openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Wie das Gehirn den Raum erobert

08.01.202608:32 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Wie das Gehirn den Raum erobert

(openPR) Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung des Biologen Prof. Andrew Parker von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist es gelungen, ohne Eingriff in das menschliche Gehirn nachzuweisen, wie es räumliche Tiefe und Entfernungen wahrnimmt und verarbeitet. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten die hochauflösende Magnetresonanztomografie, um erstmals die Aktivität kleiner, voneinander abgegrenzter Verarbeitungseinheiten beim Menschen nicht-invasiv sichtbar zu machen.

Die Studienergebnisse liefern wichtige Hinweise für die Diagnose und mögliche Behandlung zentraler Sehstörungen, die nicht im Auge selbst, sondern im Gehirn entstehen. „Wir können nun sehr genau verfolgen, wie das Gehirn räumliche Informationen verarbeitet“, so Prof. Andrew Parker. „Damit verstehen wir besser, wie Störungen der Tiefenwahrnehmung entstehen und wie man sie künftig diagnostizieren oder behandeln könnte.“ Zudem erkläre die Arbeit ein grundlegendes Prinzip der visuellen Orientierung, das für Medizin, Robotik, Virtual-Reality-Systeme und andere technologische Anwendungen von Bedeutung sei.

Wer mit beiden Augen sieht, kann Entfernungen und Tiefenunterschiede erkennen, etwa, wenn ein Ball auf einen zufliegt. Die Wahrnehmung der räumlichen Tiefe entsteht aus dem Vergleich der leicht unterschiedlichen Bilder beider Augen. Das Gehirn berechnet diese räumliche Tiefe, indem es die leicht unterschiedlichen Bilder beider Augen miteinander vergleicht.

Bisher war dabei bekannt, dass einzelne Nervenzellen bestimmte Reize wie Form, Bewegung oder Tiefe verarbeiten. Unklar blieb jedoch, wie diese Informationen beim Menschen zusammengeführt und organisiert werden. Das Team um Prof. Parker konnte nun zeigen, dass das Gehirn dafür einzelne Nervenzellgruppen nutzt, die jeweils auf bestimmte Merkmale reagieren, etwa auf Form, Bewegung oder eben Tiefe. Diese sogenannten rezeptiven Felder bilden die Grundlage für die Verarbeitung der vielen Bildeindrücke, die unser Gehirn in Sekundenbruchteilen zusammensetzt.

Für die Studie betrachteten Versuchspersonen speziell entwickelte 3D-Muster, während ein besonders empfindliches MRT-Gerät ihre Hirnaktivität erfasste. Dabei lagen die Versuchspersonen in einem zylindrischen Kanal, der ein starkes Magnetfeld erzeugt. Sie betrachteten die 3D-Bilder mit einem speziell entwickelten Viewer, der dem linken und rechten Auge unabhängig voneinander visuelle Muster präsentiert. Wenn die Tiefe der Muster verändert wurde, waren kleine Veränderungen im lokalen Blutfluss mit dem MR-Scanner innerhalb des visuellen Kortex mit einer Präzision von 1-2 mm erkennbar.

Aus diesen Daten rekonstruierte das Forschungsteam, wie das Gehirn verschiedene Tiefenstufen verarbeitet. Die Aktivitätsmuster wiesen darauf hin, dass das menschliche Gehirn besonders fein auf geringe Unterschiede in der Tiefe reagiert.

Die Studie erschien unter dem Titel Receptive fields from single-neuron recording and MRI reveal similar information coding for binocular depth in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), einer der international führenden Fachzeitschriften für naturwissenschaftliche Forschung. PNAS veröffentlicht begutachtete Beiträge aus Biologie, Medizin, Physik und verwandten Disziplinen und zählt zu den weltweit meistzitierten wissenschaftlichen Journalen.

