(openPR) Medizin und Gesundheit: Megathemen, die in der Zukunft einen noch höheren Stellenwert haben werden. Nie zuvor hat die Medizin so rasante Fortschritte gemacht wie heute. Bei Herzoperationen können Chirurgen darauf verzichten, den Brustkorb zu öffnen. Die Entfernung einer Niere verläuft künftig ohne Narben. Die schonenden Schlüsselloch-OPs überspringen Hürden, die noch vor wenigen Jahren als unüberwindlich galten. In der Krebsforschung und Krebsbehandlung und in vielen anderen Bereichen konnten wichtige Fortschritte erzielt werden.
In nur 100 Jahren haben wir – auch dank der Ergebnisse der Gesundheitsforschung und großer Fortschritte in der Gesundheitsversorgung – eine um 30 Jahre gestiegene Lebenserwartung gewonnen, Tendenz steigend. Trotz eines aktuell hohen medizinischen, technischen und pharmazeutischen Versorgungsniveaus in Deutschland besteht ein Grundproblem der Medizin aber auch heute noch darin, spezifische Behandlungsverfahren zu entwickeln, die bei jedem einzelnen Patienten optimal wirksam sind und so wenig Nebenwirkungen wie möglich hervorrufen.
In Abhängigkeit von genetischen Grundlagen, Geschlecht, Alter oder Mehrfacherkrankungen kann die Wirksamkeit eines Behandlungsverfahrens bis zur Unwirksamkeit abnehmen und/oder das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen deutlich zunehmen. Heute sprechen je nach Erkrankung nur 25 Prozent bis 70 Prozent der Patienten auf die verabreichten Medikamente an. Allein für die Behandlung unerwünschter Nebenwirkungen werden in Deutschland rund 2,5 Milliarden Euro jährlich ausgegeben.
Hier kann die Personalisierte bzw. Individualisierte Medizin künftig wichtige Fortschritte ermöglichen. Auch wenn die Forschung noch vor großen Herausforderungen steht, sind die Voraussetzungen für nachhaltige Erfolge auf dem Weg zu einer Individualisierten Medizin heute besser denn je: Mit der vollständigen Aufschlüsselung des menschlichen Genoms durch die rasante Entwicklung der Sequenziertechnologie und anderer Verfahren zur Analyse von Biomaterialien (zum Beispiel Blut, Zellen oder Tumorgewebe) sind die Grundlagen für ein besseres Verständnis der Entstehung von Krankheiten sowie deren Prävention, Diagnose und Behandlung geschaffen.
Durch bioinformatische Verarbeitung und systematische Betrachtung vorhandener Daten sind bereits wichtige Bausteine für eine Individualisierte Medizin entstanden. Dabei ist die Entwicklung von maßgeschneiderten Behandlungsansätzen in der Onkologie am weitesten fortgeschritten. Auch in der kardiovaskulären Medizin, der Neurologie, der Infektiologie und bei metabolischen Erkrankungen sind ähnliche Ansätze festzustellen.
Die Individualisierte Medizin besitzt das Potenzial, eine neue Qualität in die Versorgung der Patienten zu bringen. Krebs, Bluthochdruck oder Alzheimer werden in Zukunft durch molekulare Parameter genauer definierbar. Nicht eine Krankheit, sondern der erkrankte Mensch mit seinen individuellen Eigenschaften und Voraussetzungen bildet den Ausgangspunkt für medizinische Interventionen.
Für viele Patienten bietet bereits eine schnelle, zutreffende Diagnose eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur heutigen Situation: Die genaue Bestimmung und Klassifizierung einer Erkrankung kann mit langwierigen, belastenden Untersuchungen verbunden sein. Bestehende Diagnostika liefern nicht immer hinreichend eindeutige Ergebnisse. Dies bedeutet neben physischen und psychischen Belastungen auch einen Zeitverlust und damit ein Fortschreiten der Erkrankung bis zum Beginn einer geeigneten Therapie.
