Irrgarten Kleinwelka
Inhaberin Regina Frenzel
Am Saurierpark 3
02625 Bautzen
Telefon: 035935 20575
e-Mail:
www.irrgarten-kleinwelka.de
Über das Unternehmen
Der Irrgarten von Kleinwelka
Nach der Wende begann für uns eine schwierige Zeit. Mein Mann und ich, arbeiteten beide in der Landwirtschaft und keiner wußte so richtig, ob wir unseren Arbeitsplatz in der LPG behalten würden. Wie geahnt wurden dort nach und nach Leute entlassen und schließlich brauchte man auch niemanden mehr, der sich um die Organisation der Pflege und Wartung der Maschinen kümmert und somit war ich arbeitslos. So war ich auch als erste sofort von der Idee fasziniert, einen Irrgarten zu bauen. Es war nicht schwer, die ganze Familie zu überzeugen, daß dies eine tolle Sache wäre. Auch der damalige Bürgermeister von Kleinwelka, den wir ins Vertrauen zogen, war sofort begeistert. Gemeinsam mit Herrn Lehmann suchten wir ein für unseren Plan geeignetes Grundstück. Ein Stück Land (Ackerfläche und zum Zeitpunkt unserer Idee mit unverwüstlichen Raps bebaut) lag direkt neben dem Parkplatz des Saurierparkes und bot sich für unsere Idee an. Die ankommenden Besucher würden den Irrgarten sofort sehen ihn so auch besuchen. Wir setzten uns sofort mit der Treuhand, die dieses Grundstück verwaltete, in Verbindung. Negativatteste und Gespräche mit älteren Einwohnern versicherten uns, das für dieses Grundstück auch keinerlei Rückforderungsansprüche bestehen würden, da es sich um Bodenreformland handelte. 3 Jahre später wurde uns jedoch mitgeteilt, das vom alten Besitzer ein Rückforderungsanspruch bestehen würde. 2 Jahre lang kämfpten wir intensiv um unseren Besitz und den Erhalt unseres Irrgartens.
Die Vorbereitungen für unseren Irrgarten begannen. Keiner hatte so ein Ding je gebaut und so konnte uns auch keiner sagen, wie man das macht.
Zunächst erneuerten wir einen zerfallenen Brunnen unterhalb unseres Grundstückes, der als Wasserspender für die vielen Pflanzen dienen sollte. Pumpen wurden eingesetzt, Sammelbehälter für das Wasser aufgestellt und Wasserleitungen verlegt. Der Bau der Irrgartenanlage wurde schwieriger als erwartet. Ohne Unterstützung einer Baufirma begannen wir. Zunächst allein, an einem Wochenende zusammen mit unseren Kindern, den Eltern und Geschwistern. Aber bereits kurze Zeit später bekamen wir viele Helfer. Verwandte und Freunde haben von unserem Vorhaben erfahren und boten ihre Hilfe an. Meine Eltern (ich stamme aus Thüringen) kamen oft und halfen wochenlang bei den Bauarbeiten. Unsere Kinder kamen aus der Schule und halfen. Sie erledigten sogar im Bauwagen ihre Schulaufgaben. Und so standen wir 3 Monate lang, jeden Tag oft von früh um 7 bis Einbruch der Dunkelheit in unserem Irrgarten. Mein Schwager, Dr. Manfred Frenzel, hatte den Plan für das Labyrinth entworfen und so wurde als erstes die ganze Fläche zentimetergenau abgemessen und der Plan mit Pflöcken und Schnüren auf den Acker übertragen. Danach wurden Gräben (3 km lang) für Rasenbordkanten ausgehoben und die Platten in Zement eingesetzt. Diese ganze Arbeit allein zog sich über 5 Wochen hin. Bei schlechtem Wetter bereiteten wir zu Hause die benötigten Zaunsäulen vor. Aus rostigen Rohrabfällen entstanden in mühsamer Arbeit 700 funktionsfähige Zaunsäulen. Nachdem alle Rasenbordplatten verlegt waren, wurden die Standorte der Säulen festgelegt und dafür 60 cm tiefe Löcher per Hand gegraben. Gleichzeitig wurde auf die festgelegten Wegeflächen mit Schubkarren Split aufgefüllt. 150 Tonnen wurden so per Hand verteilt. Um die Pflanzen zu schützen wurden alle Heckenflächen mit Maschendraht eingezäunt. Innerhalb der Anlage war dieser 1 m hoch und um die Anlage herum 1,50 m hoch. Die Auswahl der Pflanzen war sehr schwierig. Sie mußten pflegeleicht sein und schnell wachsen. So wählten wir die Thuja, eine Art Konifere. Es gelang uns mit einigen Mühen auch, eine Gärtnerei zu finden, die uns die benötigte Anzahl von Pflanzen (3.300 Stück) zur Verfügung stellen konnte. Auf die gesamten Heckenflächen wurden 50 m3 Rindenmulch verteilt um Unkraut zu vermeiden.
