(openPR) Eine wahre Klärschlamm-Flut stellt China vor große Probleme: Für die steigende Anfallmenge muss das Land schnellstens praktikable, ökologische und ökonomische Entsorgungslösungen finden. Dazu sucht die Volksrepublik ausländisches Know-how und effiziente Technologien. Lösungen dazu bietet vom 23. bis 25. September 2008 die Umweltmesse IFAT CHINA in Shanghai. Bereits bei der Veranstaltung im Juni 2006 nahmen Komponenten und Komplettlösungen aus dem Bereich Wasser/Abwasser breiten Raum unter den damals 284 Ausstellern aus 25 Nationen ein.
Die Abwasserreinigung in China macht Fortschritte: Nach den offiziellen Statistiken des Landes wurden im vergangenen Jahr 57 Prozent des in den Städten anfallenden Abwasser behandelt. Mehr geklärtes Abwasser bedeutet aber auch mehr Klärschlamm, für den es vielerorts in China noch keine geeignete Verwertungs- oder Entsorgungslösung gibt. Ein deutliches Bild des Problems zeichnet eine aktuelle Studie, die deutsche Beratungsunternehmen – finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über die KfW – in sieben großen chinesischen Städten durchgeführt haben. Demnach war es bislang in der Volksrepublik zum Teil üblich, den Klärschlamm auf Deponien abzulagern: ein Entsorgungsweg, der durch den hohen Wassergehalt des Materials und die damit einhergehende Instabilität der Deponiekörper kaum mehr realisierbar ist. Die Dünnflüssigkeit des Klärschlamms in China ist eine Folge der ungenügenden Entwässerung und Trocknung: die Kläranlagen im Reich der Mitte verfügen derzeit zur Schlammaufbereitung oftmals nur über Bandfilterpressen oder
Zentrifugen, die den Wassergehalt auf gerade mal 75 bis 80 Prozent reduzieren – zu feucht für ein sinnvoll deponierbares Substrat.
Auch der Einsatz des Schlamms als Dünger in der Landwirtschaft ist wegen seiner oft hohen Schadstoffbelastung nur begrenzt möglich. Die Gifte stammen hauptsächlich von Industrieabwässern; sie werden beim Reinigungsprozess in den Schlamm eingebunden. Eine Folge der ungelösten Entsorgungsfrage sind Zwischenlager, häufig auf dem Gelände der Kläranlage selbst, die in vielen Fällen ihre Kapazitätsgrenzen bereits erreicht haben. Manche Anlagenbetreiber sind dazu übergegangen, das lästige Material wieder in die Flüsse einzuleiten oder im Meer zu verklappen. Aus ökologischer und letztlich auch ökonomischer Sicht sind dies unhaltbare Zustände – und doch ist dies nur der Anfang einer Schlammlawine, die auf Chinas Abwasserwirtschaft zurollt. Schließlich sieht der elfte Fünf-Jahres-Plan für 656 Städte in China eine Steigerung der Klärquote auf 70 Prozent bis zum Jahr 2010 vor. Bei einem Anfall von rund 300 Gramm pro Kopf und Tag (bei 80 Prozent Wassergehalt) summiert sich die zu erwartende, landesweite Klärschlammmenge auf über 150.000 Tausend Tonnen täglich.
Nach Einschätzung der an der KfW-Studie beteiligten Experten sind es vor allem rechtliche Unsicherheiten, fehlendes technisches Know-how und ungeklärte Finanzierungsfragen, die die chinesischen Kläranlagenbetreiber bislang von einer nachhaltigen Klärschlammentsorgung abgehalten haben. Die internationalen Industrieländer, allen voran Deutschland, unterstützen China bei der Suche nach sinnvollen Lösungswegen. So veranstalteten zum Beispiel Ende Juni dieses Jahres die KfW Entwicklungsbank und die chinesische National Development & Reform Commission unter Beteiligung des Bundesumweltministeriums in Beijing einen bilateralen Workshop zur nachhaltigen Klärschlammbeseitigung. Hierbei wurde deutlich, dass es wohl keine Standardlösung für die chinesische Klärschlammfrage geben wird, sondern vielmehr eine Mischung aus Deponieeinlagerung, landwirtschaftlicher Nutzung sowie thermischer Verwertung. Um den Klärschlamm deponiefähig zu machen, ist die weitere Reduzierung des Wassergehaltes durch moderne Anlagenkomponenten wie Kammerfilterpressen erforderlich.
Viele Workshop-Teilnehmer sahen vor allem die Co-Verbrennung in Kohlekraftwerken, in Zementwerken oder in Müllverbrennungsanlagen als geeignete Verwertungsoption an. Gerade die Mitverbrennung in Kraftwerken stellt angesichts mehrerer hundert Kohlekraftwerke in China ein großes, bisher ungenutztes Potenzial dar. Voraussetzung aus ökologischer Sicht ist hierzu allerdings auch der Einsatz einer leistungsfähigen Rauchgasreinigung.
Deutschland ist bei den Technologien zur Klärschlammbehandlung und Abfallverbrennung einer der weltweiten Vorreiter. Um entsprechende Anlagen im Einsatz zu zeigen, veranstaltet das Bundesumweltministerium im November dieses Jahres für chinesische Entscheidungsträger eine Informationsreise nach Deutschland.
Weitere Informationen zur IFAT CHINA erhalten Sie unter www.ifat-china.com
Über die IFAT CHINA
IFAT CHINA ist die umfassende Fachmesse für praxisorientierte Lösungen in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, Abfallentsorgung, Recycling, Luftreinhaltung, Umwelttechnik sowie erneuerbare Energien in Asien. Die Messe bietet die Geschäfts- und Networking-Plattform für chinesische und internationale Branchenvertreter und wird von einem fundierten technisch-wissenschaftlichen Konferenzprogramm begleitet. Die IFAT CHINA 2006 hatte 284 Aussteller aus 25 Ländern und ca. 10.000 Besucher aus 66 Ländern. Die 3. Internationale Fachmesse für Wasser, Abwasser, Abfall, Recycling und Erneuerbare Energien findet vom 23. - 25. September 2008 auf dem Shanghai New International Expo Centre (SNIEC) in China statt.
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