openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Neue Einblicke in die Grundprinzipien der Augenentwicklung

01.12.202511:03 UhrEnergie & Umwelt
Bild: Neue Einblicke in die Grundprinzipien der Augenentwicklung

(openPR) Eine neue Studie unter der Leitung der Universität Wien und des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven zeigt, wie die Augen ausgewachsener Meeres-Ringelwürmer während ihres gesamten Lebens weiterwachsen – angetrieben von einem Ring aus neuralen Stammzellen, der an die Augen von Wirbeltieren erinnert. Darüber hinaus reagieren diese Stammzellen auf Umgebungslicht. Die in Nature Communications veröffentlichte Studie bietet neue Einblicke in die Grundprinzipien der Augenentwicklung und die Rolle des Lichts bei der Formung des erwachsenen Nervensystems – selbst bei Organismen, die oft als eher einfach angesehen werden.

Wenn man sich Lebewesen mit komplexen Augen vorstellt, denken die meisten Menschen an Säugetiere, Vögel oder vielleicht Tintenfische. Doch auch Ringelwürmer aus dem Meer – wie beispielsweise der Borstenwurm Platynereis dumerilii – haben Augen, die ähnlich wie die von Wirbeltieren und Kopffüßern aufgebaut sind. Diese sogenannten "Kameraaugen" ermöglichen mitunter eine überraschend hohe Sehschärfe. Ein internationales Team der Universität Wien, des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven und der Universität Oldenburg hat erforscht, wie die Augen dieser wirbellosen Tiere lebenslang wachsen – und faszinierende neue Erkenntnisse gewonnen.

Verschiedene Augen, gleiche Prinzipien

Kameraähnliche Augen bei wirbellosen Tieren und Wirbeltieren sind klassische Beispiele für parallele Evolution, d.h. sie entstanden vermutlich unabhängig voneinander als ähnliche Lösungen für dieselbe biologische Herausforderung. Das Team untersuchte die Augen ausgewachsener Platynereis-Würmer – eines Modellsystems, das seit langem zur Erforschung der Grundprinzipien der Photorezeptorfunktion und der Gehirnentwicklung verwendet wird. Die Analysen aus der Einzelzell-RNA-Sequenzierung von Erstautorin Nadja Milivojev vom Institut für Neurowissenschaften und Entwicklungsbiologie der Universität Wien enthüllten eine ausgeprägte Zone am Rand der Netzhaut, die dicht mit neuralen Stammzellen besetzt ist, die sich während des Wachstums des erwachsenen Auges aktiv teilen. "Es war bemerkenswert, sich teilende Zellen am Rand der Netzhaut des Wurms zu finden – genau an der Stelle, an der einige Gruppen von Wirbeltieren ihre Netzhautstammzellen für ein lebenslanges Augenwachstum erhalten", sagt Milivojev.

Tatsächlich wird angenommen, dass diese sogenannte "ziliäre Randzone" das kontinuierliche Augenwachstum unterstützt – ein Muster, das sich nun auch in der Netzhaut des Ringelwurms wiederfindet. "Bemerkenswerterweise zeigte Nadjas Arbeit, dass auch die Augen von Borstenwürmern neue Photorezeptorzellen hinzufügen und ihre Größe erweitern können – eine Eigenschaft, die außerhalb der Wirbeltierlinie noch nicht gut untersucht wurde", erklärt der leitende Autor Florian Raible von der Universität Wien, dessen Labor auf langjährige Erfahrung in der Stammzellbiologie zurückblicken kann.

Licht als Regulator

Noch faszinierender war die Entdeckung des Forschungsteams, dass das Augenwachstum bei erwachsenen Würmern ebenfalls durch das Licht in ihrer Umgebung reguliert wird. Durch detaillierte genetische und molekulare Analysen konnten sie zeigen, dass dieser Effekt durch ein c-Opsin vermittelt wird, ein lichtempfindliches Molekül, das auch in den Stäbchen- und Zapfenzellen der Netzhaut von Wirbeltieren vorkommt. Während frühere Studien gezeigt hatten, dass die Augen von Würmern auf eine andere Familie von Opsin-Molekülen angewiesen sind, kam die neue Erkenntnis über das Vorhandensein eines c-Opsins vom Typ der Wirbeltiere als große Überraschung. Die Wissenschafter*innen entdeckten, dass dieses lichtempfindliche Molekül in frühen Vorläufern der Photorezeptorzellen des Wurms vorhanden ist, was darauf hindeutet, dass es als molekularer Schalter fungiert, der das Umgebungslicht mit der Stammzellaktivität verbindet. Die Entdeckung unterstreicht, dass visuelle Systeme nicht nur Licht wahrnehmen, sondern dass ihre Entwicklung auch durch Licht reguliert werden kann.

