(openPR) Thorsten Brinkmann erschafft seine Werke aus einer stetig wachsenden Sammlung von Fundstücken: Von ausrangierten Haushaltsartikeln, Third-Hand Kleidungsstücken, Überbleibseln bürgerlicher Wohnkultur bis hin zu Sperrmüll aller Art. In seiner vierten Solo-Ausstellung in der Galerie FELDBUSCHWIESNER präsentiert er neue Selbstporträts, Stillleben, Skulpturen und Installationen aus dem Jahr 2012.
Die Arbeiten des in Hamburg lebenden Künstlers bewegen sich scheinbar mühelos zwischen den Gattungen und spielen mit dem kollektiven Bildgedächtnis. Besonders seine fotografierten Stillleben und Selbstporträts tragen Züge altmeisterlicher Kompositionen des 16. und 17. Jahrhunderts. Mancher fühlt sich auch an die Dadaisten und Surrealisten oder an Duchamps Readymades erinnert und sieht in erster Linie das Skurril-Absurde und Ironische von Brinkmanns Fotografien. Auf andere wirken seine Bilder angesichts der konsequenten Maskierung von Körper und Gesicht und der zum Teil ambivalenten Geschlechtlichkeit befremdend oder sogar bedrohlich. Tatsächlich sind Brinkmanns Arbeiten all das. Die Vieldeutigkeit ist Teil seines Konzepts. Im Selbstporträt „Harmon de Kill“ (C-Print) wird ein alter Schrank zur Ritterrüstung, die Arme und Hände verbirgt der Künstler in Tischbeinen, an deren Enden Spitzen aus Plastik geschraubt sind. Mit der strengen Flächen- und Farbkomposition greift das Arrangement Mondrians Harmonie-Begriff auf, um selbigen durch die aggressive Geste der Tischbein-Arme zu konterkarieren. Der C-Print „Grand Duc Vasario“ ruft den Typus des frühneuzeitlichen Herrscherporträts auf, um zugleich auf den Konstruktivismus zu verweisen, dessen Forderung nach Abstraktion er wiederum mit Details wie zwei gebogenen Spazierstöcken bricht.
Noch stärker als frühere Arbeiten machen die neuen Porträts die Bühne, auf der sich der Künstler als kostümierte, gesichtslose Figur inszeniert, zum Bildthema. Die Umgebungen der „Querle Schlemm“, des „Grand Duc Vasario“ oder „Oskar van Degenball“ sind ausformulierte, malerisch anmutende Interieurs, die eine symbiotische Verbindung mit der Gestalt im Vordergrund eingehen. Der Widerspruch von Zwei- und Dreidimensionalität scheint beinahe vollständig aufgelöst. In Brinkmanns Atelier werden die aussortierten Dinge zu Installationen arrangiert und durch die künstlerische Performance via Selbstauslöser in Fotografien überführt. Umgekehrt verarbeitet Brinkmann Requisiten aus den Bildern in Skulpturen oder installativen Environments, in die er seine Fotografien einbettet als ob sie selbst nur Fundstücke wären. Die in der Ausstellung präsentierten raumhohen Stelen aus verschiedenen objets trouvés leben, ebenso wie die Porträts und Stillleben, von der unkonventionellen Paarung der Objekte und Kontexte. So sind die Werkgruppen untrennbar miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Der Fluss der Dinge ist schier endlos, alles ist ein ewig Werdendes.
Thorsten Brinkmann (*1971 in Herne) studierte an der Kunsthochschule Kassel bei Floris M. Neusüss und an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei Bernhard J. Blume und als Meisterschüler bei Franz E. Walther.
Nach Auszeichnungen wie dem Aufenthaltsstipendium des Goethe-Instituts in Sanaa, Jemen (2009) wurde Brinkmann 2011 mit dem Kunstpreis Finkenwerder geehrt und erhielt ein Artist Residency-Stipendium im Warhol Museum Pittsburgh, USA und in den Parramatta Artist Studios in Sydney, Australien.
Seine Arbeiten sind in renommierten Sammlungen wie der Sammlung des Museums der Moderne, Salzburg, des Fotomuseums Winterthur, der Kunsthalle zu Kiel und der Sammlung Falkenberg, Hamburg, vertreten und wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert. Zuletzt u.a. im Warhol Museum in Pittsburgh, USA (Group Show, 2012), im Kunsthaus Hamburg (Solo Show, 2011), in der Kunsthalle zu Kiel (Solo Show, 2011), im Museum Morsbroich, Leverkusen (Group Show, 2011), im Kunstverein Augsburg (Solo Show, 2011), im Gemeentemuseum, Den Haag (Group Show, 2010) und im Georg-Kolbe-Museum in Berlin (Solo Show, 2010).
Parallel zur Ausstellung in der Galerie FELDBUSCHWIESNER sind Werke von Thorsten Brinkmann in der Einzelausstellung „Amanecer“ im Museo Nacional de San Carlos in Mexico City (20.4 bis 29.10.2012) sowie in den Gruppenausstellungen „Alice in the Wonderland of Art“ in der Hamburger Kunsthalle (22.6 bis 30.9.2012) und „Facade 2012 – Public Art Project“ im niederländischen Middelburg (17.8 bis 18.11.2012) zu sehen.











