(openPR) 23. 4. 2009 – Medienstelle Anthroposophie
In der Filderklinik in Filderstadt-Bonlanden bei Stuttgart fand Anfang März ein Expertentreffen der erst kürzlich ins Vereinsregister eingetragenen Deutschen Gesellschaft für Anthroposophische Psychotherapie (DtGAP e.V) statt. Die Ärztin Dr. Michaele Quetz umriss dabei die gegenwärtige Situation der anthroposophisch tätigen Psychotherapeuten. In Bezug auf die Weiterqualifizierung im Bereich der anthroposophisch orientierten Psychotherapie gestalte sich die Anerkennung der Fortbildung für die Psychologen schwieriger als für Ärzte. Die Niederländer Dr. Ad Deckers und Henriette Deckers-Appel ergänzten die Ausführungen mit einem Bericht über die internationalen Aktivitäten auf diesem Feld. Demnach begann in Holland seit dem Wirken von Bernard Lievegoed in den siebziger Jahren eine Systematisierung der Weiterbildung. Im Gespräch mit den zu diesem Expertentreffen eingeladenen Psychotherapeuten wurde deutlich, dass die geplante Gründung einer Akademie für anthroposophische Medizin auch den Rahmen für einen eigenen Ausbildungsgang für Psychotherapie bilden könne.
Unter Moderation von Dr. Johannes Reiner, Vorstandsmitglied der DtGAP e.V., äußerten sich insgesamt elf Experten zu der Frage, was die anthroposophische Ausrichtung in der Psychotherapie eigentlich ausmache. So sprach etwa Christian Ziller (Salzburg) über die Anwendung der Eurythmie in der Behandlung von seelischen Verletzungen oder Dr. Hartmut Horn (Aichtal) über Anthroposophische Psychotherapie vom Säugling bis zum Erwachsenenalter. Er ging unter anderem auf die fehlende psychotherapeutische Aus- und Weiterbildung von Lehrern, auch Waldorflehrern ein. Als Frage stellte er in den Raum, wie sich der therapeutische Blick auf das Schicksal der Kinder heranbilden könne.
Dr. Johannes Reiner (Stuttgart) widmete sich in seinem Beitrag insbesondere der Schizophrenie und dem Krankheitsverständnis. Cesar Flick (Büron, Schweiz) schloss an mit Überlegungen zu anthroposophischen Ansätzen in der Gruppenpsychotherapie – auch bei diagnostizierter Schizophrenie. Deutlich wurde dabei auch die Problematik der heute üblichen Diagnostik.
In den Diskussionsrunden zwischen den einzelnen Beiträgen gelang eine praxisnahe Vertiefung der angesprochenen Problemfelder.
Isa Fromberg (Hamburg) sprach über religiöse Aspekte und verwies auf einen notwendigen Entwicklungsweg der Therapeuten. Dr. Michaele Quetz (Berlin) ging es in ihrem Beitrag auch um die Nachvollziehbarkeit einer leiblichen, seelischen und geistigen Entwicklung im Lebenslauf. Wann sprechen wir von Entwicklungsstörungen, und wie können wir diesen therapeutisch begegnen?
Achim Noschka (Mainz) stellte die Frage, was eine spirituelle anthroposophische Psychotherapie zu leisten habe, die das menschliche Leiden als Weg ansehe? Wie gerät der Mensch in die Krankheit und was können wir als Therapeuten daraus lernen? Bei jedem Entwicklungsgang, in jedem Straucheln dürfe die individuelle Suche des Menschen nach Identität und Erkenntnis nie aus dem Auge verloren werden.
Dr. Harald Haas (Bern) warnte vor einer Therapieverarmung, die in der Schweiz bereits deutlich zu bemerken sei. Dabei gehe es auch um eine Salutogeneseforschung in der anthroposophischen Psychotherapie. Ellen Keller (Saarbrücken) stellte den Zukunftsaspekt im Werdeprozess des Menschen heraus. Wann merkt der Mensch auf, wie findet er zu seinem Bewusst-Sein, dem Hier und Jetzt im Zusammentreffen seines bisherigen Entwicklungsganges und dem Strom aus der Zukunft? Dr. Ulrike Voltmer (Saarbrücken) verwies auf die kosmische Verankerung des Menschen, auf die Kraft des antreibenden unbewussten Willens, die menschliche Lebensmotivation. Die Einbeziehung individueller Kosmogramme könne helfen, hier anzusetzen und an die Bedeutung von Krankheit und Leid heranzukommen sowie Wege zur Transformation schmerzhafter Prozesse zu finden.
Abschließend waren sich die Experten und Expertinnen einig, wie entscheidend der innere Weg der Therapierenden für das Gelingen einer Therapie und versuchten Hilfestellung sei. Zudem berichteten immer mehr Menschen von eigenen außergewöhnlichen Erlebnissen. Sie suchten nach Einordnung ihrer Krisen im Leben. Das erfordere Therapeuten, die bereit seien, sich mit entsprechenden Erfahrungen auseinanderzusetzen und sich den Anfechtungen des Lebens zu stellen.
Kontakt:
Dr. Ulrike Voltmer
Metzer Str. 65
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Tel.: 0681-55020
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