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ANNA LEA HUCHT, PETER MERTES STIPENDIUM 2008 - GESINE GRUNDMANN UND MONIKA STRICKER, FOYER - CHRISTINE WÜRMEL

06.05.200916:58 UhrKunst & Kultur
Bild: ANNA LEA HUCHT, PETER MERTES STIPENDIUM 2008 - GESINE GRUNDMANN UND MONIKA STRICKER, FOYER - CHRISTINE WÜRMEL
ANNA LEA HUCHT BONNER KUNSTVEREIN  9. Mai  - 5. Juli 2009   Ohne Titel, 2007 Aquarell auf Papier 55 x 57 cm  Courtesy: Galerie Meyer Riegger, Karlsruhe
ANNA LEA HUCHT BONNER KUNSTVEREIN 9. Mai - 5. Juli 2009 Ohne Titel, 2007 Aquarell auf Papier 55 x 57 cm Courtesy: Galerie Meyer Riegger, Karlsruhe

(openPR) 9. Mai – 5. Juli 2009 - ANNA LEA HUCHT
Mit ANNA LEA HUCHT präsentiert der Bonner Kunstverein ein weiteres Projekt aus seiner Reihe zeitgenössischer ZeichnerInnen. Nach RITA ACKERMANN (2005), der Gruppenausstellung FREUNDE FÜR IMMER (2007) und CLAUDIA & JULIA MÜLLER (2008) freuen wir uns besonders, einer gebürtigen Bonnerin ihre erste umfassende institutionelle Ausstellung ausrichten zu können. 1980 geboren, war ANNA LEA HUCHT 2000 – 2006 Studentin und Meisterschülerin bei Prof. ERWIN GROSS an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Im Oktober letzten Jahres erhielt sie den Horst-Janssen-Grafikpreis. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe.


Die Ausstellung im Bonner Kunstverein vereint erstmals einen Großteil ihrer Aquarell- und Kohlezeichnungen mit den in jüngerer Zeit entstandenen keramischen Arbeiten – handgearbeitete und auf schmalen Sockeln präsentierte Tonvasen, die durch modellierte Augenpaare anthropomorphe Züge annehmen. Ihr bildnerisch-graphisches Werk wird dadurch installativ in den Raum hinaus erweitert, sodass der Ausstellungsbesucher gleichsam Teil der in HUCHTS Zeichnungen geschilderten Welten wird. Sensibilität und Zerbrechlichkeit bei gleichzeitiger figurativer Präsenz und psychologischer Einflussnahme sind beiden Werkgruppen gemein, die zudem durch Ihre Phantastik etwas Übernatürliches in die zeitgenössische Wirklichkeit einbrechen lassen. In ANNA LEA HUCHTS Zeichnungen erhält der Betrachter meist aus der Vogelperspektive, oft auch durch ein Fenster, Einblick in detailreiche Interieurszenen, die gleichsam wie intime Refugien erscheinen. Die Bilder porträtieren nicht unbedingt reale Räume, vielmehr scheinen sie das konstruierte Abbild einer Selbstbeobachtung des eigenen Erlebens und Verhaltens zu sein. Vertraute Prototypen von Wohnräumen, wie das eines Mansardenzimmers, einer großbürgerlichen Wohnung oder einer WG-Küche, erscheinen als Hülle, in der sich verstörende Situationen abspielen oder surrealistische Gegenstände wie in einer Wunderkammer präsentiert werden. Entrückte Frauenwesen tanzen wie fadenscheinige Geister durchs Zimmer, Masken, Bilder, Designobjekte, aber auch allerlei Alltagsgegenstände dienen nicht der Dekoration, sondern sind vielmehr konzipierte Indizien, die zu einer nur schwer fassbaren Stimmungs- respektive Persönlichkeitsschilderung führen. Trotz immer wiederkehrender Motive, wie der Vase oder dem Auge, erhält der Betrachter keinen Aufschluss einer eindeutigen Symbolik.
Im Anschluss wird die Ausstellung in der Kunsthalle Mainz gezeigt. Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch im Ringier Verlag. Die Publikation ist eine Kooperation mit dem Horst-Janssen- Grafikpreis der Claus Hüppe-Stiftung und der Kunsthalle Mainz.

