(openPR) Kamerateam des Hessischen Rundfunks dreht in der Brohltalklinik St. Josef – Fernsehsendung wird am Sonntag um 18:00 Uhr im HR-Fernsehen aus-gestrahlt
Burgbrohl. „Gibt es eine Rationierung von medizinischen Leistungen und wenn ja, was sind die Kriterien anhand deren entschieden wird, welcher Patient welches Medikament oder welche Behandlung erhält?“ Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, interviewte Yvonne Menne gestern Dr. Heinz L. Unger, den Chefarzt der Fachklinik für Geriatrische Rehabilitation in Burgbrohl. Die Fernsehjournalistin drehte einen Beitrag für das TV Landesmagazin Defacto, der am kommenden Sonntagabend um 18:00 Uhr im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt wird. Bei der Recherche für das Thema Rationierung und Priorisierung im Gesundheitswesen ist Yvonne Menne immer wieder auf Dr. Unger gestoßen, der sich als Neurologe, Psychiater und Geriater deutlich für eine bedarfsgerechte Behandlung der Patienten einsetzt. „Wir müssen im Einzelfall entscheiden, was ein Patient braucht, und was ihm hilft“, betont er. Es sei aber schon lange nicht mehr der Fall, dass ein Patient wirklich das bekommt, was er benötigt.
Dr. Unger nimmt wahr, dass rationiert wird, vor allem auch bei alten Menschen. Beispiele für diese Praxis beobachtet er regelmäßig bei seinen Patienten. Offizielle Untersuchungen belegen, dass von 100 Patienten, die im Krankenhaus ein teures, aber notwendiges Medikament zur Behandlung von Osteoporose (Knochenerweichung) erhalten, dieses nach einem Jahr nur noch 25 verschrieben wird. Aus Kostengründen, das heißt, um ihre Budgets zu schonen, würden diese Arzneimittel von vielen Hausärzten nicht weiter verordnet. Ähnliches sei bei kostspieligen, aber wirksamen Medikamenten zur Behandlung von Demenz zu beobachten. Und nach aktueller Studienlage sind 80 Prozent der älteren Menschen mit Schmerzmitteln unterversorgt.
Auch medizinisch notwendige geriatrische Rehabilitationsmaßnahmen würden in großem Umfang von den Krankenkassen abgelehnt oder Patienten gegen ihren Willen in Kliniken verlegt, die keine altersmedi-zinische Erfahrung und Ausstattung haben, und das, obwohl es einen ge-setzlichen Anspruch auf eine spezielle geriatrische Rehabilitation für ältere Patienten gibt. „Die Kassen rechnen einfach damit, dass sich ältere Menschen gegen dieses Entscheidungen nicht wehren“, so Unger.
„Wir haben schon längst eine Drei-Klassen-Medizin“, ist er überzeugt. Auch wenn es offiziell heißt: Alle bekommen alles, so sei zu beobachten, dass Privatpatienten, Kassenpatienten und alte Menschen unterschiedlich behandelt würden. „Wir haben eine heimliche Rationierung“, sagt Dr. Un-ger. „Und diese Art der Leistungsbeschränkung ist zweifelsohne die unso-zialste und ungerechteste und belastet die Arzt-Patienten-Beziehung, weil die Patienten nicht mehr darauf vertrauen, dass der Arzt wirklich alles Not-wendige für sie tut.“
Kriterium für die Rationierung sei immer wieder auch das Alter eines Patienten und das sei zutiefst unethisch und widerspreche dem Grundsatz der Gleichheit. Zudem seien sich die Experten einig, dass Rationie-rungsmaßnahmen in der Altersmedizin keine Kosten sparen werden. Nur 1,5 Prozent des jährlichen Ausgabenzuwachses sei auf die alternde Gesellschaft zurückzuführen. Der medizinische Fortschritt und die Technisierung der Medizin sei vor allem dafür verantwortlich, dass die Kosten in die Höhe getrieben werden, ist Unger überzeugt und plädiert für einen Rückbau der von der Industrie gesteuerten Apparatemedizin, um der alternden Gesellschaft auch in Zukunft die Ressource Menschlichkeit zur Verfügung stellen zu können.
Es sei ein ehrlicher Dialog in der Öffentlichkeit darüber notwendig, welche Medizin sich die Gesellschaft noch leisten kann, wenn die Mittel begrenzt sind. „Wir müssen offen diskutieren, wie wir so sparen können, dass wir den Patienten am wenigsten damit schaden“, beantwortete Dr. Unger Yvonne Mennes Frage nach dem, was in Zukunft sinnvoll und notwendig ist.














