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Schnelle Hilfe für Wildtiere per App

11.03.2026 • 08:50 Uhr • IT, New Media & Software

(openPR) Osnabrück/Hannover. Der Frühling naht – damit steigt das Risiko für Wildunfälle und verletzte, verirrte oder alleingelassene Jungtiere. Wer ein solches Tier findet oder gar wegen Wildwechsels einen Unfall hat, muss oft schnell handeln. Dafür hat die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover die jetzt verfügbare App Wildtier-SOS entwickelt. In kurzer Zeit und mit wenigen Fragen können Tierart, Situation und eventuelle Ansprechstationen ermittelt werden. Das Ziel: schnelle Hilfe, um Tierleid durch fehlende Ansprechpersonen und unsachgemäße Versorgung zu verhindern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 250.000 Euro.

Gutgemeinte Hilfe kann der falsche Weg sein

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde weist auf die verletzlichen heimischen Ökosysteme hin, die Lebensräume für zahlreiche Tierarten bieten. Bonde: „Werden zu viele Wildtiere aus ihrem natürlichen Revier entnommen, kann das ganze Populationen und das ökologische Gleichgewicht gefährden.“ Dies ist laut Prof. Dr. Michael Pees von der Stiftung Tierärztliche Hochschule vor allem bei Jungvögeln und Feldhasen ein alljährliches Problem – auch durch eigentlich gutgemeinte Hilfeaktionen. Pees: „Wenn Menschen vermeintlich verwaiste Jungtiere finden, sind viele mit dem richtigen Vorgehen überfragt. Häufig werden die Tiere einfach ihrer natürlichen Umgebung entnommen – obwohl das oft das falsche Vorgehen ist.“ Bei wirklich hilfsbedürftigen Tieren fehle es hingegen meistens an Fachwissen oder geeigneten Kontaktpersonen. Tiere leiden Pees zufolge demnach etwa dann unnötig, wenn sie zu lange auf fachgerechte Hilfe warten müssen oder von Laien selbst versorgt werden. Um dies zu verhindern, haben sein Team und er die App Wildtier-SOS entwickelt, die ab heute (Mittwoch) kostenlos zum Herunterladen auf den üblichen Plattformen bereitsteht. Damit wird laut Pees durch die Beantwortung von wenigen Fragen mit Ja- und Nein-Antworten die in der jeweiligen Situation passende Hilfe angeboten – ganz ohne Anmeldung oder das Sammeln persönlicher Daten.

Mit wenigen Fragen Identifizierung eines Tieres

Wenn man ein potenziell hilfsbedürftiges Tier findet, erfüllt die App nach Pees‘ Worten drei Grundfunktionen: „Innerhalb von im Regelfall zwei Fragen wird eine Tiergruppe bestimmt. Danach gehen die Fragen vom Allgemeinen ins Spezielle.“ So finde man heraus, ob das Tier ein Problem hat oder ob das Verhalten natürlich ist. Pees: „Sitzt ein Rehkitz allein im Feld, ist Eingreifen oft die falsche Entscheidung. Meist kommt die Mutter des Tiers bald zurück.“ In so einem Fall gebe die App die passenden Handlungsvorschläge. Pees weiter: „Bei Hilfebedarf vermittelt die App zügig die richtigen Ansprechpartner wie Wildtierstationen, Veterinärkliniken, zuständige Behörden sowie Polizei und Feuerwehr in der Region.“ Sollte eine offensichtliche Verletzung vorliegen oder ein Wildunfall passiert sein, kommt man schneller zu einer Empfehlung. „Hier zählt jede Minute, damit dem Tier geholfen werden kann“, so Pees.

Datenbasierter Schutz für Mensch und Tier

Das Ziel der App: „Wir wollen möglichst viele Tiere schützen – sowohl die einzelnen eventuell verletzten als auch die Population der Wildtiere“, so Pees. Der Projektleiter weiter: „Viele Menschen bringen verirrte oder verletzte Tiere früher als nötig zu Hilfestellen – obwohl sie in der Natur viel besser überleben könnten.“ Daher würden jedes Jahr zu viele Wildtiere ihren Lebensräumen entrissen. „Gleichzeitig kann unbedachtes Handeln bei wilden Tieren Menschen gefährden – wir wollen mit der App vertrauenswürdige Unterstützung liefern“, sagt Pees. Das Projekt soll laut DBU insgesamt einen Beitrag zur Stabilisierung von Wildtierpopulationen und zum Biodiversitätsschutz leisten. Aktuell umfasst die Datenbank nach Pees‘ Angaben rund 100 in Deutschland am häufigsten vorkommende Wildtierarten, was knapp 95 Prozent der anfallenden Fälle abdeckt. Dazu kommen mehr als 4.000 bundesweit verteilte Notfallkontakte. Pees: „Ziel ist eine deutliche Erweiterung beider Datenbanken.“ Dabei kooperieren die Forschenden wie bei der Entwicklung der App mit dem Berliner Unternehmen Initree-Software.

Kamera-Erkennung per KI und Populationsüberwachung

In Planung ist Pees zufolge nun ein KI-gestütztes System zur Erkennung der Tiere per Handykamera. Wer ein Tier findet, muss so die Art nicht vorab selbst bestimmen, wenn unklar ist, um welches Tier es sich handelt. Diese Entwicklung wird gleichfalls durch die DBU gefördert. Geht es nach Pees, entwickelt sich die App zu einer umfangreichen Plattform für Wildtierarten – mit Beteiligung möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger in sogenannten Citizen-Science-Projekten. Nach Pees‘ Worten wird die Identifizierung von Populationsgebieten seltener Tierarten dadurch erleichtert, dass Bürgerinnen und Bürger dafür die App nutzen können. Pees: „Durch diese ehrenamtliche Beteiligung der Bevölkerung können Forschende zahlreiche wichtige Daten sammeln, die ansonsten viel schwieriger zu beschaffen wären und so zur Wildtierforschung und zum -schutz beitragen.“

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