Evolutionäre Echos

Die Ergebnisse schließen eine seit langem bestehende Lücke im Verständnis darüber, wie die Augen von Wirbellosen und Wirbeltieren wachsen und sich erhalten. Die Entdeckung, dass das Augenwachstum von Platynereis auch auf einer ringförmigen Organisation von neuralen Stammzellen beruht, bringt Biolog*innen dem Verständnis der universellen Prinzipien hinter der Organisation dieser Sinnesorgane näher. Es öffenen sich aber auch neue fundamentale Fragen. Könnten auch andere neuronale Stammzellen im Körper auf Umgebungslicht reagieren? Und wie könnte künstliche Beleuchtung solche natürlichen Regulationssysteme stören? "Grundlagenforschung, die Unerwartetes aufdeckt, ist eindeutig unerlässlich, um die biologische Komplexität des Lebens und die möglichen Konsequenzen menschlicher Umwelteinwirkungen zu verstehen", fasst die leitende Autorin Kristin Tessmar-Raible von der Universität Wien, dem Alfred Wegener Institut und der Universität Oldenburg zusammen.

Zusammenfassung:

• Das Team unter Leitung der Universität Wien und des Alfred-Wegener-Instituts für Meeresforschung untersuchte Meeresringelwürmer, die zur Aufdeckung wesentlicher Grundprinzipien der Augen- und Gehirnentwicklung und unkonventioneller Rollen von Lichtrezeptoren sehr relevant sind.
• In der Studie zeigen die Wissenschafter*innen, wie die Augen der Art Platynereis dumerilii während ihres gesamten Lebens weiterwachsen – angetrieben von einem Ring aus neuronalen Stammzellen, der an Stammzellzonen in den Augen von Wirbeltieren erinnert.
• Die Ergebnisse schließen eine seit langem bestehende Lücke im Verständnis darüber, wie die Kameraaugen von Wirbellosen und Wirbeltieren wachsen und sich erhalten, und legen nahe, dass trotz evolutionärer Divergenz gemeinsame zelluläre Strategien für Wachstum und Plastizität gelten.
• Die Entdeckung, dass das Augenwachstum von Platynereis auch auf einer ringförmigen Organisation von neuralen Stammzellen beruht, bringt Biolog*innen dem Verständnis der universellen Prinzipien hinter der Organisation dieser Sinnesorgane näher.

Über die Universität Wien:

Die Universität Wien setzt seit über 650 Jahren Maßstäbe in Bildung, Forschung und Innovation. Heute ist sie unter den Top 100 und damit den Top 4 Prozent aller Universitäten weltweit gerankt sowie in aller Welt vernetzt. Mit über 180 Studien und mehr als 10.000 Mitarbeitenden ist sie einer der größten Wissenschaftsstandorte Europas. Hier treffen Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um Spitzenforschung zu betreiben und Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen zu finden. Ihre Studierenden und Absolvent*innen gehen mit Innovationsgeist und Neugierde komplexe Herausforderungen mit reflektierten und nachhaltigen Lösungen an.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Kristin Tessmar-Raible
Department für Neurowissenschaften und Entwicklungsbiologie
Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien
1030 Wien, Dr. Bohrgasse 9/4
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
27570 Bremerhaven, Am Handelshafen 12
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
26129 Oldenburg, Ammerländer Heerstraße 114-118
T +43-1-4277-74635
E-Mail
Bluesky Account: @tessmarraiblelabs.bsky.social

Originalpublikation:
Nadja Milivojev, Federico Scaramuzza, Pedro Ozório Brum, Camila L. Velastegui Gamboa, Gabriele Andreatta, Florian Raible & Kristin Tessmar-Raible. Light-modulated stem cells in the camera-type eye of an annelid model for adult brain Plasticity. Nature Communications.
DOI: 10.1038/s41467-025-65631-0
https://www.nature.com/articles/s41467-025-65631-0