Eins hatten wir vergessen: den Weg zu unserem Irrgarten. Wir hatten - um beim Bau nicht zusehr von neugierigen Besuchern gestört zu werden, und um die vordere Fläche des Grundstückes noch für andere interessante Sachen freizuhalten - den hinteren Teil des Grundstückes bebaut. So brauchten wir einen befestigten Weg. Da halfen uns unsere Freunde vom Saurierpark. Zusammen mit Gemeindemitgliedern wurde in 3 Tagen ein Weg gebaut, der uns obendrein noch zum Eröffnungsgeschenk gemacht wurde.
Auch bei der Stromversorgung half man uns. Wir konnten eine Steckdose von einer Verkaufshütte auf dem Parkplatz nutzen und zogen durch den Wald ein 300 m langes Kabel. Allerdings war das nur ein Provisorium.
Am 4. 7. 1992 war es endlich so weit. Unser Labyrinth wurde eröffnet.Viele Gäste kamen uns zu diesem Tag zu gratulieren. Bereits vor der Eröffnung hatte die Presse von unserem Vorhaben erfahren und einige Reporter kamen um nähere Informationen zu bekommen. Später erhielten wir von Freunden aus ganz Deutschland Zeitungsausschnitte zugeschickt, sogar in einer Zeitung auf Gran Canaria wurde von der Eröffnung unseres Irrgartens berichtet. Um unseren Gästen auch etwas für das leibliche Wohl zu bieten, verkauften wir gleich von Anfang an Eis, Getränke und Süßigkeiten. Auch einige Souvenirs, die zum knobeln anregen, nahmen wir in unser Warenangebot auf. Alles wurde gern gekauft. Im Laufe der Zeit hat sich unser Angebot erheblich erweitert und die Besucher können jetzt sogar warme Speisen und Kaffee zu sich nehmen.
Seit Eröffnung am 3.7.1992 herrscht ein reges Treiben in unserem Labyrinth. Bereits im ersten Jahr besuchten uns 40.000 begeisterte Irrgartenfans. Es ist lustig zu sehen, wie begeistert und auch neugierig die Besucher den Weg entlangkommen. Und wer einmal da war, kommt wieder. Es passiert nicht selten, daß im Verlauf der Woche ein Kind mit einer Schulklasse kommt und am kommenden Wochenende die ganze Familie mitbringt. Alle sind begeistert. Familien führen ganze Wettbewerbe durch und der Stempel, den sich jeder, der das Ziel erreicht auf seine Eintrittskarte machen kann, ist eine begehrte Trophäe.
Im Laufe der Jahre wurde unser Irrgarten wurde immer berühmter. Ein Doktor der Mathematik beschäftigte sich mit dem Plan und errechnete mögliche Wegevarianten die in einer Zeitschrift für Mathematik zum Knobeln anregten. Auch andere Mathematiker und Labyrinthexperten beschäftigten sich mit unserem Irrgarten. Die Presse war sehr aktiv und auch der Rundfunk kam um einige Interviews zu machen. Sogar aus Schweden, Amerika und Schottland kamen Reporter.
Und er entwickelte sich ständig weiter. 1995 wurde unser Abendeuerlabyrinth fertig gestellt. Aus der Mitte des Heckenlabyrinthes führt jetzt eine massive Holzbrücke in den nebenan entstehenden Abenteuerirrgarten. Von dieser Brücke aus kann man über eine Treppe, bzw. eine Rutsche ins Abenteuer starten. Für Mutige gibt es dort verschiedenartige Hindernisse (Hänge- und Wackelbrücken, Kletternetze, Tunnel, Sprossen- und Lochwände, Schwebebalken über Wasser, Hüpfplatten, ein Drehlabyrinth und verschiedene Eigenbauelemente) in ein nicht überschaubares Wegenetz eingefügt. Aber auch an nicht so mutige Besucher ist gedacht. Es gibt einen Außenweg - ohne Hindernisse - auf dem man die Anlage durch eine Drehtür verlassen kann. Das Ziel ist für alle die es mögen ein 13 m hoher Turm mit einer 16 m langen Riesentunnelrutsche, durch die man die Anlage ebenfalls verlassen kann.
