openPR Recherche & Suche
Presseinformation

„Wir haben schon längst eine Drei-Klassen-Medizin“

09.04.201008:53 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Kamerateam des Hessischen Rundfunks dreht in der Brohltalklinik St. Josef – Fernsehsendung wird am Sonntag um 18:00 Uhr im HR-Fernsehen aus-gestrahlt

Burgbrohl. „Gibt es eine Rationierung von medizinischen Leistungen und wenn ja, was sind die Kriterien anhand deren entschieden wird, welcher Patient welches Medikament oder welche Behandlung erhält?“ Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, interviewte Yvonne Menne gestern Dr. Heinz L. Unger, den Chefarzt der Fachklinik für Geriatrische Rehabilitation in Burgbrohl. Die Fernsehjournalistin drehte einen Beitrag für das TV Landesmagazin Defacto, der am kommenden Sonntagabend um 18:00 Uhr im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt wird. Bei der Recherche für das Thema Rationierung und Priorisierung im Gesundheitswesen ist Yvonne Menne immer wieder auf Dr. Unger gestoßen, der sich als Neurologe, Psychiater und Geriater deutlich für eine bedarfsgerechte Behandlung der Patienten einsetzt. „Wir müssen im Einzelfall entscheiden, was ein Patient braucht, und was ihm hilft“, betont er. Es sei aber schon lange nicht mehr der Fall, dass ein Patient wirklich das bekommt, was er benötigt.



Dr. Unger nimmt wahr, dass rationiert wird, vor allem auch bei alten Menschen. Beispiele für diese Praxis beobachtet er regelmäßig bei seinen Patienten. Offizielle Untersuchungen belegen, dass von 100 Patienten, die im Krankenhaus ein teures, aber notwendiges Medikament zur Behandlung von Osteoporose (Knochenerweichung) erhalten, dieses nach einem Jahr nur noch 25 verschrieben wird. Aus Kostengründen, das heißt, um ihre Budgets zu schonen, würden diese Arzneimittel von vielen Hausärzten nicht weiter verordnet. Ähnliches sei bei kostspieligen, aber wirksamen Medikamenten zur Behandlung von Demenz zu beobachten. Und nach aktueller Studienlage sind 80 Prozent der älteren Menschen mit Schmerzmitteln unterversorgt.

Auch medizinisch notwendige geriatrische Rehabilitationsmaßnahmen würden in großem Umfang von den Krankenkassen abgelehnt oder Patienten gegen ihren Willen in Kliniken verlegt, die keine altersmedi-zinische Erfahrung und Ausstattung haben, und das, obwohl es einen ge-setzlichen Anspruch auf eine spezielle geriatrische Rehabilitation für ältere Patienten gibt. „Die Kassen rechnen einfach damit, dass sich ältere Menschen gegen dieses Entscheidungen nicht wehren“, so Unger.

„Wir haben schon längst eine Drei-Klassen-Medizin“, ist er überzeugt. Auch wenn es offiziell heißt: Alle bekommen alles, so sei zu beobachten, dass Privatpatienten, Kassenpatienten und alte Menschen unterschiedlich behandelt würden. „Wir haben eine heimliche Rationierung“, sagt Dr. Un-ger. „Und diese Art der Leistungsbeschränkung ist zweifelsohne die unso-zialste und ungerechteste und belastet die Arzt-Patienten-Beziehung, weil die Patienten nicht mehr darauf vertrauen, dass der Arzt wirklich alles Not-wendige für sie tut.“

Kriterium für die Rationierung sei immer wieder auch das Alter eines Patienten und das sei zutiefst unethisch und widerspreche dem Grundsatz der Gleichheit. Zudem seien sich die Experten einig, dass Rationie-rungsmaßnahmen in der Altersmedizin keine Kosten sparen werden. Nur 1,5 Prozent des jährlichen Ausgabenzuwachses sei auf die alternde Gesellschaft zurückzuführen. Der medizinische Fortschritt und die Technisierung der Medizin sei vor allem dafür verantwortlich, dass die Kosten in die Höhe getrieben werden, ist Unger überzeugt und plädiert für einen Rückbau der von der Industrie gesteuerten Apparatemedizin, um der alternden Gesellschaft auch in Zukunft die Ressource Menschlichkeit zur Verfügung stellen zu können.

