(openPR) Metamorphosen haben eine lange literarische Tradition. In Ovids „Metamorphosen“ sind es die Götter, die über die Gabe der Gestaltverwandlung verfügen und als Mensch, als Tier oder sogar als Baum in die Geschicke der Sterblichen eingreifen können. Auch mit dem Verblassen des Götterhimmels und der Verbreitung des naturwissenschaftlichen Weltbilds blieb das Motiv der Verwandlung erhalten. Bis heute erzählen Märchen, wie ein schöner Prinz in der Gestalt eines Froschs, ein Kind als Reh, eine Frau als Schlange erscheint. Mit dem Buchhalter Gregor Samsa, der eines Morgens erwacht und sich in ein riesiges Insekt verwandelt sieht, hat in der Neuzeit Franz Kafka der Verwandlung ein literarisches Denkmal gesetzt.
Die promovierte Germanistin Judith Sixel hat jetzt einen Krimi geschrieben, der dieses Motiv aufgreift. Eine Polizistin findet sich plötzlich in der Gestalt einer Ratte wieder. „Ein absurdes, völlig irreales Ereignis trifft auf die reale Welt und muss sich mit ihr verbünden“, so beschreibt die Autorin die Herausforderung, die sie zu dieser Geschichte trieb. Denn die Welt, in der sich die verwandelte Polizistin bewegt, ist die gleiche geblieben. In dieser Welt verschwinden Frauen spurlos, alles deutet auf ein Verbrechen hin, doch die Polizei findet keinen Ansatzpunkt, ihm auf die Spur zu kommen. Der Reiz und auch der Witz dieses ungewöhnlichen Krimis bestehen darin, dass das Absurde immer normaler erscheint und das Befremdliche und Absurde der Normalwelt immer deutlicher zutage tritt. Die Verwandlung zur Ratte, jenes Motiv aus dem Bereich der Mythen und Märchen, verliert im Laufe der Geschichte seine Absonderlichkeit, die Polizistin freundet sich mit ihrer neuen Gestalt an und wird als Ratte sogar zum Sympathieträger. Zum Horror dagegen entwickelt sich das, was wirklich passiert oder passieren könnte, im Bereich der vermeintlichen Menschlichkeit.
Judith Sixel: Die Rattenfrau. Kriminalroman. Taschenbuch, 360 Seiten, mit Schwarzweißillustrationen von Ursula Breinl, erschienen im April 2013 bei epubli Berlin, ISBN 978-3-8442-5291-0, 19,90 €. Als e-Book 9,49 € (ISBN 978-3-8442-5345-0)
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