(openPR) Ein Hörgerät können Sie sich nicht einfach im Laden kaufen, ins Ohr stecken und dann hoffen, dass Sie gleich viel besser hören.
Ein Hörgerät macht mehr als nur laut. Ein Hörgerät ist in der Lage, nach der Anpassung durch einen Hörgeräteakustiker exakt den Frequenzbereich abzubilden und zu modulieren, in dem der Schwerhörige seine Hörverluste hat. Das geschieht nach einer audiometrischen Messung anhand exakter Kurven durch einen ausgebildeten Fachmann.
Denn das Ziel der Hörgeräteversorgung ist nicht, den Menschen Lautstärke aufs Ohr zu geben, sondern ein ordentliches Verstehen des gesprochenen Wortes zu ermöglichen. Das können Hörhilfen nicht oder nur bedingt.
Das Hören wurde verlernt
Da aber eine Schwerhörigkeit meist nicht schlagartig auftritt, sondern sich über einen längeren Zeitraum entwickelt hat, wurde das „Hörgehirn“ auch darauf trainiert, mit weniger Informationen zurecht zu kommen. Das geht auch eine ganze Weile gut. Das andere evtl. bessere Ohr hört mit, wir lesen unbewußt von den Lippen ab und wir fragen häufiger nach. Bis dann die Höreinschränkung soweit gediehen ist, dass ein richtiges Verstehen gar nicht mehr funktioniert.
Anfangsschwierigkeiten mit dem Hörgerät
Aber dann hat das „Hörgehirn“, also die Teile des Sinnesapparates und Gehirns, die für das Hören und Verstehen zuständig sind, schon einiges verlernt. Es ähnelt im übertragenen Sinne einem Muskel, der nicht trainiert wurde und erschlafft ist. Deshalb hilft auch eine Hörgeräteversorgung anfangs oft nur wenig.
Nach der ersten Anpassung beginnt erst die Gewöhnung
Der Akustiker nimmt die erste Anpassung vor und entlässt den Kunden dann in sein Umfeld. Der glaubt, mit den neuen Geräten oder dem neuen Gerät jetzt auf Anhieb wunderbar hören zu können. Und so ist es auch meist, die Begeisterung ist anfangs fast immer sehr groß.
Anfangsschwierigkeiten mit dem Hörgerät
Die Enttäuschung ist groß, anfängliche Begeisterung verschwunden. Betroffene hören mit dem Hörgerät scheinbar nicht gut. Es mangelt an Training. Aber dann tritt die Ernüchterung ein. Das Hörhirn beginnt, sich wieder an die Eindrücke zu gewöhnen. Denn es wird ja wieder mit Reizen versorgt. In dieser Phase hört der Schwerhörige dann oft mehr, als er hören möchte. Hintergrundrauschen, Geschirrgeklapper, Gläserklingen, Uhrenticken, Vogelgezwitscher, das sind nur einige Beispiele für Geräusche, die er lange nicht mehr wahrgenommen hat. Durch das Hörgerät sind sie aber jetzt wieder präsent und können beim Sprachverstehen stören.
Anfängliche Begeisterung verfliegt sehr schnell
Das ist leider mit ein Grund dafür, dass viele Hörgeräte nach anfänglicher Begeisterung zu Schubladengeräten werden. Dabei ist es aber sehr wichtig, dass die Hörgeräte trotzdem getragen werden. Den ganzen Tag, auch wenn man alleine ist und nicht nur zu besonderen Anlässen. Das Hörhirn muss sich erst wieder an das wiedergewonnene Hören gewöhnen. Ein Prozess, der nicht in zwei, drei Wochen abgeschlossen ist.
Jeder Mensch ist immer und überall von Nutz- und Beigeräuschen umgeben. Um wichtige Informationen (und die wichtigste Information für den Homo Sapiens ist die Sprache), ist unser Gehirn in der Lage durch selektives Hören, unwichtige Nebengeräusche wegzublenden.
Sie kennen das: Wenn Sie zu jemandem zu Besuch kommen, der in der Nähe der Autobahn wohnt oder bei dem eine Straßenbahn am Haus vorbei fährt, und dann sagt: „Das hören wir schon gar nicht mehr.“
Das Hören muss erst wieder erlernt werden
Diese Fähigkeit hat aber das Gehirn des Schwerhörigen durch die Unterversorgung mit Hörreizen über eine lange Zeit abtrainiert bekommen. Und deshalb muss das Gehirn durch dauerndes Training diese Fähigkeit erst wiedererlernen. Dauerndes Training, das bedeutet, dass Sie Ihre Hörgeräte immer tragen, daheim und unterwegs und tagtäglich morgens vom Aufstehen bis abends wenn Sie zu Bett gehen.
Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Sie müssen die Hörgeräte so lange wie möglich und so regelmäßig wie möglich tragen!
Deshalb ist Ihnen Ihr Hörgerät lästig
Tun Sie das nicht, passiert Folgendes: Ihr Gehirn fällt jedes Mal, wenn Sie die Hörgeräte nicht tragen, in alte „taube“ Muster zurück. Jedes Mal, wenn Sie die Hörgeräte dann einsetzen, etwa weil Sie an einer gesellschaftlichen Veranstaltung teilnehmen, wird das Gehirn vollkommen überfordert, weil es mit viel zu vielen Reizen überflutet wird.
Es konnte noch kein selektives Hören wiedererlernen und Ihnen werden der Raumhall, Stör- und Nebengeräusche und Hintergrundstimmen das Hören zur Hölle machen. Sie wünschen sich dann, die Hörgeräte schnell wieder ablegen zu können.
Oft glauben die Menschen dann, das Hörgerät tauge nichts oder der Hörgeräteakustiker habe keine gute Arbeit geleistet. Manche glauben auch, dieses Phänomen sei typisch für Hörgeräte, und sie werden von Altersgenossen, die ebenso verkehrt denken, auch noch in dieser falschen Theorie bestätigt.
Dabei sind die Folgen fatal Inzwischen gehen Wissenschaftler berechtigt davon aus, dass das Nichtversorgen mit Hörgeräten bei Schwerhörigen Demenz fördern kann. Außerdem geraten die Schwerhörigen, die ihre Hörgeräte nicht tragen, in eine soziale Isolation. Sie merken das meist gar nicht, aber das Umfeld nimmt sehr schnell wahr, dass der Betroffene nicht gut hört.
Die Mitmenschen überlegen sich dann zweimal, ob sie das Wort überhaupt an ihn richten. Sie werden auch sparsamer mit Informationen, nach dem Motto: „Der versteht das ja sowieso nicht.“ Und obgleich es in dem Satz „Der versteht nicht“ nur um das Hören geht, ist der Schritt nicht weit, auch die kognitiven Fähigkeiten des Schwerhörigen in Frage zu stellen. Dann wird aus einem auf das Hören bezogene „versteht nicht“ ein auf das Begreifen bezogenes.
Der Betroffene ist mittendrin und steht doch abseits und isoliert da. Jemand, der schlecht hört, kann Informationen nicht so gut aufnehmen, wie jemand, der seine Schwerhörigkeit durch gute Hörgeräte ausgleicht. In Gesprächen bekommt er wichtige Informationen nicht mit. Er versteht zumindest partiell nicht, um was es geht. Beteiligt er sich dann am Gespräch, sagt er mitunter Dinge, die gerade schon gesagt wurden, oder er spricht über etwas ganz anderes, weil er die Kernaussage nicht gehört hat.
Es hilft nur eins: Hörgeräte immer tragen
Alles das kann auf recht einfache Weise vermieden werden. Nämlich indem Sie Ihre Hörgeräte immer und oft tragen. Schon nach wenigen Wochen, maximal 3 Monaten, hat Ihr Gehirn das selektive Hören wieder gelernt. Es wird Ihnen leichter fallen, Stör- und Nebengeräusche auszublenden, genauergesagt wird Ihr Gehirn das sogar automatisch für Sie tun.
Der Hörakustiker hilft
Dann ist es auch Zeit, wieder zum Hörgeräteakustiker zu gehen. Denn jetzt müssen die Hörgeräte nachgeregelt werden. Sie können so oft die Dienste Ihres Akustikers in Anspruch nehmen, wie Sie möchten. Dafür hat Ihre Krankenkasse einen ansehnlichen Betrag an ihn bezahlt.
Weitere Informationen für alle Betroffenen gibt es kostenlos rund um die Uhr auf der digitalen Beratungsplattform: hoergeraete-info.net/
Es ist falsch verstandene Bescheidenheit, den Akustiker zu schonen und nicht belästigen zu wollen. Genau das Gegenteil ist richtig! Notieren Sie sich auch Kleinigkeiten, die Ihr Hörerlebnis betreffen und teilen Sie das dann dem Hörgeräteakustiker mit. Durch aufmerksames Beobachten der eigenen Höreindrücke und durch regelmäßiges Tragen wird Ihr Hörgerät zu einer echten und wertvollen Hilfe, die Sie am Ende gar nicht mehr spüren.
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