Es sei ein ehrlicher Dialog in der Öffentlichkeit darüber notwendig, welche Medizin sich die Gesellschaft noch leisten kann, wenn die Mittel begrenzt sind. „Wir müssen offen diskutieren, wie wir so sparen können, dass wir den Patienten am wenigsten damit schaden“, beantwortete Dr. Unger Yvonne Mennes Frage nach dem, was in Zukunft sinnvoll und notwendig ist.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 416334
 1855

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „„Wir haben schon längst eine Drei-Klassen-Medizin““ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Geriatrisches Zentrum im Kreis Ahrweiler

Bild: Wenn die Verbindung zwischen den einzelnen Gedächtnisschubladen gestört ist
Wenn die Verbindung zwischen den einzelnen Gedächtnisschubladen gestört ist
In der Gedächtnisambulanz der Brohltal-Klinik St. Josef kann eine Demenzerkrankung schon im Frühstadium diagnostiziert werden - Medikamente stabilisieren die Patienten und verzögern den Krankheitsverlauf Burgbrohl (as). "Ich wollte eigentlich nicht kommen", stellt Margarethe Busch (Name geändert) zu Beginn ihres Gesprächs mit Dr. Heinz L. Unger, dem Chefarzt der Brohltal-Klinik St. Josef Burgbrohl fest. "Meine Tochter und meine Schwiegertochter haben den Termin in der Gedächtnisambulanz für mich vereinbart". Sicher vergesse sie manchmal etwa…
Bild: Der ältere Mensch wird Opfer der Sparinteressen der Krankenkassen
Der ältere Mensch wird Opfer der Sparinteressen der Krankenkassen
Krankenkassen kommen dem gesetzlichen Grundsatz „Reha vor Pflege“ immer noch nicht genügend nach Die Rehabilitation ist für die Krankenkassen immer noch „das fünfte Rad am Wagen“. Zwar gibt es einen klaren gesetzlichen Auftrag, aber es fehlen die richtigen Anreize. Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich: Nur 1,5 Prozent der Gesamt-ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entfallen auf Vorsorge und Rehabilitation. Verbände und Einrichtungen in dem Bereich haben den Kassen in der Vergangenheit außerdem immer wieder eine restrik…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Gymnasiasten geben Hepatitis B keine ChanceBild: Gymnasiasten geben Hepatitis B keine Chance
Gymnasiasten geben Hepatitis B keine Chance
Kassel, 12.12.2006. Am morgigen Mittwoch, den 13. Dezember um 14:00 Uhr informiert Dr. med. Ralf Bade die Schüler der neunten und zehnten Klassen des Kasseler Wilhelmsgymnasiums über die Gefahren von Hepatitis B Erkrankungen. Als Initiator eines Impfwettbewerbs bemängelt der Mediziner eine Impflücke bei Schülern im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Gemeinsam wollen Arzt und Schule jetzt den Impfschutz der Jugendlichen vor einer Hepatitis B Erkrankung verbessern. Kaum den Kinderkrankheiten entwachsen, droht Jugendlichen Gefahr durch eine Hepat…
Bild: GfK-Umfrage: Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland?
GfK-Umfrage: Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland?
Professoren für BWL-Gesundheitsmanagement über Entwicklungen im Gesundheitssystem Welche Einschätzungen und Erwartungen haben die Bürger in der nahen Zukunft zum Gesundheitssystem? Das war Gegenstand einer repräsentativen GfK-Umfrage des Studiengangs BWL-Gesundheitsmanagement der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach. Die Ergebnisse nutzen die Professoren für ihre Lehre, um den dualen Studierenden die Herausforderungen des Berufsalltags in der Gesundheitsbranche vor Augen zu führen. Das prägnanteste Ergebnis der Befragung: 67 …
Bild: Der Gang nach BerlinBild: Der Gang nach Berlin
Der Gang nach Berlin
Der Gang nach Berlin zum „Tag der offenen Tür“ im August hat sich gelohnt. Der Bundesvorsitzende der Rentnerinnen und Rentner Partei Uwe Gäthje hatte damals über 10.000 Unterschriften, die bundesweit für die Aktion gegen Krankenkassenzusatzbeiträge gesammelt wurden, dem Gesundheitsminister Dr. Rösler persönlich übergeben. Viele Kreis- und Ortsverbände in den einzelnen Bundesländern, die emsig mithalfen und Aktionen auf den Straßen initiierten, haben sich den Sorgen und Nöten der Bürger angenommen, die wütend über die politischen Entscheidunge…
Bild: audio:link mit neuem Podcast der BIG Direkt zum Thema Zwei-Klassen-Medizin
audio:link mit neuem Podcast der BIG Direkt zum Thema Zwei-Klassen-Medizin
