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Alexander Dietmar Wietschel schrieb am 04.07.2008 um 20:47
Verband der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg
Der Pressesprecher
Dr. Detlef Hardorp

Freitag, 4. Juli 2008

Offener Brief an den Verband der Waldorfschulen Berlin-Brandenburg

KJHE Alte Ziegelei Rädel e.V. - Aktuelle Presseberichte und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Vorwürfen der Misshandlung von Schutzbefohlenen u.A.

Sehr geehrter Herr Dr. Hardorp,

mit großer Verwunderung habe ich die Presseerklärung, die von Ihnen - im Namen des Verbandes der Waldorfschulen Berlin-Brandenburg - herausgegeben wurde zur Kenntnis genommen.

Ich bin sehr erstaunt, dass Sie - ohne uns zu kennen - Aussagen über den intellektuellen, sozialen und gesellschaftlichen Stand und Status treffen, die zudem in der Wahl und Zusammenstellung der Worte genau dem entgegenstehen, wofür Waldorf in der Erziehung und Bildung der Kinder und Jugendlichen steht.

Mir ist zudem zu Ohren gekommen, dass Sie zusätzlich zu Ihren Presseberichten uns und unsere Kinder - die mutmaßlich Opfer der in dem Klartext Beitrag vom 02.07.08 beschriebenen Vorgänge waren - pauschal gegenüber Dritten als „problematisch“ und „am Rande der Gesellschaft befindlich“ bezeichneten. Zudem weist Ihre Entgleisung - nachdem wir Eltern „Alkoholiker“ und „Prostituierte“ seien - auf wenig Herzensbildung und mangelnde bzw. nicht vorhandenen Detailkenntnis hin.

Mir ist äußerst Unklar, wie Sie zu der hier bestehenden komplexen Thematik und als Pressesprecher des Verbandes der Waldorfschulen Berlin-Brandenburg derart entsetzliche - und auf uns nicht zutreffende - Tatsachenbehauptungen aufstellen können ?

Ich darf Sie höflichst darauf hinweisen, das mein Sohn bereits seit der 2-ten Klasse und somit mehr als 5 Jahre eine Waldorfschule besuchte und wir - sehr bewusst - die Wahl zur Beschulung in einer Anthroposophischen Einrichtung getroffen haben. Ich denke der einleitende Satz in der Sendung Klartext spricht für sich und wirft ein sehr seltsames Licht auf die von Ihnen beschriebene Eigenwahrnehmung !

In der KJHE „Alte Ziegelei Rädel e.V.“ wurden Kinder aufgenommen, die überwiegend nach dem § 35a Jugendhilfegesetz ( d.h. von seelischer Behinderung bedroht oder betroffen ) betreut werden müssen. Die Argumentation, nach der diese Kinder durch Gewaltanwendung genesen sollen, finde ich höchstgradig problematisch!

Ich glaube nicht, dass Sie ein Feuer mit Benzin löschen würden, weil Sie wissen dass das Folgen haben wird !

Ich fordere Sie daher auf, verbindlich uns gegenüber schriftlich zu erklären, dass Sie auf ehrabschneidende, beleidigende, rufschädigende und anmaßende Äußerungen und Aussagen im Zusammenhang mit den Vorwürfen und Vorgängen in der KJHE „Alte Ziegelei Rädel e.V.“ verzichten und solche Äußerungen ab sofort unterlassen werden !

Im Zusammenhang mit den erhobenen Vorwürfen, kann ich selbstverständlich und mit dem Verweis auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Potsdam keine Aussagen treffen, möchte Ihnen aber an die Hand geben, dass es verfehlt sein könnte sich zu diesem Thema auf die Seite der mutmaßlichen Täter in Rädel zu schlagen, die sicher mit den Zielen und dem Geist der Waldorfpädagogik nicht das Geringste gemein haben ! ! !

Das sollten Sie der fairnishalber und den Respekt gegenüber der Wahrheitssuche ebenfalls Ihren Verbandsmitgliedern und der Gemeinde der Waldorfanhänger und Anthroposophen erklären.

Ich gehe davon aus, dass Ihr „Hinzueilen“ zu der hier beschuldigten Einrichtung ( die im übrigen eine besonders flache Organisationsstruktur betreibt ! - d.h. In Personalunion werden die verantwortungsvollen Posten und Positionen durch nur etwa nur 4 eng verbundene Personen besetzt ! ) dem Wohl und dem Schutz der Waldorfeinrichtungen und –Institutionen vor Rufschädigung und Schaden dienen sollte !

Vielmehr führt Ihre anscheinend gut gemeinte „Verteidigung“ wohlmöglich zu dem genauen Gegenteil, da auch ich als betroffenes Elternteil Ihren Schutz und Ihr Engagement benötigt hätte !

Ich habe zudem große Sorge, dass in der Folge der Wahrheitsfindung - im Zuge der staatsanwaltlichen Ermittlungen - das Ansehen und der Leumund der Waldorfschulen- und Institutionen durch Ihr voreiliges, unbesonnenes und stark parteiisches Eingreifen erheblich geschädigt werden könnte und die aufopferungsvolle und wichtige Arbeit unzähliger Lehrer, Erzieher sowie Unterstützer und Förderer der Waldorflehre beschmutzt !

Sie sollten sich daher fragen, ob Sie alles für die Aufklärung der erhobenen Vorwürfe, zur Vermittlung der streitenden Parteien und zum Schutz des von Ihnen vertretenden Verbandes getan haben oder ob Sie sich hier unter Umständen Vorwürfe gefallen lassen müssen ?!

Ich darf an dieser Stelle anmerken, dass Ihre Erklärung ausgesprochen wenig Feingefühl für die mutmaßliche Geschädigten dieser Vorgänge erkennen lässt und eine große Portion Unkenntnis über die psychischen Verhaltensweisen von mutmaßlich traumatisierten Kindern und Jugendlichen in Ihren Äußerungen und Aussagen mitschwingt !

Im Übrigen treffen Sie in Ihrer Presserklärung missverständliche Aussagen über den Erfolg oder das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen !

Es kann gut sein, dass - so Sie wörtlich:“ .. nach Vernehmung einer Buchhalterin und weiterer Zeugen …die Ermittlungen gegen Untreue bereits von der Staatsanwaltschaft nächste Woche eingestellt werde …“, es kann aber auch sein, das die Ermittlungen ( nach Sichtung von ca. 160 beschlagnahmten Aktenordnern ) Ergebnisse zeitigen, die dem genauen Gegenteil hiervon entsprechen !

Ich bin - alles in allem - sehr betroffen von der aktuellen Situation und Ihrem Auftreten als Pressesprecher und Vertreter des Verbandes der Waldorfschulen Berlin-Bandenburg und wünsche mir, dass Ihre Mitglieder hierzu deutliche Worte finden und der Wahrheit und Würde zum Durchbruch verhelfen, damit klargestellt wird , dass die mutmaßlichen Vorgänge in Rädel die Taten einiger Einzelner sind und nichts mit Gedankengut von Waldorf zu tun haben !

Mit freundlichen Grüßen
Alexander D. Wietschel

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