openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Klimaerwärmung - Was den internationalen Emissionshandel bremst

15.11.201713:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Der Aufbau von internationalen Märkten für den Handel mit CO2-Emissionszertifikaten kommt nur äußerst schleppend voran. Einerseits liegt das an den starken Anreizen für potenzielle Teilnehmerländer, möglichst viele CO2-Zertifikate auszugeben. Andererseits kann die Politik entscheidende Ministerposten mit Personen besetzen, die mehr Gewicht auf Unternehmensgewinne als auf Klimaschutz legen. So lässt sich anderen Ländern signalisieren, dass diese selbst mehr für den Klimaschutz tun müssen.



---
Das Zusammenspiel beider Mechanismen führt zu einer wenig ambitionierten Klimapolitik, die primär bestrebt ist, einen großen Teil der Vermeidungsanstrengungen für den CO2-Ausstoß auf andere Länder abzuwälzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim.

Internationaler Emissionshandel kommt nur zustande, wenn sich zwei oder mehr Länder darauf einlassen. Am attraktivsten sind Emissionshandelsmärkte, bei denen sich Länder mit hohen Vermeidungskosten pro weiterer Tonne CO2 und hoher Zahlungsbereitschaft für vermiedene Emissionen mit Ländern mit niedrigen Vermeidungskosten pro weiterer Tonne CO2 und niedriger Zahlungsbereitschaft zusammentun. Die EU und China wären demnach ideale Partner – nur besteht zwischen diesen beiden Märkten kein Emissionshandel. Neben dem EU-Emissionshandelsmarkt, dem sich auch Island, Liechtenstein und Norwegen angeschlossen haben, existiert nur noch ein weiterer internationaler Markt für CO2-Zertifikate, nämlich der zwischen dem US-Bundesstaat Kalifornien und der kanadischen Provinz Québec.

Insgesamt führt ein Markt für Emissionszertifikate zu Effizienzgewinnen bei den beteiligten Unternehmen, da ein derartiger Markt die Vermeidungskosten pro Tonne CO2 senkt. „Aber ob der Emissionshandel für beide Seiten wirklich attraktiv ist, hängt nicht nur von möglichen Effizienzgewinnen, sondern auch von der Gesamtzahl der ausgegebenen Zertifikate ab“, sagt Dr. Wolfgang Habla, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement“ und Mitautor der Studie.
Den Forschungsergebnissen zufolge gibt es zwei Mechanismen, die dazu führen, dass Länder bei einem internationalen Emissionshandel mehr Zertifikate ausgeben, als dies beispielsweise bei zwei voneinander getrennten Emissionshandelsmärkten der Fall ist. Erstens können Länder am Emissionshandel verdienen, indem sie ganz bewusst mehr Zertifikate ausgeben als ihre heimischen Unternehmen tatsächlich nachfragen. Die Überschusszertifikate können dann an Unternehmen in anderen Teilnehmerländern zum gängigen Marktpreis verkauft werden. Um dieses Geschäft unattraktiver zu machen, könnten Länder den Preis pro Tonne CO2 auf dem Markt senken, indem sie ebenfalls dem Markt mehr Zertifikate zur Verfügung stellen. Handeln viele Teilnehmerländer so, ist allerdings die negative Folge, dass die Länder zu viele Zertifikate ausgeben und dadurch der Anstieg der Emissionen weniger gebremst wird als gewünscht.

Zweitens ist nicht nur die Anzahl der ausgegebenen Zertifikate ein Instrument der Klimapolitik eines Landes, sondern schon die Auswahl der Entscheider – etwa der Umweltminister/Innen –, die die Zertifikatemenge für das eigene Land festlegen. Für Länder, die an Emissionshandelsmärkten beteiligt sind, besteht ein Anreiz, solche Entscheider auszuwählen, die weniger Gewicht auf die Umwelt, dafür aber mehr auf Unternehmensgewinne legen. „Der Grund dafür ist, dass ein Land durch die strategische Delegation von Entscheidern anderen Ländern signalisieren kann, dass es selbst nicht bereit ist, große Vermeidungsanstrengungen zu unternehmen, sondern im Gegenteil die anderen Länder doch bitte selbst eine ambitionierte Klimapolitik machen und weniger Zertifikate ausgeben sollen“, erklärt Wolfgang Habla. Ein Land versucht also durch seine Auswahl der relevanten Entscheider dafür zu sorgen, dass die Kosten einer ambitionierten Klimapolitik nicht so sehr im eigenen Land anfallen, sondern eher in anderen Ländern.

