(openPR) „Im Kampf gegen die einstmals schon fast besiegt geglaubte Tuberkulose wurden viele gute Chancen vertan. Heute schlägt die vernachlässigte Erkrankung dafür kräftiger denn je zurück.“ Schuld daran seien vor allem multiresistente Stämme, sagte der Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK), Prof. Dr. Robert Loddenkemper, auf der Pressekonferenz des Koch-Metschnikow-Forums in Berlin anlässlich des Welttuberkulosetages. Auch 126 Jahre nach Entdeckung des Erregers Mycobacterium tuberculosis durch Robert Koch, der bis zu seinem Tode 1910 dem DZK als Präsidiumsmitglied angehörte, sei TB die weltweit häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. „Heutige Bakterienstämme sind auf dem Weg, eine immer größere Gefahr für die Menschheit zu werden“, warnte Loddenkemper. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet weltweit mit 8,8 Millionen TB-Neuerkrankungen jährlich, 4.440 Menschen sterben täglich an dieser Krankheit. Deutschland, so informierte Dr. Walter Haas vom Robert Koch-Institut, verzeichnete 2006 insgesamt 5408 TB-Fälle, und die Erkrankungszahlen sinken jährlich um rund acht Prozent. Mit gegenwärtig 6,6 Prozent Neuerkrankungen im Jahr ist Deutschland nach WHO-Definition ein Niedriginzidenzland. Aber allein vier Prozent dieser Patienten sind in der ehemaligen Sowjetunion geboren.
Insgesamt liegt die Inzidenzrate in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zwischen 100 und 200 Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner pro Jahr.
Das eigentliche Problem seien aber die weltweit steigenden Zahlen jener Patienten, bei denen die bisher üblichen Anti-TB-Medikamente als alleinige Therapie nicht wirken (MDR, Multi-Drug-Resistence), wie Dr. Christian Gunneberg, Weltgesundheitsorganisation Genf, mitteilte. Im Jahre 2006 seien laut aktuellem WHO-Tuberkulose-Resistenzbericht, der in diesen Tagen veröffentlicht wurde, weltweit rund 500.000 TB-Fälle mit multiresistenten Erregern registriert worden. In Deutschland waren es 78 Fälle (2,2%) gegenüber 105 Fällen (2,7%) im Jahr zuvor. Die Staaten der ehemaligen Sowjetunion gehören mit einer MDR-Rate an den Neuerkrankungen von 10,4% (Belarus) über 16,8% (Russische Föderation) bis 23,4 % (Kasachstan) zu den Hochrisikoregionen. In russischen Haftanstalten liegt die MDR-Rate sogar bei 48 Prozent.
Angesichts dieser bedrohlichen Situation arbeitet das Koch-Metschnikow-Forum (KMF), eine Initiative des Petersburger Dialogs, im Rahmen mehrerer Kooperationsprojekte an der Verbesserung der Tuberkulosekontrolle vor Ort, wie Dr. Timo Ulrichs, Vizepräsident der Organisation und Leiter der Sektion Tuberkulose, ausführte. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf die Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung, Partner sind medizinische Einrichtungen und Hochschulen in Russland und in anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Beispielsweise hilft das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel, ein Partner des KMF, beim Aufbau von TB-Programmen und Laboratorien in den GUS-Ländern.
Auf dem vom Koch-Metschnikow-Forum für den 24./25 März im Langenbeck-Virchow-Haus Berlin organisierten Symposium zum Welttuberkulosetag 2008 werden unter dem Motto „Stoppt TB – jeder trägt Verantwortung“ der Stand und der Forschungsbedarf in Prävention, Therapie und Tuberkulosekontrolle diskutiert.
Als Vorgriff auf die beim Symposium stattfindende Ehrung des Koch-Metschnikow-Forums als „Ausgewählter Ort 2008“ unter über 1500 Bewerbern im Rahmen der Initiative des Bundespräsidenten „Deutschland - Land der Ideen“ überreichte Frank Tanaka, Mitglied der Geschäftsleitung Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank Berlin, die Hauptsponsor der Initiative ist, dem KMF-Vizepräsidenten eine Ehrentafel, die künftig die Fassade des Langenbeck-Virchow-Hauses schmücken soll. Auf einer Vernissage des französischen Künstlers Carl Cardonnier, wurden seine Fotoarbeiten zum Thema „You, Me & TB“ vorgestellt, die auch auf dem Symposium zum Welttuberkulosetag zu sehen sein werden.
Hartmut Hübner