MONIKA STRICKER / GESINE GRUNDMANN (Peter Mertes Stipendium 08) Die 1974 in Köln geborene und dort lebende GESINE GRUNDMANN studierte am Londoner Goldsmiths College und später an der Düsseldorfer Kunstakademie bei den Professoren TONY CRAGG und HUBERT KIECOL und war Meisterschülerin bei ROSEMARIE TROCKEL. GRUNDMANN arbeitet im Wesentlichen mit Materialien, die sie in ihrer unmittelbaren Umgebung vorfindet, so wie Stoff, Metall, Kunststoff oder auch Holz oder Äste. Dabei interessiert sie sich vor allem für die Struktur und Materialbeschaffenheit der Dinge. Ausgangsmaterialien von Alltagsgegenständen werden zum Beispiel ausgetauscht und durch einen viel höherwertigen Rohstoff ersetzt – so im Falle einer Konservendose aus Platin. Dagegen wird glasfaserverstärkter Wellkunststoff, wie er in der Schnellbauweise verwendet wird, zu minimalistischen Kuben geformt. Indem GRUNDMANN die Oberfläche des beige-weißen Materials in einem aufwendigen Prozess abschleift, werden einzelne Fasern als Maserung sichtbar und der sonst glänzende Ausgangsstoff mattiert und veredelt. Aus einem in Israel oft verwendeten Baumwolltuch mit schwarz-bunter Gitterstruktur schnitt die Künstlerin per Hand die einzelnen Farbfelder mit einer Schere aus, um es wie eine Tapetisserie in eindeutigem Bezug auf die modernistische Formsprache eines SOL LEWITT in den Ausstellungsraum zu installieren. Ihre oft minimalistischen Arbeiten oszillieren zwischen industrieller Massenfertigung und Handarbeit, Hoch- und Minderwertigkeit, Design- und Alltagsobjekt, und lassen den Betrachter im unsicheren Raum zwischen Schein und Sein. Die Arbeiten in der Ausstellung entstanden während ihres Arbeitsaufenthaltes in Tel Aviv, Israel, 2008/09.
MONIKA STRICKER wurde 1978 in Düsseldorf geboren, wo sie lebt und arbeitet. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei RITA MCBRIDE und MAGDALENA JETELOVÁ, bevor sie ihr Studium als Meisterschülerin von RITA MCBRIDE abschloss. Wie GESINE GRUNDMANN arbeitet auch MONIKA
STRICKER in den Medien Bildhauerei und Installation. STRICKER verhandelt in ihren Arbeiten Formen und Inhalte der Kunst- und Alltagsgeschichte.
Designte Räucherstäbchenhalter – wie auf dem Aufkleber für Mitglieder des Bonner Kunstvereins 09 – befinden sich ebenso darunter wie Kleidung oder Requisiten aus Filmen. STRICKER geht es um die Formsprache ihrer Objekte und deren Bedeutungszusammenhänge. Indem sie vorgefundene Formen und Gegenstände in neue Zusammenhänge überführt, untersucht sie deren gegenwärtige oder auch zukünftige Gültigkeit. Oft wirken ihre Arbeiten wie ironische Kommentare, die subtil an feststehenden Begrifflichkeiten, Bedeutungen und Behauptungen zerren. Ihre Arbeit im Bonner Kunstverein setzt sich mit ornamentalen Stammeszeichen, sogenannten Tribals auseinander, wie sie uns heute alltäglich als Tattoo Motive begegnen.

