(openPR) Ein besseres Verständnis von Menschen mit Migrationshintergrund in den besonders sensiblen Fällen des Gesundheits- und Sozialwesens ist das Ziel von Fortbildungen zur kultursensiblen Pflege, die das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e. V. Dortmund seit März 2011 für Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen anbietet. Das zunächst auf ein Jahr angelegte Programm FOKUS (Fortbildungen zur kultursensiblen Arbeit im Sozial- und Gesundheitswesen) wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds (EIF). Der Auftakt der Seminarreihe erfolgte am Mittwoch, 6. Juli 2011, in Dortmund mit einer zweitägigen Fortbildung in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen der Arbeiterwohlfahrt, Lindenhorster Straße 38.
Einrichtungen aus Hagen, Unna, Lippstadt, Bochum und Warstein nehmen teil
Zehn Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens aus Dortmund, Hagen, Unna, Lippstadt, Bochum und Warstein werden bis Ende Februar 2012 rund 225 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihren Einrichtungen fortbilden. Zum Interessentenkreis gehören städtische und konfessionelle Krankenhäuser ebenso wie Psychiatrische Landeskrankenhäuser, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und Altenzentren.
Hilfreiche Hinweise für die Arbeit im Alltag
Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e. V. in Dortmund (IBB) hat bereits seit einigen Jahren Kompetenzen in kultursensibler Pflege erworben. Mehrere Trainings wurden zum Beispiel im Auftrag der Universitätsklinik Ulm angeboten. „Mit der Förderung durch den Europäischen Integrationsfonds können wir diese Fortbildungen nun in höherer Zahl zu einem günstigeren Preis anbieten. Dabei richten sich die Trainings sowohl an Mitarbeitende im Patienten-/ Klientenkontakt als auch an als Personalverantwortliche. „Dies soll die Öffnung der Einrichtung auch für multiethnisches Personal voran bringen“, schildert Hildegard Azimi-Boedecker, Leiterin des Fachbereichs Beruf International und Migration. Islamwissenschaftlerin Dr. Katja Sündermann, eine ausgewiesene Expertin für Aspekte der Gesundheitsvorsorge im Zusammenhang mit Migration, hat für alle teilnehmenden Einrichtungen maßgeschneiderte Fortbildungsmodule entwickelt. „In unseren Seminaren können wir dadurch gezielt auf Fragen aus dem Alltag eingehen“, schildert Frau Dr. Sündermann. „Unser Ziel ist es, die Kommunikation an der Schnittstelle Arzt/Patient oder Mitarbeiter /Klient deutlich zu verbessern. Dazu geben wir hilfreiche Hinweise.“
Hintergrundwissen über die Kultur der Herkunftsländer
In den zwei- bis dreitägigen Fortbildungen vermittelt das IBB Dortmund ebenso detailliert wie kompakt Kenntnisse über
• die gesundheitliche Situation von Migranten in Deutschland
• die Einstellung zu Krankheit und Behinderung in islamischen, asiatischen, osteuropäischen und afrikanischen Kulturen,
• unterschiedliche Krankheitsbilder und Therapieerwartungen,
• Hinweise zu Schmerzempfindung und Schmerz-Ausdruck und
• die traditionelle Haltung des sozialen Umfeldes zum Kranken bzw. zum Menschen mit Behinderung.
15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund
In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (in Dortmund rund 167 000 Menschen). Immer häufiger zeigt sich in Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen sowie Beratungsstellen, dass Patienten, Klienten oder Hilfesuchende mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und unterschiedlichen Vorerfahrungen aufeinander treffen.
Die Haltung zur Krankheit und Behinderung, der Umgang mit Schmerzen und die Schilderung von Symptomen sind stark beeinflusst vom eigenen kulturellen Hintergrund. Äußerungen, die im eigenen Kulturkreis eindeutig sind, können in heterogenen Gruppen leicht zu folgenschweren Missverständnissen führen. Sagt eine Patientin zum Beispiel „Meine Leber tut weh!“ kann sie damit unter Umständen ihren Kummer ausdrücken wollen, statt wirklich organische Symptome.
Weitere Informationen unter www.ibb-d.de.












