(openPR) Vom 26. bis 27. Mai findet in Köln die deutsche Sacred Harp Convention 2018 statt. Erwartet werden Sängerinnen und Sänger aus Deutschland, Europa und Übersee. Gesungen wird in der großen Aula des Ursulinen-Gymnasiums im Kölner Kunibertsviertel. Infos zur Veranstaltung finden Sie unter: http://www.sacredharpgermany.de/convention-2018.html
Bei „Sacred Harp“ handelt es sich um alte Gesangstradition aus den USA, die aktuell ein weltweites Revival erlebt. Zur Liedersammlung von „Sacred Harp“ zählt unter anderem eine Ursprungsversion der weltbekannten Hymne „Amazing Grace“ (Original-Titel „New Britain“). Das Lied wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von John Newton geschrieben, der Kapitän eines Sklavenschiffs war, jedoch in seinem späteren Leben für die Bekämpfung der Sklaverei eintrat.
Die ursprünglich kirchliche „Sacred Harp“-Musik ermöglicht es dank eines vereinfachten Notensystems auch Ungeübten, die Freude am mehrstimmigen Singen zu erleben. Der archaische Klang von „Sacred Harp“ war sogar schon Hollywood-Blockbustern zu hören, etwa in Cold Mountain (Jude Law, Nicole Kidman), Lawless (Tom Hardy, Shia LaBeouf), Small Town Murder Songs (Lee Kim) und Gangs of New York (Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis).
„Sacred Harp“ ist ein rau klingender Vorläufer von amerikanischen Musikgattungen wie etwa dem Gospel und hat in den Südstaaten bis heute überlebt. Auch hierzulande singen mittlerweile Gruppen regelmäßig in Berlin, Bremen, Hamburg und Köln. Zum Repertoire zählen eindrucksvoll arrangierte Lieder und Hymnen mit ausdrucksstarken, religiösen Texten. Es gibt kein Publikum, keine Proben und keine weltanschaulichen Schranken. Im Mittelpunkt steht die emotionale Wucht dieser Musik, der man sich spätestens beim Anstimmen der Lieder kaum noch entziehen kann – auch deshalb, weil Sacred Harp auf überflüssige Feinheiten verzichtet, stattdessen wird so laut wie möglich gesungen.
Es gibt keinen klassischen Chorleiter. Die Singenden sind in vier Stimmen aufgeteilt und sitzen sich einander in einem Viereck gegenüber. Der Reihe nach wünschen sich die Sängerinnen und Sänger jeweils eines der knapp 600 Lieder aus dem Buch und leiten anschließend ihr ausgewähltes Stück.
Die Liedersammlung verwendet Shape Notes – ein System, das durch die Abbildung von Formen das Notenlesen erleichtert. Zur Festigung der Melodie wird die erste Strophe zunächst nur mit Tonsilben gesungen, danach geht's weiter mit Text. Dabei wird der Takt zur Orientierung für die Gruppe mit Armbewegungen geschlagen. So entsteht eine ganz eigene Atmosphäre.
„Mit Harfenmusik hat das alles übrigens nichts zu tun“, sagt Dominik Fraune, Vorsitzender der Kölner Gesangsgruppe. „Der Begriff ‚Heilige Harfe‘ ist vielmehr eine Metapher für die menschliche Stimme“.










