(openPR) Ein Leben mit Parkinson erfordert Geduld und Mut. Der Abbau von Stress dient der Kontrolle von Symptomen
Wolfach, 10. April 2008 - Vom Parkinson-Pflaster über tiefe Hirnstimulation bis hin zur Zelltransplantation: Die Fortschritte in der Parkinson-Therapie der letzten zehn Jahre sind beachtlich. Zum Erhalt der Lebensqualität reicht es jedoch nicht, nur die motorischen Symptome zu lindern. Studien zufolge beeinträchtigen nicht-motorische Symptome wie Depressionen, kognitive Störungen und psychosoziale Faktoren die Lebensqualität der Patienten stärker als bislang angenommen. „Lebensqualität schaffen und erhalten“ lautet daher das Motto der deutschen Parkinson-Vereinigung Baden-Württemberg und der Parkinson-Klinik Wolfach für den diesjährigen Welt-Parkinson-Tag am 11. April.
Heilbar ist das Parkinson-Syndrom nach wie vor nicht. Die Patienten sind ihr Leben lang auf Medikamente und Physiotherapie angewiesen. Doch die Diagnostik ist sicherer und die Therapie effizienter geworden wie bei kaum einer anderen neurologischen Erkrankung. „Vielversprechend sind insbesondere Hinweise auf krankheitsmodifizierende, möglicherweise sogar neuroprotektive Effekte einzelner Wirkstoffe, die einem Fortschreiten der Krankheit entgegenwirken könnten“, sagt Dr. Gerd Fuchs, ärztlicher Leiter der Parkinson-Klinik Wolfach.
Mit Hilfe neuer Medikamente und Applikationsformen, wie dem Parkinson-Pflaster oder der Duodopa-Sonde, lassen sich Schwankungen der Beweglichkeit und Nebenwirkungen reduzieren. Sichtbar bleibt die Krankheit meist dennoch – im Gangbild, in der Mimik, in dem immer kleiner werdenden Aktionsradius der Patienten.
„Parkinson-Kranke leiden sehr unter dem Gefühl, die Kontrolle über ihren Körper und ihre Alltagskompetenz zu verlieren. Umso wichtiger ist es, dass sie frühzeitig lernen ihre individuellen Möglichkeiten auszuschöpfen, Prioritäten zu setzen, Arbeiten zu delegieren und Hobbys zu pflegen. Ein sozialer Rückzug aus Angst und Scham erhöht den Druck, löst Stress aus, der die motorischen Symptome weiter verstärken kann, und fördert außerdem Depressionen“, erklärt Daniela Djundja, Psychologin der Parkinson-Klinik Wolfach.
Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, ein regelmäßiges Training der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, zum Beispiel durch Gehirn-Jogging, kognitiv-verhaltenstherapeutische Übungen wie Gedankenstopps sowie die speziell für Parkinson-Patienten entwickelte Lee-Silverman-Stimmtherapie vermitteln Kompetenzen, die dem Stressabbau dienen und der sozialen Isolation entgegenwirken. In einem gewissen Grad können Parkinson-Kranke also die Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben zurückgewinnen.
Die Lebensqualität hängt aber auch von der sozialen und beruflichen Einbettung der Patienten ab. Da „Mitwisser“ entlasten, ist der Austausch mit Angehörigen, Freunden und anderen Patienten nicht minder wichtig. „Wer offen über seine Krankheit spricht, erntet in der Regel großes Verständnis und Unterstützung. Leider ist die Unwissenheit der Allgemeinbevölkerung immer noch sehr hoch. Arbeitgeber versuchen oft zu schnell die Betroffenen in die Rente zu schicken, ohne vorher Alternativen wie zum Beispiel Heimarbeit am Computer oder Teilzeitmodelle geprüft zu haben“, bedauert Renate Hofmeister, Landesvorsitzende der deutschen Parkinson-Vereinigung Baden-Württemberg (dPV).
Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen neben Halt und positiven Vorbildern auch die Möglichkeit neue Wege auszuprobieren. Denn ein Leben mit Parkinson erfordert Geduld und Mut. Manch eine Tür mag sich schließen, andere werden sich öffnen und die gilt es zu erkennen.
Weitere Informationen zur Behandlung des Morbus Parkinson erhalten Interessierte unter 07834/971-0 oder im Internet unter www.parkinson-klinik.de. Unter 07202/94 16 26 informiert die dPV Baden-Württemberg über Selbsthilfegruppen.