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1297745
 310

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Neue Einblicke in die Grundprinzipien der Augenentwicklung“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Arbeitszeitderegulierung - was wären die Folgen?Bild: Arbeitszeitderegulierung - was wären die Folgen?
Arbeitszeitderegulierung - was wären die Folgen?
Als Ziele einer Deregulierung werden unter anderem wirtschaftliche Impulse, mehr Flexibilität und eine Stabilisierung des Arbeitsvolumens trotz demografischen Wandels angeführt. Doch es ist höchst zweifelhaft, dass solche Ziele erreicht werden, analysieren Forschende der Hans-Böckler-Stiftung und anderer Einrichtungen in verschiedenen Untersuchungen. Erstens kann eine weitgehende Lockerung der täglichen Erwerbs-Arbeitszeit bestehende gesundheitliche Probleme in der Erwerbsbevölkerung verschärfen, was das Arbeitspotenzial schwächt statt stärkt…
Bild: THD kooperiert mit Westböhmischer Universität Pilsen bei neuem gemeinsamen ProjektBild: THD kooperiert mit Westböhmischer Universität Pilsen bei neuem gemeinsamen Projekt
THD kooperiert mit Westböhmischer Universität Pilsen bei neuem gemeinsamen Projekt
Das Projekt ist im Programm Interreg Bayern-Tschechien angesiedelt und wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. Im Mittelpunkt steht der für Unternehmen kostenfreie Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der bayerisch-tschechischen Grenzregion. Die besondere Herausforderung dieser Region liegt in komplexen Lieferketten und strukturellen Defiziten in der Datenqualität, die teilweise noch auf die wirtschaftliche Entwicklung seit dem Eisernen Vorhang zurückzuführen sind. …
16.01.2026
12:45