An der Studie waren Forscherinnen und Forscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Universität Oxford, des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg und der Universität Pisa beteiligt.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Andrew J. Parker
Institut für Biologie
E-Mail

Originalpublikation:
Link zur Originalstudie: DOI: 10.1073/pnas.2409893122

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1300443
 276

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Wie das Gehirn den Raum erobert“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: VR, Robotik und Eye-Tracking: Innovations-Labor der DHBW VS bietet KI-Kompetenz und technologische Innovationskraft Bild: VR, Robotik und Eye-Tracking: Innovations-Labor der DHBW VS bietet KI-Kompetenz und technologische Innovationskraft
VR, Robotik und Eye-Tracking: Innovations-Labor der DHBW VS bietet KI-Kompetenz und technologische Innovationskraft
Das Innovations-Labor (Innolab) der DHBW Villingen-Schwenningen ist die zentrale Anlaufstelle für innovative Technologien und moderne Methodenkompetenz. Verantwortlich ist das Education Support Center (ESC), das als Dienstleister für Lehrende, Studierende und perspektivisch auch für Duale Partner agiert. Mit Technologien wie Virtual-Reality-Brillen, Robotik-Systemen und Eye-Tracking-Geräten schafft das ESC eine Infrastruktur, die Lehre, Forschung und Transfer gleichermaßen stärkt. „Studierende und Dozierende können die Leistungen des ESC in …
BreGoS² – Nachhaltigkeitsverbund der Bremischen Hochschulen geht in die nächste Runde
BreGoS² – Nachhaltigkeitsverbund der Bremischen Hochschulen geht in die nächste Runde
In der zweiten Förderphase soll unter dem Titel BreGoS² aus einem zeitlich befristeten Forschungsprojekt Schritt für Schritt eine tragfähige Struktur für mehr Nachhaltigkeit im Hochschulalltag werden. Beteiligt sind die Hochschule Bremen, die Hochschule Bremerhaven und die Universität Bremen. Gemeinsam vertiefen sie ihre Zusammenarbeit, um Lösungen zu entwickeln, die den Hochschulbetrieb langfristig nachhaltiger machen und zugleich Vorbild für andere Einrichtungen sein können. In der ersten Projektphase haben die beteiligten Hochschulen geze…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Gönn deinem Gehirn eine kreative Pause!Bild: Gönn deinem Gehirn eine kreative Pause!
Gönn deinem Gehirn eine kreative Pause!
Grafenau 24.04.2023 – Wir erwarten von unseren Gehirnen ständig Höchstleistung. Es geht darum, dass wir unsere Aufgaben und Herausforderungen gut bewältigen. Für das Gehirn bedeutet das ein ständiges Wahrnehmen, Erkennen, Filtern, Abgleichen, Bewerten,  Entscheiden. Für Entspannung bleibt kaum Zeit. „Wir halten unser Gehirn nicht besonders artgerecht. …
Höhere Effizienz in Webkonferenzen mit neuer 3D-Sound-Technologie
Höhere Effizienz in Webkonferenzen mit neuer 3D-Sound-Technologie
… belegt. Schlechte Tonqualität sorgt für schlechte Ergebnisse Die Forscher der TU Berlin um Benjamin Blankertz haben herausgefunden, dass schlechte Tonqualität einen messbaren Effekt auf unser Gehirn hat. Das gilt auch dann, wenn die Übertragung subjektiv nicht als gestört wahrgenommen wird. Die schlechte Qualität sorgt dafür, dass unser Gehirn versucht …
Buddhismus und Neurologie: Braucht man zum Rechnen ein Gehirn oder geht es auch ohne?
Buddhismus und Neurologie: Braucht man zum Rechnen ein Gehirn oder geht es auch ohne?
Kulturinstitut Tibethaus Frankfurt präsentierte am 22.10.2010: Buddhismus und Neurologie: Braucht man zum Rechnen ein Gehirn oder geht es auch ohne? Solchen und anderen Fragen widmeten sich am 22.10.2010 Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley und der Tibetologe Oliver Petersen in der Dialogveranstaltung „Buddhismus und Neurologie“, die im Kulturinstitut Tibethaus …
