(openPR) Orpheus und Eurydike – neben Romeo und Julia die andere große Liebesgeschichte.
Eigentlich weiß man, was passieren wird. Doch Salih Jamal bricht in seinem neuen Roman „Orpheus“ mit allen Erwartungen. Gleich bei seinem Eingangsgedicht über den immerwährenden Kampf des Lebens versteht der Leser: „Das, was jetzt kommt, ist etwas ganz anderes.“ So stürzt er in das erste Kapitel, das wie mit Maschinengewehrsalven in kleinen Absätzen die Not und Verzweiflung eines Mannes schildert, der seiner Liebe beraubt ist. Und schon ist man mitten in der Geschichte:
Der Rock- und Bluessänger Orpheus, ein Suchender in unserer Zeit, schlägt sich mit Nebenjobs durch die Tage. In Nienke begegnet er der Liebe seines Lebens. Sie arbeitet als Anwältin im Unternehmen seines Großvaters, des Patriarchen Zeus. Eines Tages findet sie Beweise, die Zeus in Verbindung zu einem viele Jahre zurückliegenden Mord an einer Frau bringen. Kurz bevor sie die Unterlagen bei der Polizei abgeben kann, verschwindet Nienke spurlos. Orpheus beginnt, sie zu suchen, und stößt auf ein Geflecht aus grausamen Familiengeheimnissen, Intrigen und Verrat. Am Ende lernt er loszulassen, um Nienke für immer zu finden.
Der Autor Salih Jamal wählt ungewöhnliche Wege, um die Liebesgeschichte von Orpheus und Eurydike in unsere Zeit und unsere Sprache zu bringen. Zunächst überrascht die Erzählperspektive – Orpheus selbst blickt aus einer anderen Sphäre auf die Geschehnisse und beschreibt seine familiären Verstrickungen: den despotischen Großvater Zeus als bösen Antagonisten, ein skrupelloser Waffenhändler, der auch nicht vor Mord in der eigenen Familie zurückschreckt. Seinen Onkel Dino, den heimlichen Star der Geschichte, ein Lebenskünstler und Philosoph, dessen kluge und tiefgründige Gedanken über das Leben und die Liebe dem Text Leichtigkeit und Poesie verleihen. Hera, die Eiskönigin, Intrigantin und bis fast zur Selbstaufgabe kämpfende Gattin Zeus‘, und Ari, Orpheus‘ Bruder, der bald Opfer seiner eigenen seelischen Düsternis und Gewaltbereitschaft wird. Daneben die scheinbaren Randfiguren, die die Geschichte auf ihre Art prägen – Hermann Mess, ergebener Chauffeur Zeus‘, der wie der Fährmann Charon die Opfer seines Chefs in „Sonderfahrten zu Hades“ entsorgt. Und Hank van Rohm, der an Inspektor Columbo erinnernde ermittelnde Kommissar.
Den Sänger Orpheus würdigt Salih Jamal mit kongenialer Begleitmusik. Jedes Kapitel ist mit dem Titel eines passenden Musikstücks überschrieben, die Auswahl ist grenzüberschreitend und unterstreicht die jeweilige Stimmung der Erzählung. So finden sich neben Bach, Mahler und Beethoven auch Tom Waits, die Leningrad Cowboys, Nina Hagen, Pink Floyd und sogar ABBA. Eine Playlist zum Buch ist auf YouTube hinterlegt.
Jamals Roman „Orpheus“ ist mehr als eine an die griechische Mythologie angelehnte Story. Seine Betrachtungen über das Band und die Fesseln der Familie, über Liebe, Sehnsucht und Einsamkeit, über die Jugend und das Alter und nicht zuletzt über eine verrohende Gesellschaft treffen in ihrem Ton immer den Nerv – ob einfühlsam und poetisch, wütend und entfesselt, nachdenklich und leise oder anklagend und laut.
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