(openPR) Die Haltung gefährlicher Tiere wie z.B. giftigen Spinnentieren, Schlangen oder Panzerechsen soll in Nordrhein-Westfalen mit einem neuen Landesgesetz verboten werden. Für weniger gefährliche Arten wie Vogelspinnen oder Riesenschlangen wird eine Meldepflicht mit Sachkundeprüfung und Prüfung der Zuverlässigkeit der Halter eingeführt. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) sah sich aufgrund verschiedener Vorfälle mit exotischen Tieren gezwungen, ein solches Gesetz schnellstmöglich in den Landtag zu bringen.
Am Dienstag verkündete das Ministerium die Eckdaten für das neue Gefahrtiergesetz. Darin Verbote von aus Sicht des Ministeriums gefährlicher Tierarten. Darunter beispielsweise harmlose Arten Hakennasennattern. Eine Bewilligung der Haltung dieser Arten soll es nicht geben. Ebenso wird die Nachzucht der zum Teil bedrohten Arten den Haltern verwehrt. Die bestehenden Bestände sollen auslaufen. Aus Sicht des Ministeriums weniger gefährliche Arten wie z.B. Vogelspinnen oder Riesenschlangen dürfen unter der Voraussetzungen einer Meldepflicht auch in Zukunft in NRW gehalten werden. Seit Jahren sollen laut Minister Remmel giftige Haustiere ein großes Problem für die öffentliche Sicherheit sein. Die Situation ist jedoch nicht so dramatisch, wie das Ministerium annimmt.
Laut Auskunft von Michael Harzbecker, Leiter der Reptilienfachkundigengruppe der Feuerwehr Düsseldorf, kommen Vorfälle mit entflohenen oder ausgesetzten Gifttieren zwar vor, seien jedoch selten. Zu 57 Einsätzen im Jahr 2014 mussten die Experten der Feuerwehr Düsseldorf bereits ausrücken. Bei diesen "handelt es sich um Einsätze mit Tieren wie exotischen Spinnen, heimischen Spinnen, Echsen, exotischen sowie heimischen Schlangen", so Harzbecker. Gefährlich für den Menschen seien davon die wenigsten Arten. Involviert war die Fachkundigengruppe für Reptilien dieses Jahr bei der Serumbeschaffung zweier Giftschlangenbisse. Diese Vorfälle betrafen bis heute immer nur den direkten Halter und keine unbeteiligten Bürger, erläutert Harzbecker. Die neue Gesetzgebung sieht der Gruppenleiter ebenfalls kritisch: "Ich befürchte ein Aussetzen gefährlicher Tiere und somit eine Gefahrenzunahme. Selbstverständlich haben wir dies dem Minister auch so zu Bedenken mit gegeben."
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2012 ca. 405.000 Reptilien in die Bundesrepublik importiert. Dabei handelte es sich größtenteils um harmlose Arten und Farbvarianten von Züchtern aus den USA und nicht um gefährliche Exemplare.
Laut einer vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) im April 2012 in Auftrag gegebenen Studie eines Marktforschungsinstitutes, deren Ergebnisse auf einem Terraristik-Symposium im November 2013 dargestellt wurden, befinden sich ca. 800.000 Terrarien in deutschen Haushalten mit wiederum einigen Millionen Reptilien, Amphibien und Wirbellosen. Primär handelt es sich dabei um harmlose Arten. Der Anteil an Gefahrtierhalter ist eher gering. Sehr beliebt sind kleinbleibende Geckoarten, Bartagamen, Stabschrecken und harmlose Vogelspinnen.
Eine aktuelle Studie des Deutschen Tierschutzbundes zeigt, dass in einem Zeitraum von 5 Jahren von 214 befragten Tierschutzvereinen des Tierschutzbundes insgesamt ca. 9.000 Reptilien aufgenommen werden mussten. Darunter befanden sich laut der Studie lediglich 11 als gefährlich einzustufende Tiere (1 Brillenkaiman, 2 Giftschlangen und 8 potenziell gefährliche Riesenschlangen). Dies entspricht einem prozentualen Anteil von statistisch kaum noch relevanten 0,1 Prozent. Es ist jedoch anzunehmen, dass dieser zukünftig steigen wird, wenn Liebhabern die Haltung dieser Tiere verboten wird und Beschlagnahmungen oder gar das Aussetzen der Tiere die Folge sind.
Die Verbotsregelung, sollte sie in der vorliegenden Form von der Landesregierung endgültig beschlossen werden, ist objektiv betrachtet unverhältnismäßig und wird die Situation in den Tierheimen sowie in Bezug auf die öffentliche Sicherheit nicht verbessern.