Im Anschluss an eine hochspezifische Diagnose aufgrund der Individualisierten Medizin können Patienten dann präzise entsprechend ihrer molekularen Signatur und weiterer Einflussfaktoren behandelt werden. Für die medizinische Versorgung ergeben sich durch die Personalisierte oder Individualisierte Medizin künftig viele konkrete Vorteile:
? Gezielte Vorbeugung von Krankheiten
Immer mehr Risikofaktoren können präzise für jeden Einzelnen bestimmt werden. Das Ziel ist, auf Basis dieser Informationen durch geeignete Maßnahmen dem Ausbruch von Erkrankungen vorzubeugen beziehungsweise diesen zeitlich zu verzögern oder abzumildern. So könnten im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen die individuellen Parameter erfasst und für jeden Einzelnen ein „Präventionsmodell“ entwickelt werden. Mithilfe dieses Modells würden Vorschläge zur Vermeidung von Krankheiten simuliert und dann geeignete Maßnahmen empfohlen.
? Frühzeitige Erkennung und Behandlung von Krankheiten
Die Früherkennung kann durch eine auf individuelle Faktoren ausgerichtete Diagnostik deutlich verbessert werden. Sie schließt neben neu zu entwickelnden Biomarkern auch etablierte Methoden wie die Bildgebung und weitere diagnostische Verfahren ein. Durch eine eindeutige Zuordnung von ersten Krankheitsanzeichen soll eine frühzeitige Bestimmung einer Erkrankung und damit eine passgenaue Intervention möglichst zu Beginn oder sogar noch vor Ausbruch der Krankheit erreicht werden. Der Patient erhält – bereits bevor er eindeutige Symptome verspürt – eine gezielte Behandlung. Das Krankheitsleid wird gemindert und eine Heilung wird wahrscheinlicher.
? Präzisere Diagnosen und wirksamere Therapien
Die engere Verzahnung von Diagnostik und Therapie – auch Theragnostik genannt – ermöglicht einerseits die Entscheidung über den Einsatz einer bestimmten Therapie sowie andererseits eine Überwachung der Dosierung und Wirkung von Heilverfahren im Rahmen der Therapiebegleitung. Muss der Arzt heute oft noch über „Versuch und Irrtum“ die für den Patienten geeignete Behandlung erproben, kann er zukünftig mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit eine wirksame Therapie verordnen. Dem Patienten bleiben unwirksame Behandlungen und unerwünschte Nebenwirkungen erspart.
? Entwicklung neuer Therapieverfahren und Therapieprodukte
Für viele Erkrankungen stehen heute noch keine ursächlich wirkenden Behandlungsverfahren zur Verfügung. Neu entwickelte Arzneimittel und Heilverfahren könnten von der Frühversorgung bis zur Nachsorge einer Erkrankung patientenspezifischer eingesetzt werden. Als erster Schritt könnten bereits etablierte Verfahren auf ihre Wirksamkeit getestet werden, bevor das Medikament überhaupt verabreicht wird. Das Ziel ist eine deutlich verbesserte Wirkung von Behandlungsverfahren und Arzneimitteln bei Minimierung der Nebenwirkungen – insbesondere bei multimorbiden Patienten.
Alles in Allem: Die Personalisierte beziehungsweise Individualisierte Medizin eröffnet für die Zukunft große Chancen für unsere Gesundheit. Nur darf der enorme Forschungsaufwand nicht unterschätzt werden, der notwendig ist, bis all diese Ziele erreicht werden können. Bis zur Routineanwendung müssen noch komplexe Fragen zu Wirksamkeit, Nutzen, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Normung und Standardisierung durch entsprechende Studien beantwortet werden. Auch muss das Potenzial an Chancen und Risiken im Bereich der Individualisierten Medizin im Hinblick auf Patientenautonomie, Nichtdiskriminierung und Verteilungsgerechtigkeit untersucht werden.
Trotz dieser vielfältigen Herausforderungen: Die Personalisierte Medizin ist auf dem Vormarsch. Sie bietet viele Chancen für uns alle. Nutzen wir sie!