FOYER: CHRISTINE WÜRMELL
CHRISTINE WÜRMELL (*1972, lebt in Berlin) ist nach MICHAEL BAUER und PHILIPPE DECRAUZAT eingeladen, für ein Jahr das Foyer im Bonner Kunstverein zu bespielen. WÜRMELL war Meisterschülerin von GEORG BASELITZ und erwarb den MA Arts am California Institute of the Arts, Los Angeles, USA. CHRISTINE WÜRMELL entwickelt für den Bonner Kunstverein eine neue, großformatige Collage, die sich über die gesamte Wandlänge des Foyers erstreckt. In ihrer konzeptuellen Herangehensweise interessiert sich die Künstlerin für die vielfältigen Strategien künstlerischer Partizipationsmöglichkeiten vor allem im Bereich der visuellen Kommunikation. Signets, Graffitis, Tags oder Nummerncodes, wie sie in unterschiedlicher Weise im öffentlichen Raum vorzufinden sind, untersucht sie hinsichtlich ihrer Funktionalität, Codierung und Zielgruppe. Die Arbeit im Bonner Kunstverein verweist unter anderem auf die jüngst in Berlin auf die Scheiben von UBahnzügen eingeschliffenen Reliefs in Form des Brandenburger Tors. Das Wahrzeichen der Hauptstadt wird so nicht nur Teil eines ornamentalen Musters, sondern gleichzeitig Sichtschutz, Sichtbehinderung und Schutz vor vorsätzlichem Vandalismus, soll es doch Scratcher und Sprayer davon abhalten, selbst Hand an die Scheiben zu legen. Touristen können diese so stilisierte Triumpharchitektur und gleichzeitiges Symbol der Teilung zwischen Ost und West in ein Trinkglas geschliffen, auch als Andenken erwerben. Durch Malerei, Zeichnung und Fotografie eignet sich WÜRMELL einzelne Ausschnitte dieser allgegenwärtigen Zeichen- und Bildphänomene an, um sie in einer widersprüchlichen, durchaus ironischen Collage in ein neues Spannungsfeld von Beziehungen einzugliedern und somit auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen.

ERÖFFNUNG
Freitag, 8. Mai, 19 Uhr
Begrüßung: Thomas Grundmann, 1. Vorsitzender
Einführung: Christina Végh und Anna Dietz

FÜHRUNGEN
Mittwoch, 20. Mai, 18 Uhr Führung in den Ausstellungen mit Stephan Strsembski
Donnerstag, 18. Juni, 18 Uhr Führung in den Ausstellungen mit Anna Dietz

KÜNSTLERSCHÜLER
Montag, 25. Mai, 17 Uhr In Kooperation mit dem Bonner Helmholtz-Gymnasium sind SchülerInnen der Oberstufe zu einem Künstlergespräch mit GESINE GRUNDMANN und MONIKA STRICKER eingeladen. Ein gemeinsamer Rundgang mündet in ein Gespräch mit den StipendiatInnen über künstlerische Fragestellungen und das Berufsbild Künstler. Die Veranstaltung ist auch offen für interessierte SchülerInnen anderer Oberstufenjahrgänge. Moderation und Anmeldung: Anna Dietz, 0228 693936, E-Mail

KÜNSTLERGESPRÄCHE
Dienstag, 16. Juni, 19 Uhr Künstlergespräch mit GESINE GRUNDMANN und
MONIKA STRICKER, Moderation: Catrin Lorch, Kunstkritikerin
Dienstag, 30. Juni, 19 Uhr Künstlergespräch und Künstlerbuchpräsentation mit ANNA LEA HUCHT. Moderation: Prof. Anne-Marie Bonnet (Universität Bonn) und Christina Végh

KUNST FÜR KINDER
Die Künstlerinnen ANNA LEA HUCHT, GESINE GRUNDMANN und MONIKA STRICKER haben für Kinder und Jugendliche je ein KunstStück hinterlassen. Zu folgenden Terminen werden dazu Workshops für Kinder in den Ausstellungen stattfinden:
Samstag, 23. Mai 2009, 15 Uhr KunstStück: Schein-Bar. Für Kinder von 7–13 Jahren. Mit Felicitas Rohden.
Sonntag, 24. Mai 2009, 15 Uhr KunstStück Stilleben. Für Kinder von 3–7 Jahren. Mit Britta Schaffeld.
Samstag, 6. Juni 2009, 15 Uhr KunstStück: Tattoo. Für Kinder von 7–13 Jahren. Mit Felicitas Rohden.
Sonntag, 7. Juni 2009, 15 Uhr KunstStück: Hartes Weich. Für Kinder von 3–7 Jahren. Mit Britta Schaffeld.

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