Seit 2000 kann man den Irrgarten auch mit einer Seilbahn überqueren. Abenteuerlustige Besucher können sich die ganze Anlage in luftiger Höhe betrachten. Besonders die polnischen Schulklassen sind sehr begeistert. Wie oft hören wir ein „Jesus Maria!“ wenn gerade wieder eins der Kinder gestartet und vor der Höhe erschrocken ist.
In den letzten Jahren haben wir auch sehr viele schöne Veranstaltungen durchgeführt. So gibt es jetzt bereits seit 10 Jahren unsere, inzwischen über die landesgrenzen hinaus bekannte, Geisternacht. Schaurige Klänge und blitzende Lichter begrüßen alle Ankommenden. Von der Brücke aus, die über den Irrgarten führt, drang ein dichter Nebel zwischen die Hecken. In der Mitte des Irrgartens konnten die mutigsten Besucher an einem Ratespiel teilnehmen. Es gehörte schon Mut dazu, in die dunklen, bedeckten Eimer zu fassen und zu raten, was sich darin verbirgt. Sogar unsere Seilbahn war in Betrieb und ab und zu sah man auch eine Hexe durch die Lüfte jagen. Geschrei überall von verängstigten Gästen. Eine Mutti beruhigt am Eingang ihre Tochter: "Denke daran, das sind alles nur richtige Menschen!". Großer Andrang am Teufelsgrill und an der Hexenküche. Jeder wollte vom Drakulagehirn oder von der Hexensuppe kosten. Auch unsere Teufellsschwänze und die Leichenfinger finden reißenden Absatz. Am besten gefiel den kleinen Geistern unser Lagerfeuer, an dem sich jeder seinen Knüppelkuchen selbst backen konnte.
Jedes Jahr am Ostersonntag verstecken insere kleinen Osterhasen kleine Überraschungen für alle unsere Besucher.
Und auch andere Veranstaltungen werden bei uns durchgeführt. Z.B. hat der Oldtimerclub Stolpen im letzten Sommer alle seine Mitglieder duchr den Irrgarten geführt und sein Treffen auf unserer Wiese durchgeführt.
In vielen Schulen ist unser Labyrinth zum begehrten Ausflugsziel der Mathematik- und Sportlehrer geworden. Die Schüler werden animiert logisch zu denken und so richtige Wegvarianten zu finden. Sogar im Mathematikunterricht wurde der Irrgartenplan behandelt.
Seit Juni 2003 gibt es bei uns das bisher einzige Rätsellabyrinth der Welt. Als Anbau an das Abenteuerlabyrinth kann man dort mal richtig sein Wissen testen. In 13 in Hecken versteckten Feldern gibt es verschiedene Fragen mit alternativen Antworten. Jedes Feld hat 4 Ausgänge an denen sich die Buchstaben der Alternativantworten befinden. Die jeweils richtige Antwort führt zum nächsten Feld. So kann man sich durchrätseln. Alle die das richtige Lösungswort gefunden haben, nehmen an einer Verlosung teil. Dabei gibt es dann schöne Preise zu gewinnen.
Für die Kinder gibt es Märchenfragen und so manche Omi muss abends sicher zu Hause wieder einmal das Märchenbuch hervorkramen.
Inzwischen ist unser Irrgarten zum größten Irrgarten Deutschlands heran gewachsen. Ca. 5.000 Pflanzen mit einer Höhe von 1,80 m sind zu durchwandern. Die gesamte Irrgartenfläche beträgt derzeit ca. 6000 m 2 . Jährlich besuchen uns tausende von begeisterten Irrgartenfans. Wir hoffen sehr, das wir unsere Anlage allen unseren Gästen weiterhin so interessant wie bisher anbieten können.
September 2010
Regina Frenzel (53)
Am Wasserturm 14
02625 Bautzen