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Wenn Diskriminierung Vertrauen kostet

27.02.202612:29 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Diskriminierung ist für viele Musliminnen und Muslime in Deutschland Alltag – mit Folgen, die weit über persönliche Kränkungen hinausgehen. Eine Studie des Forschungszentrums für Islam und Recht in Europa an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigt erstmals experimentell, wie Diskriminierungserfahrungen das Vertrauen in staatliche Institutionen beeinflussen – insbesondere in die Polizei. Zugleich bleibt die grundsätzliche Unterstützung der Demokratie stabil. Die Ergebnisse des Forschungsteams um FAU-Wissenschaftlerin Dr. Stephanie Müssig liefern wichtige Impulse für Politik, Gesellschaft und muslimische Gemeinden – und machen zugleich Mut.

Wie wirken sich Diskriminierungserfahrungen auf Einstellungen und Verhalten von Musliminnen und Muslimen hierzulande aus? Und was bedeutet das für ihr Vertrauen in Staat und Demokratie? Diese Fragen standen im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit des Teams um Dr. Stephanie Müssig, Politik- und Islamwissenschaftlerin am FAU EZIRE.

„Wir wissen seit Langem, dass Musliminnen und Muslime in Deutschland Diskriminierung erleben – etwa auf dem Arbeitsmarkt. Was bisher fehlte, war belastbare Forschung dazu, wie sich diese Erfahrungen auf politische Einstellungen auswirken“, sagt die FAU-Wissenschaftlerin. Genau hier setzte das von ihr geleitete Teilprojekt zur Diskriminierungswahrnehmung im Rahmen des FAU-Projekts „Wechselwirkungen“ an.

Was Diskriminierung mit Einstellungen macht

Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und wie wahrgenommene oder erfahrene Diskriminierung mit dem Vertrauen in politische Institutionen zusammenhängt. „Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist Vertrauen zentral“, betont Müssig. „Wer sich systematisch benachteiligt fühlt, verliert Vertrauen – mit Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Das Besondere: Erstmals wurde in Deutschland ein randomisiertes kontrolliertes Experiment zu diesem Thema durchgeführt. In einem Online-Experiment mit 135 Studierenden in Fächern mit Nahost- und Islambezug wurde untersucht, wie Informationen über Diskriminierung – etwa die Benachteiligung kopftuchtragender Musliminnen auf dem Arbeitsmarkt – das politische Vertrauen beeinflussen. Ergänzend fanden sieben Gruppendiskussionen mit Musliminnen und Muslimen statt.

Vertrauensverluste sind messbar

Die Ergebnisse sind eindeutig: Diskriminierung wirkt – und zwar messbar. Vor allem gruppenbezogene Diskriminierungswahrnehmungen beeinflussen politische Einstellungen. „Wir konnten nachweisen, dass das Vertrauen in die Polizei signifikant sinkt, wenn Musliminnen und Muslime mit Informationen über Diskriminierung ihrer Gruppe konfrontiert werden“, erklärt Müssig. Bei Teilnehmenden mit ausgeprägter muslimischer Identität zeigte sich zusätzlich ein geringeres Vertrauen in den Deutschen Bundestag. Andere Institutionen wie Gerichte oder Bundesregierung waren weniger betroffen.

In den Gruppendiskussionen wurde zudem deutlich, dass viele Musliminnen und Muslime den Eindruck haben, staatliche Institutionen könnten zwar vor Diskriminierung schützen, seien dazu aber nicht immer bereit. „Der Staat wird nicht nur als Schutzinstanz gesehen, sondern teilweise auch selbst als Quelle von Diskriminierung – etwa durch politische Entscheidungen, behördliche Praxis oder öffentliche Rhetorik“, sagt Müssig. Trotz dieser Erfahrungen zeigen die Ergebnisse keine Abkehr von Demokratie oder Gesellschaft.

Engagement trotz Enttäuschung

Im Gegenteil: Das generelle Vertrauen in den Staat bleibt vergleichsweise hoch und viele Musliminnen und Muslime wollen sich weiterhin aktiv einbringen. „Viele sagen: Wir sind enttäuscht, ja. Aber wir glauben, dass es besser wird – besonders für unsere Kinder. Und dafür engagieren wir uns“, betont Müssig. Die Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, muslimische Erfahrungen ernst zu nehmen. Stigmatisierende Zuschreibungen, pauschale Sicherheitsdebatten und generalisierende Darstellungen können Vertrauen untergraben und die hohe Bereitschaft, sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu engagieren, schwächen.

„Vertrauen ist keine Einbahnstraße“, betont Müssig. „Unsere Studie zeigt: Wer Diskriminierung reduziert, stärkt die Demokratie.“ Die Studie entstand im Rahmen des FAU-Projekts „Wechselwirkungen“, angesiedelt am FAU EZIRE. Dieses hat von 2020 bis Ende 2024 unter der Gesamtleitung von Dr. Jörn Thielmann (Geschäftsführer des FAU EZIRE) gesellschaftliche Diskurse über Islam, Islamismus und Maßnahmen gegen Radikalisierung untersucht.

Kontakt für Medien:
Dr. Stephanie Müssig
FAU Forschungszentrum Islam und Recht in Europa
Tel.: 09131/85-26380
E-Mail

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Stephanie Müssig
FAU Forschungszentrum Islam und Recht in Europa
Tel.: 09131/85-26380
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