(openPR) München, 18. Juli 2006 - Mit Empörung hat der Verein gegen betrügerisches Einschen-ken (VGBE) auf das Vorhaben der SPD Stadtratsfraktion und der Wiesn-Wirte reagiert, die Wochenend-Reservierungen auf das Mittelschiff der Festzelte auszuweiten (siehe AZ 19.07.06). „Diese Vereinbarung ist wohl nach der 8. Maß zwischen Wirten und SPD getroffen worden“, so Pressesprecher Jan-Ulrich Bittlinger. Besonders enttäuscht zeigt sich der Verein von der Haltung der SPD. „Bislang konnte man sich bei den Sozialdemokraten immer darauf verlassen, dass sie das Bollwerk gegen eine reine Kommerz-Wiesn sind“, so Vereinspräsident Sigi Eder.
Der Verein gegen betrügerisches Einschenken setzt jetzt auf Oberbürgermeister Christian Ude. „Ude wird einem solchen Vorgehen hoffentlich einen Riegel vorschieben“, so der Pressesprecher des VGBE. Auf ihn konnte sich der Verein immer verlassen, wenn es um die Bewahrung der Traditions-Wiesn ging.
Den Wirten warf der VGBE eine schier endlose Geldsucht vor. „Ich warte auf den Tag, an dem der erste Wiesnwirt vom Geldsack erdrückt wird“, so Jan-Ulrich Bittlinger.
Das Münchner Oktoberfest zeichnet sich gerade durch seine Offenheit aus. Eine geschlossene Gesellschaft passt nicht zu Bayern und vor allem nicht zu München. In keiner anderen Stadt wird das Motto „Leben und leben lassen“ so gelebt wie in München. „Das Oktoberfest verkörpert das weltoffene München“, sagt Bittlinger. „Jeder weiß, dass von den Reservierungen nur die Stammgäste des jeweiligen Festzelts profitieren, nicht aber die Münchner und internationalen Gäste, die nicht gleich 10 Plätze reservieren möchten“.
Besonders erschreckt zeigt sich der Verein, dass die sizilianischen Machenschaften der Wiesn-wirte scheinbar den nötigen Einfluss in der Politik gefunden haben. „Gerade die SPD ist die Partei, die in München bisher mit einer reinen Weste dastand, was Spezlwirtschaft anbelangt. Das sollte auch so bleiben“, fordert Bittlinger.
Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V.
Jan-Ulrich Bittlinger
Trimburgstraße 3
Tel. 089-20 60 41 417
Fax 089-20 60 41 414
Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V.
Geschichte
Bierpreis, Bierqualität und Biersteuer waren schon um 1840 Gegenstand heftiger Diskussionen bei den Konsumenten auf der einen Seite und den Brauern auf der anderen Seite. In "Bierzeitungen" wurde über die Qualität des täglichen Suds und des Schankbiers der Wirtshäuser berichtet.
1899 gründete sich der "Verband zur Bekämpfung betrügerischen Einschenkens e.V. Sitz München". Sein Ziel war schon damals, den Überschank bzw. den Schanknutzen der Schenkkellner und Wirte zu bekämpfen. Kam es doch vor, dass Münchner Hirschen statt 200 Maß bis zu 280 Maß entlockt wurden.
Das betrügerische Einschenken war ein leidenschaftliches Thema dieser Zeit, gefolgt und begleitet von Bierdetektiven in den Schankburgen, Großgaststätten, Biergärten und natürlich auf dem Oktoberfest, wie auch erste Ansätze von Seiten der Behörden und angerufener Gerichte.
Ganze Erfinderscharen versuchten das Problem des zu wenig eingeschenkten Keferloher (Steinkrug) mit Mess- und Kontrollgeräten zu lösen.
Zwar zeigten die Bemühungen des Verbandes zur Bekämpfung des betrügerischen Einschenkens um 1910 erste Erfolge, der große Durchbruch blieb jedoch aus.
Die Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie die politischen Tagesthemen der Weimarer Republik und der NS-Zeit ließen den Streit um das richtige Einschenken in den Hintergrund geraten, zumal die Nazis den Verband verboten.
Die ehrbaren Streiter für die ehrliche Maß ließen nicht locker. Am 9. September 1970 gründete der Volksschauspieler Rudi Scheibengraber und der jetzige Präsident Sigi Eder den "Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V." (VGBE). Unterstützung erhielt der Verein in den ersten Tagen von der Münchner Tageszeitung tz und dem damaligen Süddeutschen Rundfunk. Die Mitgliederzahl des Vereins stieg schnell auf 1000 an.












