(openPR) Solms-Niederbiel - Vor 19 Jahren wurde im hessischen Lahn-Dill-Kreis das mittelständische Unternehmen Herhof-Umwelttechnik GmbH gegründet. Es war der kleinste und anfangs defizitäre Nachwuchs der Herhof-Gruppe, die eigentlich aus dem Straßen- und Tiefbau kommt. Schon bald überholte die Umweltsparte den Tiefbau, die Lieferbetonschwester und die zugehörigen Steinbrüche von Herhof. Seit 1995 baute der Emporkömmling über 40 Kompostierungsanlagen. Die mechanisch-biologische Behandlung von Restabfall (MBA) mit dem Trockenstabilat-Verfahren von Herhof sorgte schon in der Entwicklungsphase Mitte der 90er Jahre für Furore. Hatte doch der zuständige Landrat im Lahn-Dill-Kreis, Dr. Karl Ihmels, die Überflüssigkeit der teuren Dualen Verpackungssammlung angekündigt. Das Milliardengrab DSD würde durch das Trockenstabilat-Verfahren vollends sinnlos, so der Landrat.
Anfang 2005 meldete Herhof beim Amtsgericht Wetzlar Insolvenz an. Ende einer vielversprechenden deutschen Exportchance? Muss schon wieder ein Mittelständler das Feld für Konzerne räumen?
Die Vorgeschichte liegt Jahre zurück. Die chronisch klammen Kommunen entdeckten das Instrument der Public-Private-Partnership (PPP). Sie begannen, Abfallbehandlungsanlagen, klassischerweise Deponien und Müllverbrennungsanlagen, nicht mehr zu kaufen und selbst zu betreiben, sondern übergaben diesen Teil des Geschäfts Anlagenbauern und Entsorgungsunternehmen. Die Kommunen bezahlten die Betreiber nur noch für den tatsächlich angelieferten Abfall pro Tonne. Die langfristige Finanzierung der Anlagen und das Betreiberrisiko wurde auf die Privatunternehmen übertragen. Der hohe Finanzbedarf beschleunigte den Trend zur Konzentration der Entsorger. Viele Mittelständler blieben auf der Strecke.
Mit seinen vier Trockenstabilat-Anlagen in Aßlar (in Betrieb sei 1997), Rennerod (2000), Dresden (2001) und Venedig (2001) hatte sich Herhof soweit tapfer geschlagen. Auch zur Finanzierung künftiger Werke wurde der mittelgroße Stromversorger EAM an die Seite geholt, bis dieser 2002 nach mehrheitlicher Übernahme durch den Strommulti E.ON als Finanzier wegbrach. E.ON zog es vor, Tochtergesellschaften zu unterstützen, die Müllverbrennungsanlagen bauen.
Herhof ruderte heftig im Finanzstrudel und gewann Ende 2003 die irische Vermögensgesellschaft Treasury Holdings Ltd. als neuen Eigner und Investor. Vorher war Treasury bereits Vertriebspartner von Herhof für Irland und Großbritannien. Zu dieser Zeit blickte man auf vier Jahre zurück, in denen vier Trockenstabilat-Werke fertiggestellt wurden. Die Taktzahl hat sich seitdem erhöht. Allein in diesem Jahr sollen fünf neue Werke in Trier, Osnabrück, Nordhessen, Brandenburg und im belgischen Geel in Betrieb gehen. Weitere Anlagen seien in den Auftragsbüchern, so ist aus Fachkreisen zu vernehmen.







