Niederungen.

Eine Einladung, die rekonstruierten Niederungen in der poetischen, stimmungsvollen Vision von Mihaela Panainte zu erleben. (von Dr. Eleonora Ringler-Pascu)

Weitere Informationen unter teatrulnationaliasi.ro




------------------------------

Pressekontakt:

PPS Promotion-Presse-Service
Herr Christian Bauer
EU-Kulturzentrum Haus Jakobholz 10
52391 Köln-Vettweiss

fon ..: +492424-90 80 440
web ..: http://www.kfe.de
email : E-Mail

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:
Haus Jakobholz 10 52391 Köln-Vettweiss
Herr Christian Bauer EU-Kulturzentrum

News-ID: 1025226
 724

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Herta Müller "Niederungen" - ein Labyrinth der Alpträume“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von PPS Promotion-Presse-Service

Bild: INTERFERENCES 2022 Festival im Ungarischen Theater in Cluj (RO)Bild: INTERFERENCES 2022 Festival im Ungarischen Theater in Cluj (RO)
INTERFERENCES 2022 Festival im Ungarischen Theater in Cluj (RO)
Mit großen Erwartungen startetet die achte Ausgabe des Internationalen Theaterfestivals INTERFERENCES des Ungarischen Theaters im rumänischen Cluj (Klausenburg) Ende November 2022. (Erinnerungen von Dieter Topp) Allein die Ankündigung von Theaterchef und Festivalmacher Gabor Tompa machte hellhörig in Bezug auf dessen persönliche Stellungnahmen zu Pandemie, Grundrechten, Fake und Wahrheit, sowie die Rolle des Theaters in diesem Zusammenhang, die es im Vorwort nachzulesen und sicherlich zu diskutieren bedurfte. "Was kann Theater in solchen Z…
12.12.2022
Bild: "Fragile Grenzen - Fließende Übergänge" - Nationales Theaterfestival in BukarestBild: "Fragile Grenzen - Fließende Übergänge" - Nationales Theaterfestival in Bukarest
"Fragile Grenzen - Fließende Übergänge" - Nationales Theaterfestival in Bukarest
Das 32. Nationale Rumänische Theaterfestival (NTF) fand vom 5.-13. November d.J. in Bukarest erstmalig wieder live statt. (von Dieter Topp)Beim der diesjährigen Ausgabe des NTF, "Fragile Grenzen - Fließende Übergänge", galt es, relevante ästhetische Ansätze und Trends im rumänischen zeitgenössischen Theater aufspüren. Ein Team von drei Kuratoren (Mihaela Michailov, Oana Cristea Grigorescu, Calin Ciobotari) zeichnete für die aktuelle Ausgabe mit Produktionen der letzten Saison verantwortlich. "Fragile Grenzen" diente zur Beobachtung hybrider…
14.11.2022

Das könnte Sie auch interessieren:

phonostar: Internetradio-Portal präsentiert die Hörspiel-Highlights zum Osterfest
phonostar: Internetradio-Portal präsentiert die Hörspiel-Highlights zum Osterfest
… "Reise zum Mittelpunkt der Erde", Bestseller-Autorin Donna Leon mit "Endstation Venedig" oder der von der FAZ als Meisterwerk bezeichneten "Atemschaukel" von Herta Müller lauschen. Alle Sendungen können mit dem kostenlosen phonostar-Player ganz legal und völlig unkompliziert als MP3–Datei aufgenommen werden. "Unsere österlichen Radio-Highlights zeigen …
Bild: Neu: Carl Gibsons Fundamentalwerk zum Leben, Werk und Wirkung der Nobelpreisträgerin Herta MüllerBild: Neu: Carl Gibsons Fundamentalwerk zum Leben, Werk und Wirkung der Nobelpreisträgerin Herta Müller
Neu: Carl Gibsons Fundamentalwerk zum Leben, Werk und Wirkung der Nobelpreisträgerin Herta Müller
Deutsche Literatur der Gegenwart kritisch interpretiert. Auf 767 Seiten erörtert der Autor aktuelle Fragen der Herta Müller-Forschung und des Nobelpreises für Literatur. Das neue Werk liegt seit dem 14. Oktober 2016 vor:https://www.buchhandel.de/suche?contributors=Carl%20Gibson Aufsätze und Essays.
Bild: Neu im Buchhandel: Carl Gibson zur Heimat, Werte und Kultur der Banater SchwabenBild: Neu im Buchhandel: Carl Gibson zur Heimat, Werte und Kultur der Banater Schwaben
Neu im Buchhandel: Carl Gibson zur Heimat, Werte und Kultur der Banater Schwaben
Interpretationen: Das Bild der deutschen Minderheit Rumäniens während der kommunistischen Diktatur in Herta Müllers Früh- und Debüt-Werk „Niederungen“. Katalysator des Exodus und Mittel der Politik? Rumänien, „Diktator“ Ceausescu, sein Geheimdienst „Securitate“ und die Deutschen im Banat als Bild und „Karikatur“.
Bild: Den Nobelpreis an der Zimmerwand: ?Herta Müllers Wort-Bild-Collagen als LiteraturtapeteBild: Den Nobelpreis an der Zimmerwand: ?Herta Müllers Wort-Bild-Collagen als Literaturtapete
Den Nobelpreis an der Zimmerwand: ?Herta Müllers Wort-Bild-Collagen als Literaturtapete
… Buchdeckel – und bringt sie großformatig an die Wand. So wird ein ganz neuer Blick auf Literatur möglich, besonders auf das Collagen-Werk der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Mehrere hundert Wort-Bild-Collagen umfasst mittlerweile das Werk von Herta Müller, sie gelten als ein Schlüssel zur Sprache der Autorin. Ein Künstlerpaar aus Berlin bietet 40 …
Die dicken Diätlügen
Die dicken Diätlügen
… Übergewichtigen zu. Mit vielen seriösen Tipps möchten die Autoren zeigen, wie Übergewichtige gesund und dauerhaft abnehmen. Aus dem Inhalt: - 33 magere Lügen - Fette Fakten - Im Labyrinth der Diätlügen - Der ultimative Schlankheitsmittelvergleich - Wie man trotzdem dauerhaft abnimmt – der Weg aus dem Labyrinth der Diätlügen Auf 136 Seiten fassen die Autoren …
Bild: Ausstellungseröffnung: Neue Bilder - Herta MüllerBild: Ausstellungseröffnung: Neue Bilder - Herta Müller
Ausstellungseröffnung: Neue Bilder - Herta Müller
Im Januar wird Herta Müller mit ihren abstrakten Zeichnungen und Bildern die Wirklichkeit einmal anders in den Blick nehmen. Die Ausstellung "Neue Bilder" in der Galerie Parterre zeigt aktuelle Arbeiten der Malerin und Zeichnerin Herta Müller. Seit Jahren findet die Künstlerin ihre Motive im ländlichen Italien, die sie -gestützt durch eigene Fotografien …
Bild: lit.COLOGNE – Das zehnte Mal : Das internationale Literaturfest feiert JubiläumBild: lit.COLOGNE – Das zehnte Mal : Das internationale Literaturfest feiert Jubiläum
lit.COLOGNE – Das zehnte Mal : Das internationale Literaturfest feiert Jubiläum
… mit Journalisten, Schauspielern, Film-und Theaterschaffenden, Philosophen, Musikern, Komikern, Sportlern und Künstlern. Erstklassige internationale und deutschsprachige Autoren wie zum Beispiel Herta Müller, Nick Hornby, Siegfried Lenz, Martin Suter, Martin Walser, Javier Marías, Ulla Hahn, Margaret Atwood, Håkan Nesser, Roger Willemsen, Alissa Walser, …
Noch ein Nobelpreis für Berlin
Noch ein Nobelpreis für Berlin
… Video-Sprachlern-Community lingorilla.com mit dem „Multimedia-Nobelpreis“ (Zitat Nicholas Negroponte), dem World Summit Award 2009, ausgezeichnet wurde. Mit dem Literatur-Nobelpreis für Herta Müller geht nun eine weitere, weltweit anerkannte Auszeichnung in die Bundeshauptstadt. Das Berliner Unternehmen LinguaTV, das als einziger deutscher Preisträger …
Bild: erlesen.tv sendet Beitrag von "Literatur im Römer" mit Herta Müller, Matthias Politycki und Finn-Ole HeinrichBild: erlesen.tv sendet Beitrag von "Literatur im Römer" mit Herta Müller, Matthias Politycki und Finn-Ole Heinrich
erlesen.tv sendet Beitrag von "Literatur im Römer" mit Herta Müller, Matthias Politycki und Finn-Ole Heinrich
… wird in Stockholm der Literaturnobelpreis übergeben. erlesen.TV beweist Gespür für das richtige Timing: Das Kulturportal zeigt ab heute Abend einen Live-Mitschnitt mit Preisträgerin Herta Müller. Bei „Literatur im Römer“ zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse stand sie im Mittelpunkt: Herta Müllers Lesung aus ihrem Roman „Atemschaukel“ war Höhepunkt der …
Unsere Müllers: Eine Lesung mit Barbara Schwarz und Toni Kussmann
Unsere Müllers: Eine Lesung mit Barbara Schwarz und Toni Kussmann
Eine ungewöhnliche Verfolgungsjagd quer durch die deutsche Literatur. Der Name Müller ist mit allen Varianten der häufigste deutsche Name. Umso schöner, dass drei hervorragende Poeten diesen Namen tragen. Im Mittelpunkt der Lesung stehen Inge, Heiner und Herta Müller und ihre Werke.
Sie lesen gerade: Herta Müller "Niederungen" - ein Labyrinth der Alpträume