„Weil jedes Land denselben Anreiz hat, einen Entscheider auszuwählen, der weniger Wert auf die Umwelt legt, sind die CO2-Emissionen in einem internationalen Emissionshandel höher als in einer Situation, in der Länder eigene Emissionshandelssysteme betreiben, diese aber nicht aneinander koppeln“, erklärt Wolfgang Habla. So wird es für einige Länder oder Länderblöcke wie die EU unattraktiv, einem internationalen Emissionshandelsmarkt beizutreten. „Daraus erklärt sich, warum es so schwierig ist, einen internationalen Emissionshandel zu etablieren“, sagt Habla.
Statt den CO2-Ausstoß also durch einen globalen Emissionshandel endlich zu reduzieren, können die vorab skizzierten Mechanismen dazu führen, dass die CO2-Emissionen höher sind, als sie es ohne die Möglichkeit des internationalen Zertifikatehandels wären. Dieses Zusammenspiel kann den internationalen Emissionshandel als Instrument, um den Klimawandel zu bremsen, unattraktiv machen.

„Abhilfe könnte schaffen, wenn nicht die Länder selbst, sondern eine übergeordnete Instanz die Zertifikatemenge der beteiligen Länder bestimmt, so wie dies in der EU der Fall ist“, so Habla. Dann nämlich wären die beiden oben genannten Mechanismen außer Kraft gesetzt, und eine ambitioniertere Klimapolitik, die die Effizienzgewinne des Emissionshandels ausschöpft, könnte die Folge sein.

Für Rückfragen zum Inhalt:
Dr. Wolfgang Habla, Telefon 0621/1235-155, E-Mail E-Mail

Weitere Informationen:
- http://Die Studie in englischer Sprache findet sich zum Download unter:
- http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp17025.pdf

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 980208
 371

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Klimaerwärmung - Was den internationalen Emissionshandel bremst“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)

Unternehmen mit hohem Grad an Digitalisierung sind für Krisenzeiten besser gewappnet
Unternehmen mit hohem Grad an Digitalisierung sind für Krisenzeiten besser gewappnet
Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad waren weniger stark von der Krise in den Jahren 2008 und 2009 betroffen als gering digitalisierte Unternehmen. Dies gilt insbesondere für Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim. --- Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad sind grundsätzlich produktiver als gering digitalisierte. Denn um erfolgreich zu digitalisieren, müssen Produktions- und Arbeitsprozesse angepasst werden,…

Das könnte Sie auch interessieren:

Teilweise Aussetzung des Luftverkehrs-Emissionshandels ist viel zu kurz gedacht
Teilweise Aussetzung des Luftverkehrs-Emissionshandels ist viel zu kurz gedacht
Berlin, 20. November 2012 – Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft kritisiert die nur teilweise Aussetzung des Emissionshandels im Luftverkehr. „Diese Lösung ist vielleicht gut gemeint, aber viel zu kurz gedacht. Das Festhalten am Emissionshandel bei innereuropäischen Flügen schafft neue Wettbewerbsverzerrungen für den europäischen Tourismus“, …
Wie grün ist Ökostrom? – die richtige Tarifwahl ist eine Frage der Motivation
Wie grün ist Ökostrom? – die richtige Tarifwahl ist eine Frage der Motivation
… den Klimaschutz, schließlich ist die Energieproduktion CO2-neutral und nachhaltig. Der Ausbau der erneuerbaren Energien gehört zu einem zentralen Aspekt im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Dennoch ist Ökostrom nicht zwangsläufig die sinnvollste Energieform für alle, die das Klima schützen wollen. Renommierte Klimaforscher aus aller Welt, darunter einer …
Privater Emissionshandel rückt in greifbare Nähe
Privater Emissionshandel rückt in greifbare Nähe
Hessischer Schornsteinfegerverband stellt Gesamtergebnisse des Modellprojekts zum privaten Emissionshandel vor und strebt jetzt Genehmigungsverfahren an Wiesbaden, 8. Dezember 2008 – Privater Emissionshandel könnte schon bald Realität werden. 197 hessische Wohnungseigentümer haben bewiesen, dass sich mit entsprechenden energetischen Sanierungsmaßnahmen …
Bild: Grünen-Chef Hofreiter fordert „runderneuerten Emissionshandel“Bild: Grünen-Chef Hofreiter fordert „runderneuerten Emissionshandel“
Grünen-Chef Hofreiter fordert „runderneuerten Emissionshandel“
Der Emissionshandel der EU gibt Industrie und Energiewirtschaft bisher kaum Anreize, in klimafreundliche Techniken zu investieren. Eine Reform wird diskutiert – bislang ohne Einigung in Brüssel. Daher fragte BIZZ energy today bei fünf hochkarätigen Politikern und Experten nach und stellte ihnen die Frage des Monats: „Ist der Emissionshandel noch zu retten?“ Der …
HOMBURGER: Umweltverbände beim Emissionshandel in der Pflicht
HOMBURGER: Umweltverbände beim Emissionshandel in der Pflicht
BERLIN. Zur heutigen Positionierung der Umweltverbände zum Nationalen Allokationsplan als Grundlage für den Emissionshandel in Deutschland erklärt die stellvertretende Vorsitzende und umweltpolitische Sprecherin, Birgit : In zumindest einer Hinsicht haben die Umweltverbände Recht: Der Emissionshandel ist das wichtigste und leistungsfähigste Instrument …
HOMBURGER: Trittin blockiert ökologisch effektiven und kostengünstigen Klimaschutz
HOMBURGER: Trittin blockiert ökologisch effektiven und kostengünstigen Klimaschutz
BERLIN. Zum Richtlinienentwurf der EU-Kommission über die Verknüpfung des so genannten Clean-Development-Mechanismus (CDM) des Kyotoprotokolls mit dem europäischen Emissionshandel erklärt die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion und umweltpolitische Sprecherin, Birgit : Die FDP begrüßt den Richtlinienentwurf der Kommission. Mittels …
HOMBURGER: Expertenanhörung bestätigt: Trittin verspielt Chancen beim Emissionshandel
HOMBURGER: Expertenanhörung bestätigt: Trittin verspielt Chancen beim Emissionshandel
BERLIN. Zur heutigen Sachverständigenanhörung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages zum Emissionshandel erklärt die stellvertretende Vorsitzende und umweltpolitische Sprecherin, Birgit : Die heutige Expertenanhörung zum Emissionshandel gerät zum Fiasko für Rot-Grün. Nahezu alle Sachverständigen stimmen in dem Urteil überein, dass man nicht …
Vortrag „Vom Kyotoprotokoll zum europäischen Emissionshandel – und Ausblick“ beim TELI-Forum Stuttgart
Vortrag „Vom Kyotoprotokoll zum europäischen Emissionshandel – und Ausblick“ beim TELI-Forum Stuttgart
Vortrag „Vom Kyotoprotokoll zum europäischen Emissionshandel – und Ausblick“, Dr. Hans-Jürgen Nantke, Fachbereichsleiter Emissionshandel, Umweltbundesamt Berlin, beim TELI-Forum Stuttgart Stuttgart, 22. Oktober 2009 - Mit dem Kyotoprotokoll, das im Jahr 2012 ausläuft und über dessen Nachfolger derzeit verhandelt wird, haben sich die Vertragsstaaten nicht …
Deutschland verliert bei dieser Form des Emissionshandels - Union lehnt Handelssystem, das Deutschla
Deutschland verliert bei dieser Form des Emissionshandels - Union lehnt Handelssystem, das Deutschla
… mit Emissionsrechten im Ministerrat in Brüssel erklären der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Peter Paziorek MdB und der Berichterstatter für den Emissionshandel der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Dr. Peter Liese MdEP: Deutschland verliert beim Emissionshandel. Das ist das Ergebnis des zwischen Wirtschafts- und …
Weltklimakonferenz auf Bali und die Folgen für den Emissionshandel
Weltklimakonferenz auf Bali und die Folgen für den Emissionshandel
Der Emissionshandel hat seine Kinderkrankheiten überwunden und startet nun in die zweite Handelsperiode. Die Emissionsbudgets werden in allen EU-Mitgliedstaaten enger sein. Kohlenstoff wird in der Zukunft einen Preis haben. Die Karawane zieht jedoch bereits weiter: Die EU-Kommission wird bereits Anfang des kommenden Monats, Januar 2008, ihren Vorschlag …
Sie lesen gerade: Klimaerwärmung - Was den internationalen Emissionshandel bremst