(openPR) „AnDenken“ heißt die Ausstellung der Regensburger Gruppe Kunst.Stoff im Alten Schlachthof Straubing. Von 24. September bis zum 27. November 2011 zeigt sie ein Gemeinschaftswerk der Gruppe und mehrere Einzelarbeiten. Annäherungen an das Phänomen des Andenkens und Erinnerns.
Die Regensburgerinnen Brigitte Berndt, Renate Haimerl Brosch, Renate Höning, Johanna Obermüller, Barbara Regner und Julia Weigl sind die Gruppe Kunst.Stoff. In ihrer aktuellen Schau spüren sie dem Andenken nach, dem Souvenir, dem Ding, das Erinnerungen wach ruft, kreisen es ein, zeigen Herzen, Halsschmuck, Fahnen, Bruderschaftsstangen, Fotografien vom Meer und eine Art Teppich oder Blumenaltar aus unzähligen Stoffblüten.
Ort der Andacht: Stoffblumen
Zum Teppich mit dem Titel "Glaube, Liebe, Hoffnung" gehören Videos und Texte, die das Objekt in unterschiedliche Bedeutungszusammenhänge stellen: Der Teppich als Altar, als Ort der Andacht, als Symbol des Werdens und Vergehens, mit Blüten, die unter ausbeuterischen Bedingungen in Heimarbeit hergestellt wurden. Das sind nur wenige Assoziationen, die er wach ruft. Der Prozess der Herstellung, das Knüpfen der Stoffblumen verweist auf einen meditativen gemeinschaftlichen Akt.
Wertlos wird wertvoll
Brigitte Berndt, Künstlerin, Kuratorin und Schmuckdesignerin, vollzieht in ihrer Arbeit einen höchst zeitgemäßen Umwertungs- und Umdeutungsprozess. Ihre Arbeiten beziehen sich auf die Omnipräsenz der Müllberge. Wertstoffe verwandelt Berndt in Schmuck. Die so entstandenen Arbeiten beziehen ihren großen Reiz aus der Spannung zwischen wertlos und wertvoll. Plastikeislöffel, Joghurtbecherdeckel und Milchtütenverschlüsse verwandeln sich in filigranen Schmuck. Präsentiert an aus Obstkistenbrettern zusammengenagelten Kreuzen, erhält Berndts Schmuck Mahnmalcharakter. „Erinnerung an den letzten Sommer“ heißt das Amalgam aus bunten Eislöffeln aus Kunststoff, geformt zu Ringen und Ketten, umgewertet im Herbst.
Herzen mit tausend Nadelstichen
Renate Höning wählt das Herz als plakatives Zeichen zum Inbegriff des Andenkens. Auf gläsernen Tellern liegen frei geformte Herzen aus Glas, aneinander liegende Herzkammern mit Furchen und Arterien, gleichermaßen zerbrechlich wie kompakt. Die Verwundung des Herzens vergegenwärtigen besonders die aus Silikon gegossenen Herzen, die an Haken von der Decke baumeln. Aus transluzentem Silikon, verbrämt mit tausenden und abertausenden Nadelstichen von roter Seide, erinnern diese Herzen an Wunden und Schmerzen. Dem Druck einer Presse hielten die aus Nessel genähten, gepolsterten Herzen stand. Wiederum mit Kammern, Furchen und Arterien erscheinen diese Herzen schemenhaft, weiß auf weiß.
Johanna Obermüllers Ritual
Auf papierenen Fahnen zeigt Johanna Obermüller frei erfundene kalligrafische und figürliche Formen. Am deutlichsten treten Mensch und Lamm hervor. Was sie verbindet, ist das vom Menschen geopferte Lamm. „Der Mensch erhofft sich doch immer etwas“, erklärt Obermüller ihre Arbeit. „Er sucht sich doch immer die passenden Gottheiten aus für seine Wünsche und er bringt Opfer dar, Geld, Reis, Früchte, Tiere und versucht so, das Schicksal günstig zu stimmen.“ Johanna Obermüllers Installation aus diesen expressiv mit schwarzer Tusche bemalten Papierfahnen und weißen Suppentellern mit Münzen verweist auf ein Ritual, das in vielen Kulturen rund um den Globus Anwendung finden könnte und dennoch sehr persönlich ist.
Griechenland und das Meer
Mit ihren Lochkamera-Fotografien setzt Barbara Regner der Sehnsucht ein Denkmal, die Menschen ereilt, wenn sie am Meer sitzen, den Horizont im Blick und die Frage nach dem Dahinter im Kopf. Das Ineinander von Wasser und Himmel zeigt fast monochrome Farbstrukturen. Diesen kontemplativen Arbeiten stellt Barbara Regner die heitere Anmut der Illusion griechischen Wandschmucks entgegen. Dafür ließ sie von Freundinnen und Freunden Pappteller bemalen, die an Griechenland erinnern sollen: im Wasser baumelnde Beine, Zyklopen, Mäander, gelockte Schönheiten, stolze Gottheiten. „Mit diesem Spiel wollte ich bewusst machen, wie präsent die Antike in uns ist.“ Dutzende von Papptellern spiegeln die Kultur, aus der wir kommen.
Reliquienschrein oder Gebetsmühle?
Bruderschaftsstangen symbolisieren Gemeinschaft und Überzeugung. Renate Haimerl Brosch deutet dieses Zeichen der Zugehörigkeit aus katholischen Wallfahrts- und Prozessionsbräuchen in eine Religionen übergreifende Richtung. Die Köpfe der mit weißem Ornament verzierten Stangen gestaltet sie aus Draht, Wachs, Borsten, Hühnerbeinen und Federn völlig frei. Die Drahtgebilde bergen Gefäßen gleich kostbare Inhalte, Inhalte, die das Erinnern beflügeln. Eine Kugel aus Draht umschließt eine Perlhuhnfeder. Das erinnert gleichermaßen an einen Reliquienschrein wie an eine buddhistische Gebetsmühle. Haimerl Broschs Bruderschaftsstangen entführen so in den unendlich weiten Kosmos gemeinsamen Erinnerns.
Zur Ausstellung erscheint eine Mappe mit Arbeiten der Künstlerinnen in einer geringen Auflage.
Julia Weigl/19.09.2011











