Karlsruhe - Mit Argwohn betrachtet die Piratenpartei Baden-Württemberg die derzeitige Diskussion um Austragung des ESL Intel Friday Night Game in der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe. "Grüne und BüKa buhlen hier mit Populismus um Wählerstimmen, und stellen dabei ihre offensichtlich mangelhafte Sachkompetenz und Unverständnis der Jugendkultur zur Schau", so Sebastian Bauer, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg. "Nach Ansicht der Piratenpartei sind Computerspiele, egal welcher Form, ein fester und völlig legitimer Bestandteil der heutigen Medienlandschaft."
Die BüKa stellt in ihrer Stellungnahme heraus, dass "nicht jeder Jugendliche, der Killerspiele spielt, zum Amokläufer" wird, aber "ausnahmslos jeder gewaltbereite Jugendliche diese Spiele konsumiert". Ein Fortsetzen dieses Gedankenganges sollte zu der Erkenntnis führen, dass ebenfalls jeder "gewaltbereiche Jugendliche" etwa TV- und Musikkonsument ist oder gar zur Schule ging.
Ebenso bleiben die Freien Wähler für Karlsruhe einem Beleg oder Verweis auf zitierte Studien aus den USA schuldig, wonach entsprechende Computerspiele "eigens vom Militär entwickelt wurden, um jungen Männern die natürliche Hemmung des Tötens abzugewöhnen".
"Solche pauschalisierten Aussagen sind falsch und liefern höchstens einen Beleg für mangelndes Interesse, sich sachlich und ernsthaft mit der Thematik auseinanderzusetzen. Es ist zwar richtig, dass das US-Militär auch Computerspiele zum Training einsetzt, jedoch nicht als Zielübungen oder zur Desensibilisierung, sondern beispielsweise zum verinnerlichen von Gruppentaktiken oder der Verbesserung der Hand-Augen-Koordination", so Dennis Laurisch, Pressesprecher der Piratenpartei Baden-Württemberg. "Die Idee, dass das Militär Computerspiele produziert und in Umlauf bringt, um unsere Kinder zum Morden zu animieren, erinnert eher an die Handlung eines billigen B-Movies."
Der Vorschlag der Karlsruher Grünen, die Veranstaltung ohne "aggressive Spiele" stattfinden zu lassen stößt inzwischen nicht nur regional auf Gelächter, zeigt es doch einmal mehr die fehlende Sachkompetenz: Im Rahmen der Friday Night Game werden schliesslich offizielle Matches der eSport-Bundesliga (ESL) ausgetragen.
Die Piratenpartei Baden-Württemberg stellt sich hinter die Entscheidung des Oberbürgermeisters Heinz Fenrich und spricht sich in jedem Fall für eine Durchführung der Veranstaltung aus. Sebastian Bauer: "Wir begrüßen insbesondere, dass mit dieser Entscheidung keine blinde Politik gemacht wurde und sich der Oberbürgermeister zuvor bei der Bundeszentrale für politische Bildung informiert hat. Die im Rahmen der Veranstaltung stattfindende Eltern-LAN ist der richtige Weg, um für Aufklärung zu sorgen und Berührungsängste abzubauen. Wir sehen dies als richtigen Schritt an, um auch in den Generationen, die ohne entsprechende Spiele aufgewachsen sind, für Verständnis zu sorgen. Karlsruhe kann damit ein Zeichen setzen und zeigen, dass Verbote der falsche Weg sind."
Letztendlich gilt bei Computerspielen dasselbe wie beim Fernsehen: Die Eltern sollten ein Auge darauf haben, wie oft oder wie lange ihre Kinder am Tag Computerspiele spielen, und vor allem auch, ob das Kind entsprechend der Einstufungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) überhaupt das jeweilige Spiel besitzen sollte. Der Staat jedoch hat an dieser Stelle des persönlichen Lebensbereiches keinerlei Zuständigkeiten mehr - den Bürgern die persönlichen Moralvorstellungen zu diktieren ist nicht die Aufgabe der Politik!
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