(openPR) Chemnitz/Dresden. Das Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung (PNG), das im Juni vom Bundestag beschlossen wurde, reagiert auf den demografischen Wandel, die zukünftigen Herausforderungen in der Pflege und stellt dabei Weichen zur Verbesserung der Versorgung. Auch im Freistaat Sachsen sind Projekte auf den Weg gebracht worden. Aus diesem Anlass veranstaltete die Regionaldirektion Chemnitz am 8. Oktober 2012 erneut einen Parlamentarischen Abend im Dresdner Landtag – diesmal unter der Fragestellung "Demenz - denken wir in Sachsen früher daran?"
Zur nunmehr 3. Auflage des Parlamentarischen Abends der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See nutzten rund 50 Gäste aus Politik und Verbänden sowie Vertreter der Betroffenen, wie etwa Alzheimer Gesellschaften oder Angehörigen- und Selbsthilfegruppen, die Möglichkeit zur kontroversen Diskussion über das Pflege-Neuausrichtungsgesetz und damit verbundenen neuen Möglichkeiten und Modellen, wie die Versorgungssituation Betroffener und deren Angehörigen in Zukunft noch besser verzahnt werden können.
Nach der Begrüßung durch den Leiter der Regionaldirektion Chemnitz, Thorsten Zöfeld, berichtete Privatdozent Dr. med. Francisco Pedrosa Gil, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik am HELIOS Vogtland-Klinikum, zu aktuellen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in der klinischen Medizin, nannte dabei auch Daten zur Verteilung und Häufigkeit. Außerdem nahmen an der anschließenden Podiumsdiskussion Dr. Judith Oexle, Referatsleiterin „Ältere Menschen, Pflegeversicherung“ im Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, Prof. Dr. phil. Martin Grünendahl, Professor für Pflegeforschung/ Pflegewissenschaften an der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Dr. Hartmut Denkewitz, Leiter des Diakonischen Werkes – Stadtmission Plauen teil.
„Die Alterung der Gesellschaft und die damit verbundene Zunahme dementieller Erkrankungen erfordert Betreuungs- und Pflegekonzepte, die dem individuellen Bedarf angepasst sind und die den ´dritten Sozialraum´ stärken, der sich auf kommunaler Ebene neben dem ersten und dem zweiten Sozialraum (familiäre und stationäre, institutionalisierte Pflege) etabliert“, so Dr. Oexle. Dabei komme den niedrigschwelligen Betreuungsangeboten nach § 45 SGB XI eine herausragende Bedeutung zu, da sie eine häusliche Betreuung auch derjenigen ermöglicht, die noch keine Pflegestufe haben. „Es ist daher sehr zu begrüßen, dass das Pflege-Neuausrichtungsgesetz die Leistungsangebote gerade für Demenzkranke nochmals deutlich verbessert“, so Dr. Oexle weiter.
Zudem machte die Referatsleiterin auf die bundesweite solitäre Initiative "Alltagsbegleiter" aufmerksam, die sich um hochbetagte, aber noch nicht betreuungs- oder pflegebedürftige Menschen kümmert. Ziel dieser demnächst fast 100 Alltagsbegleiter-Projekte in Sachsen ist es, einen Beitrag zu leisten, dass betagte Mitbürger möglichst unabhängig leben können. "Wir alle wissen, dass auch pflegebedürftige Menschen möglichst lange in der eigenen Häuslichkeit verbleiben wollen. Für die Zukunft gilt es daher, noch stärker vor Ort, im Quartier, in der Wohnsiedlung geeignete und gestaffelt abrufbare Hilfsangebote zu etablierten und geeignete Partner – wie die Wohnungsbaugesellschaften und –genossenschaften, vor allem aber die Kommunen und Gemeinden noch stärker für diese Aufgabe zu gewinnen."
Dies konnte Grünendahl anhand einer im vergangenen Jahr an der Westsächsischen Hochschule Zwickau durchgeführten Studie „Sicher leben im eigenen Raum – Selbstbestimmt leben mit Demenz“ bestätigen. Diese beschäftigte sich mit alleinlebenden Menschen im mittleren Demenz-Stadium, ihren Lebensweisen, Möglichkeiten und Bedürfnissen. „Die meisten Menschen wollen weiter zu Hause leben, suchen aber nach sozialen Kontakten“, erläuterte Grünendahl. Diesbezüglich gelte es neue Wege zu schaffen. Dabei betonte der Pflegewissenschaftler aber auch, dass wir in der Praxis „noch weit weg von einer vernünftigen Demenz-Diagnostik“ sind.
Eine weitere Herausforderung aus der alltäglichen Praxis verdeutlichte Dr. Hartmut Denkewitz: „Demenziell Erkrankte benötigen unsere besondere Zuwendung. Zuhören, streicheln, einfühlsame Gespräche sind notwendig, um deren Ängste vor der ungewohnten Umwelt und dem teilweise Erkennen ihrer schwierigen Situation abzubauen. Verwandte, Ehrenamtliche, Nachbarn sind zu gewinnen, um gemeinsam mit den Pflegediensten diese Aufgaben anzugehen“.
Bedingt durch die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft betrachtet auch Chefarzt Pedrosa Gil „sowohl die ambulante als auch die stationäre Versorgung der Demenzkranken“ als große Herausforderung. Einen besonderen Stellenwert dabei habe auch das Thema "Ärztemangel" und seine möglichen Auswirkungen auf die stationäre und ambulante Versorgung. Wichtig sei vor allem auch die "Integrierte Versorgung" in Hinblick auf Kooperationen zwischen stationären mit ambulanten Versorgungsangeboten, wobei er positive Beispiele aus der Region Plauen und Vogtlandkreis nannte.