Der aktuelle Podcast der Direktkrankenkasse (Ausgabe Mai 2008) enthält das Schwerpunktthema „Zwei-Klassen-Medizin“. Überfüllte Wartezimmer, keine freien Termine und unfreundliches Personal. Die Symptome sind bekannt, die Krankheit hat einen Namen: „Zwei-Klassen-Medizin“. Denn wer privat krankenversichert ist, der hat es in der Arzt-Praxis und im Krankenhaus oft besser als ein Kassenpatient. Für Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt gibt es aber nur einen „Zwei-Klassen-Service“. Das heißt, dass Kassenpatienten schon mal länger auf Termine b…
Antibiotika
Antibiotika
Preetz. René Gräber, Gesundheitspädagoge und Heilpraktiker, informiert auf seiner Webseite www.naturheilt.com über wichtige Aspekte der Medizin. Ein neuer Informationstext Gräbers behandelt das Thema "Antibiotika". Das erste Antibiotikum, das in der Medizin eingesetzt wurde, war das Penicillin. Penicillin und die zahlreichen anderen Antibiotika, die in den vergangenen sechs Jahrzehnten entwickelt wurden, wirken gegen Bakterien und gegen Pilze. Sie wirken jedoch nicht gegen Viren, daher ist der Einsatz von Antibiotika bei einer Viren-Infektio…
Bild: Theaterprojekt „Integration junger Migranten durch Theaterspielen“ mit Aufführung erfolgreich beendet
Theaterprojekt „Integration junger Migranten durch Theaterspielen“ mit Aufführung erfolgreich beendet
Am 16. Dezember war es endlich soweit. Das Projekt, das im April mit drei ersten Klassen der Grundschule in der Grafinger Str. in München begann, endete an diesem Tag mit drei aufgeführten Stücken der (inzwischen) zweiten Klassen der Schule. Der Verein TheaterSpielKunst rief das Projekt mit dem Ziel ins Leben, Migrantenkindern mittels theaterpädagogische Methoden zu helfen, sich in der deutschen Sprache zu verbessern, sowie ihre sozialen, kommunikativen und kognitiven Kompetenzen zu fördern. Während im ersten Halbjahr Gruppen- und Partnerübun…
Bild: Pressekonferenz: "Innovationsfeindlichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung?"Bild: Pressekonferenz: "Innovationsfeindlichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung?"
Pressekonferenz: "Innovationsfeindlichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung?"
Der Bundesverband Deutscher Pathologen lädt ein zur Pressekonferenz am 04.09.2013, 11.00 Uhr, Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 4, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin Es ist eine Grundsatzfrage, die den Bewertungsausschuss von Krankenkassen und Ärzten künftig beschäftigen wird. Wie ist mit der neuen molekularen Medizin umzugehen? Ein interner Streit über die Abrechnungsfähigkeit der Genexpressionsanalyse führt zu einer „Präzisierung“ im EBM und de facto zu Leistungsausschlüssen für gesetzlich versicherte Brustkrebspatienti…
Treffen der Gesundheitspolitiker von FDP, SPD, CDU und CSU in München
Treffen der Gesundheitspolitiker von FDP, SPD, CDU und CSU in München
Fünf Monate vor der Bundestagswahl treffen die gesundheitspolitischen Sprecher von FDP, SPD und CDU/CSU aufeinander. Bereichert wird die Runde noch durch den Patientenbeauftragten der Bundesregierung. Heinz Lanfermann, Karl Lauterbach, Jens Spahn und Wolfgang Zöller setzen sich am Samstag, den 27.04.2013 beim BGF - Das Gesundheits-Forum in München mit den Knackpunkten des Gesundheitsmarktes auseinander. Dabei stellen sie sich auch der Diskussion mit dem Fachpublikum aus Medizin, Pflege und Gesundheitswirtschaft. Die Einstellung der Parteienve…
Widerstand gegen das Vorkasse-Modell
Widerstand gegen das Vorkasse-Modell
… gesetzlichen Krankenversicherung stößt bei vielen Seiten auf Ablehnung. Der Koalitionspartner CSU distanzierte sich bereits von den Reformplänen, die Opposition warnt vor einer Drei-Klassen-Medizin, und auch die Kassen zeigen keine positiven Reaktionen. Laut den Kassenvorständen würde Patienten bei einer solchen Änderung die Kostenfalle drohen. Das Versicherungsportal …
Bild: Kasse, Zusatz- oder private Krankenversicherung – Vergleich lohntBild: Kasse, Zusatz- oder private Krankenversicherung – Vergleich lohnt
Kasse, Zusatz- oder private Krankenversicherung – Vergleich lohnt
Der Wechsel der Krankenversicherung hat Saison. Noch bis Jahresende werben Versicherungsgesellschaften mit günstigen Tarifen und hohen Leistungen. Doch sollte man die vermeintlichen Top-Angebote kritisch prüfen. Leistung der Gesetzlichen Rund drei Viertel der Deutschen sind gesetzlich versichert. Seit die Krankenkassenbeiträge vereinheitlicht wurden, begann der Wettbewerb um mehr Leistung und interessante Wahltarife. Dennoch bietet die gesetzliche Krankenversicherung nur eine medizinische Grundversorgung. So liebäugelt der ein oder andere g…
Sie lesen gerade: „Wir haben schon längst eine Drei-Klassen-Medizin“