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Buch-Neuerscheinung heute „Das Wesen vom Krebs – Wachstum ohne Ziel“Bild: Buch-Neuerscheinung heute „Das Wesen vom Krebs – Wachstum ohne Ziel“
Buch-Neuerscheinung heute „Das Wesen vom Krebs – Wachstum ohne Ziel“
… klar zu werden,“ meint die renommierte Heilpraktikerin Dr. Rosina Sonnenschmidt. „Das Wesen vom Krebs“ bietet neben der ganzheitlichen Betrachtung der Krankheit auch Einblicke in die Grundprinzipien des Lebens sowie die Zusammenhänge der aktuellen Geschehnisse auf der Erde. Das Buch ist ab sofort erhältlich im Eichbaum Verlag und kostet als Hardcover …
Bild: Beam me up, Scotty - Wunsch und Wirklichkeit der berührungslosen EnergieübertragungBild: Beam me up, Scotty - Wunsch und Wirklichkeit der berührungslosen Energieübertragung
Beam me up, Scotty - Wunsch und Wirklichkeit der berührungslosen Energieübertragung
Wirklich neue Techniken sind selten geworden. Umso spannender sind anwendungsorientierte Weiterentwicklungen lange vorhandener Grundprinzipien wie bei der berührungslose Energieübertragung. Die heute bereits realisierbaren Leistungsübertragungen reichen von wenigen Milliwatt bis zu einigen 100 kW. Mindestens ebenso weit erstreckt sich das Anwendungsspektrum …
„Wahrnehmung und Kommunikation“ – 2. Expertenabend in der .garage berlin-brandenburg am 11. März 2009
„Wahrnehmung und Kommunikation“ – 2. Expertenabend in der .garage berlin-brandenburg am 11. März 2009
… bereits der erste Expertenabend ein voller Erfolg war, freut sich das Team der .garage berlin-brandenburg nun auf das kommende Thema „Wahrnehmung und Kommunikation – Grundprinzipien für den geschäftlichen Erfolg“. Kennen Sie das? Sie streiten sich mit Ihrem Partner über Belanglosigkeiten, raufen sich mit Ihren Kollegen, werden oft falsch verstanden…? …
Bild: Französische Unternehmen - Natürlich auf der VivanessBild: Französische Unternehmen - Natürlich auf der Vivaness
Französische Unternehmen - Natürlich auf der Vivaness
… oder Nahrungsergänzungsmittel erhalten die Messebesucher gleichzeitig Einblicke in spezifische Technologien und Herstellungsverfahren Jeder setzt sich für die Achtung der Grundprinzipien und Herstellungsvorschriften ein. Dieser Ansatz garantiert dem Verbraucher die Beschaffenheit und Qualität der mit dem COSMEBIO-Siegel ausgezeichneten Produkte. Weitere …
Bild: Die Grundprinzipien und Kriterien der Zahnmedizin in einer modernen Praxis oder ZahnklinikBild: Die Grundprinzipien und Kriterien der Zahnmedizin in einer modernen Praxis oder Zahnklinik
Die Grundprinzipien und Kriterien der Zahnmedizin in einer modernen Praxis oder Zahnklinik
Ihre ganzheitliche Zahngesundheit im Fokus: Wie moderne Zahnmedizin auf ethischen Grundprinzipien basiert und sowohl das Wohlbefinden als auch die Integrität der Patienten in den Mittelpunkt stellt. Dillingen, 15.08.2025 - Professionelle, zahnmedizinische Ethik und der Nutzen für Patienten Die zahnmedizinische Ethik ist ein Grundsatz, der in der modernen …
Kostenloses Webinar - ‚Agile at Scale‘
Kostenloses Webinar - ‚Agile at Scale‘
… Modell. Vor dem Hintergrund zahlreicher Kundenprojekte und großer Praxiserfahrung erklärt mm1 Managing Partner David B. Hofmann in seinem Webinar zunächst die Ursprünge und Grundprinzipien agiler Methoden sowie die Möglichkeiten und Limitierungen bei der Umsetzung im Konzernumfeld. Anschließend gibt er Einsicht in ausgewählte Best Practices und zeigt …
MOLEKULARES ENTWICKLUNGSPROGRAMM DES AUGES DANK BALZAN PREISGELD ENTSCHLÜSSELT
MOLEKULARES ENTWICKLUNGSPROGRAMM DES AUGES DANK BALZAN PREISGELD ENTSCHLÜSSELT
… für Entwicklungsbiologie, der an Prof. Walter Gehring verliehen wurde. Insgesamt wurden so über 150.000 einzelne Messungen von Genaktivitäten während der Augenentwicklung analysiert und in einer öffentlichen Datenbank verfügbar gemacht. Insekten haben komplexe Facettenaugen; Wirbeltiere invers aufgebaute Linsenaugen. Beide Augentypen unterscheiden sich …
EU muss sich für Medienfreiheit in Ungarn einsetzen
EU muss sich für Medienfreiheit in Ungarn einsetzen
… Sprecherin der grünen Bundatagsfraktion, Tabea Rößner. "Wenn die gesamte Medienlandschaft von der Regierung überwacht wird, ist das der Tod freier Medien. Demokratische Grundprinzipien werden so mit Füßen getreten." Journalistinnen und Journalisten haben den Mitgliedern des Kultur- und Medienausschusses des deutschen Bundestages bei einer Ausschuss-Reise …
Bild: Energie ohne KontaktBild: Energie ohne Kontakt
Energie ohne Kontakt
… für die täglichen Helfer wie Handy, u.a. Wirklich neue Techniken sind selten geworden. Umso spannender sind anwendungsorientierte Weiterentwicklungen lange vorhandener Grundprinzipien wie bei der berührungslosen Energieübertragung. Die heute bereits realisierbaren Leistungsübertragungen reichen von wenigen Milliwatt bis zu einigen 100 kW. Mindestens …
Vorteile am laufenden Band: Workshop beleuchtet Potentiale kontinuierlicher Partikelverarbeitung
Vorteile am laufenden Band: Workshop beleuchtet Potentiale kontinuierlicher Partikelverarbeitung
… Munde. Insbesondere in der Pharmaindustrie suchen Unternehmen Ansätze, um das in anderen Industrien breit eingeführte Verfahren zu etablieren. Doch was sind die Grundprinzipien und Vorteile der kontinuierlichen Granulation und welche praktischen Beispiele gibt es? Antworten darauf erhalten Interessierte beim Workshop Continuous Particle Processing vom …
Sie lesen gerade: Neue Einblicke in die Grundprinzipien der Augenentwicklung