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Guineapaviane teilen Fleisch nach festen sozialen Regeln

23.10.202511:47 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Guineapaviane teilen Fleisch nach festen sozialen Regeln

(openPR) Die Beziehungsqualität und die soziale Organisation einer Gesellschaft beeinflussen nicht nur bei Menschen, sondern auch bei anderen Primaten die Weitergabe wertvoller Ressourcen. Dies haben Forschende am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen am Beispiel der Guineapaviane (Papio papio) herausgefunden, die Fleisch nach ähnlichen Mustern weitergeben wie menschliche Jäger- und Sammlergesellschaften. Das Team analysierte 109 Ereignisse, in denen die Paviane Fleisch teilten, und kombinierte diese Aufzeichnungen mit Verhaltensdaten aus fast einem Jahrzehnt Freilandforschung. Je enger die Beziehung zwischen zwei Tieren war, desto wahrscheinlicher und friedlicher war der Fleischtransfer. Bei weniger eng verbundenen Gruppenmitgliedern kam es dagegen auch zu Diebstahl (iScience).

Das Teilen einer wertvollen Ressource wie Fleisch gilt bei Menschen als wichtiger Treiber für die Entwicklung komplexer, mehrschichtiger Gesellschaften. Der unterschiedliche Erfolg der Jagd in Verbindung mit dem hohen Nährwert erlegter Tiere hat frühe Menschen dazu veranlasst, Netzwerke zwischen Haushalten aufzubauen, um eine regelmäßige Versorgung mit Fleisch sicherzustellen. In menschlichen Jäger- und Sammlergesellschaften ist Fleisch eine wichtige Nahrungsquelle, die nur selten verfügbar ist und entsprechend der Hierarchie der Gemeinschaft innerhalb der Haushalte und Camps geteilt wird. Das Weitergeben essentieller Güter innerhalb komplexer menschlicher Sozialstrukturen geht jedoch mit kulturell bedingten sozialen Normen und Traditionen einher. Um besser zu verstehen, wie eine mehrstufige soziale Organisation das Teilen von Ressourcen innerhalb einer Gesellschaft ohne solche Normen beeinflusst, sind vergleichbare Studien anderer ähnlich strukturierter Sozialsysteme bei unseren nächsten Verwandten deshalb von großem Wert.

Tolerantes Teilen an der Basis

Um sich der Frage des Zusammenhangs zwischen Gesellschaftsaufbau und Ressourcenverteilung zu nähern, haben Forschende der Abteilung Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum Guineapaviane im Senegal neun Jahre lang beobachtet. Die Tiere leben in einem mehrschichtigen Sozialsystem. Die Basis der Gesellschaft ist die „Einheit“, die aus einem Männchen, mehreren assoziierten Weibchen und Jungtieren besteht. Drei bis vier „Einheiten“ bilden zusammen eine „Clique“, die durch dauerhafte Beziehungen zwischen miteinander verwandten Männchen verbunden ist. Die dritte Ebene bildet schließlich die „Gang“, die aus zwei bis drei Cliquen besteht. Sozialbeziehungen an der Basis der Gesellschaft sind enger als auf der Ebene der Gang.

Die Wissenschaftler*innen analysierten an der DPZ-Freilandstation Simenti insgesamt 109 Ereignisse, in denen Fleisch auch von anderen Gruppenmitgliedern verspeist wurde, die die Beute selbst nicht getötet hatten. Dabei kam es insgesamt zu 320 Fleischtransfers. Beim Transfer der Beute spielt die Beziehungsqualität eine wichtige Rolle: Je enger zwei Tiere sozial verbunden waren, desto größer war die Chance, Fleisch zu erhalten. Besonders tolerante Übergaben, bei denen Tiere ohne Streit Fleischstücke nahmen („passive sharing“), traten fast ausschließlich innerhalb der eigenen Einheit auf. Weiter oben in der Hierarchie – zwischen verschiedenen Einheiten oder innerhalb der Gang – waren Transfers seltener und weniger tolerant.

„Wir konnten zeigen, dass Guineapaviane Fleisch entlang ihrer sozialen Bindungen weitergeben“, erklärt William J. O’Hearn, Erstautor der Studie. „Diese Form des toleranten Teilens erinnert an das Verhalten menschlicher Jäger- und Sammlergruppen, bei denen Fleisch zunächst innerhalb der Familie verteilt wird und erst danach an entferntere Bekannte oder Nachbarn gelangt.“

Soziale Nähe bestimmt, wer was bekommt

Für ihre Analyse kombinierten die Forschenden direkte Verhaltensbeobachtungen mit statistischen Modellen, um die Stärke der Beziehungen zwischen den Tieren zu berechnen. Dabei zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Stück Fleisch zu bekommen, mit der sozialen Nähe zum „Besitzer“ deutlich stieg.

Interessanterweise teilen Guineapaviane ihr Fleisch nicht aktiv – niemand bietet es anderen an. Stattdessen wird Fleisch meist passiv weitergereicht: Ein Tier isst, lässt die Beute zurück und das nächste, sozial eng verbundene Tier, übernimmt. Diese Beobachtung legt nahe, dass auch bei Pavianen gegenseitiges Vertrauen und soziale Toleranz entscheidende Voraussetzungen für Kooperation sind.

Bedeutung für das Verständnis sozialer Evolution

Die Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass komplexe soziale Strukturen – also Gesellschaften mit mehreren, ineinander verschachtelten Ebenen – ähnliche Auswirkungen auf die Weitergabe von Ressourcen haben können, unabhängig von der Art. „Das deutet darauf hin, dass sich bestimmte soziale Prinzipien bei Menschen und nicht-menschlichen Primaten unabhängig voneinander, aber vergleichbar entwickelt haben könnten“, sagt Julia Fischer, Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am DPZ.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Julia Fischer
Tel.: +49 (0) 551 3851-375
E-Mail: E-Mail

Dr. William J. O’Hearn
Center for Research in Animal Behaviour
University of Exeter, UK
Tel.: +44 (0) 7442 012101
E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
O’Hearn WJ, Neuman C, Mundry R, Dal Pesco F, Fischer J (2025): Meat transfer patterns reflect the multi-level social system of Guinea baboons. iScience 28(11), 113619, https://doi.org/10.1016/j.isci.2025.113619

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