Bild: Die aktuelle Buchempfehlung zum Thema Psychotherapie!Bild: Die aktuelle Buchempfehlung zum Thema Psychotherapie!
Die aktuelle Buchempfehlung zum Thema Psychotherapie!
Die aktuelle Buchempfehlung: Louis Cozolino: Warum Psychotherapie wirkt. Arbor Verlag 2017 Das menschliche Gehirn dürfte das einzige Organ auf diesem Planeten sein, das sich selbst erforscht, so hat es – wiederum – einmal ein kluger Kopf formuliert. Gerade in den letzten zehn bis 15 Jahren sind auf dem Gebiet der Neurowissenschaften hochinteressante …
Bild: Knapp 200 Junior-Studenten lernen, was ihr Gehirn auf Trab bringtBild: Knapp 200 Junior-Studenten lernen, was ihr Gehirn auf Trab bringt
Knapp 200 Junior-Studenten lernen, was ihr Gehirn auf Trab bringt
… KinderHochschul-Fest feierlich begehen wollen“, so Rektor Willingmann. Die 8- bis 12-Jährigen waren ins AudiMax geströmt, um von Dr. Thomas Piko mehr zum Thema „Wer bremst mein Gehirn und wer bringt es in Fahrt? - Forscher decken auf“ zu erfahren. Der Dozent vom Halberstädter Fachbereich Verwaltungswissenschaften bot den Kindern anschauliche Beispiele und viel …
Bild: Neue Life Kinetik® Kurse im Therapie- & Trainingszentrum Baumann in Poing bei MünchenBild: Neue Life Kinetik® Kurse im Therapie- & Trainingszentrum Baumann in Poing bei München
Neue Life Kinetik® Kurse im Therapie- & Trainingszentrum Baumann in Poing bei München
Fitnesstraining für Körper und Gehirn ab 11. Februar für Kinder und ab 12. Februar für Erwachsene Das Life Kinetik® Bewegungsprogramm zur Gehirnentfaltung trainiert Körper und Geist gleichzeitig. Nicht nur Leistungssportler profitieren davon, sondern alle, die ihre Leistungsfähigkeit steigern und ihrem Gehirn neue Impulse geben möchten. Leiter der Life …
Bild: Stress als Innovationskiller? Warum das Gehirn Pausen brauchtBild: Stress als Innovationskiller? Warum das Gehirn Pausen braucht
Stress als Innovationskiller? Warum das Gehirn Pausen braucht
… Die Folgen sind Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und eine sinkende Kreativität. Das sind Symptome, die ein wachsendes gesellschaftliches Phänomen darstellen.Zum TK-StressreportLeistungsgrenze Gehirn: Warum Reizüberflutung Kreativität hemmtIn der modernen Arbeitswelt ist Multitasking zur Norm geworden. Das Gehirn wird ständig mit neuen Informationen …
Entstehung Schlaganfall
Entstehung Schlaganfall
Ein Schlaganfall, auch als Insult, Gehirninfarkt, Hirnschlag oder englisch Stroke bezeichnet, ist die Folge einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Nervenzellen im entsprechenden Gebiet des Gehirns können dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden – und sterben ab. Wie es zu der Durchblutungsstörung im …
Bild: Neuroplastizität und Bewegung - "Bewegung statt Pillen"Bild: Neuroplastizität und Bewegung - "Bewegung statt Pillen"
Neuroplastizität und Bewegung - "Bewegung statt Pillen"
Das menschliche Gehirn ist in hohem Maße formbar. In der Sprache der modernen Neurobiologie nennt man dies „Neuroplastizität“. Die Plastizität des Gehirn besteht von der ersten zellulären Entwicklungsebene des Menschen bis hinauf ins hohe Lebensalter. Vermutet wird eine Formbarkeit des menschlichen Gehirns bis zum Alter von etwa 76 Jahren. In dieser …
Bild: Mentaltraining – für geistige Agilität bis ins hohe AlterBild: Mentaltraining – für geistige Agilität bis ins hohe Alter
Mentaltraining – für geistige Agilität bis ins hohe Alter
Seniorencoaching von Coaching You© zögert Vergesslichkeit und Gehirnermüdung hinaus Mag. Gabriela Schildbach, Gründerin des bekannten Trainingszentrums Coaching You, 1220 Wien, Dückegasse 7/3/44 unterstützt mit Gruppencoachings Menschen, die geistig jung bleiben möchten. Die wöchentlich stattfindenden zwanglosen Zusammenkünfte bieten Senioren eine regelmäßige …
Sie lesen gerade: Wie das Gehirn den Raum erobert