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ESO-Pressemitteilung: Könnte Hayabusa2 auf 1998 KY26 aufsetzen?

19.09.202511:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: ESO-Pressemitteilung: Könnte Hayabusa2 auf 1998 KY26 aufsetzen?

(openPR) Neue Studie zeigt, dass der Zielasteroid der Weltraummission kleiner und schneller ist als gedacht.

„Wir haben festgestellt, dass die tatsächlichen Eigenschaften des Objekts gänzlich anders sind als bisher beschrieben“, sagt der Astronom Toni Santana-Ros, Forscher an der Universität Alicante in Spanien, der eine Studie über 1998 KY26 leitete, die heute in Nature Communications veröffentlicht wurde. Die neuen Beobachtungen in Kombination mit früheren Radardaten haben ergeben, dass der Asteroid einen Durchmesser von nur 11 Metern hat, was bedeutet, dass er problemlos in die Kuppel des VLT-Teleskops passen würde, mit dem er beobachtet wurde. Außerdem dreht er sich etwa doppelt so schnell wie bisher angenommen: „Ein Tag auf diesem Asteroiden dauert nur fünf Minuten!“, betont er. Frühere Daten deuteten darauf hin, dass der Asteroid einen Durchmesser von etwa 30 Metern hätte und sich in etwa 10 Minuten einmal um sich selbst drehen würde.

„Die nun gemessene geringere Größe und schnellere Rotation machen den Besuch von Hayabusa2 noch interessanter, aber auch noch schwieriger“, sagt Mitautor Olivier Hainaut, Astronom bei der ESO in Deutschland. Denn das Landemanöver, bei dem die Sonde auf den Asteroiden aufsetzt, wird schwieriger durchzuführen sein als vorherzusagen.

1998 KY26 soll das letzte Etappenziel der Raumsonde Hayabusa2 der japanischen Weltraumagentur JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) sein. Im Rahmen ihrer ursprünglichen Mission erforschte Hayabusa2 im Jahr 2018 den Asteroiden 162173 Ryugu mit einem Durchmesser von 900 Metern und brachte im Jahr 2020 Asteroidenproben zur Erde zurück. Da noch Treibstoff vorhanden war, wurde die Raumsonde auf eine verlängerte Mission bis 2031 geschickt, um 1998 KY26 zu treffen und mehr über die kleinsten Asteroiden zu erfahren. Es wäre das erste Mal, dass eine Weltraummission einen winzigen Asteroiden trifft – alle bisherigen Missionen besuchten Asteroiden mit Durchmessern von Hunderten oder sogar Tausenden Metern.

Santana-Ros und sein Team beobachteten 1998 KY26 vom Erdboden aus, um die Vorbereitung der Mission zu unterstützen. Da der Asteroid sehr klein ist und daher schwach leuchtet, musste man für seine Untersuchung auf eine nahe Begegnung mit der Erde warten und große Teleskope wie das VLT der ESO in der chilenischen Atacama-Wüste einsetzen.

Die Beobachtungen ergaben, dass der Asteroid eine helle Oberfläche hat und wahrscheinlich aus einem festen Felsbrocken besteht, der möglicherweise von einem Teil eines Planeten oder eines anderen Asteroiden stammt. Das Team konnte jedoch nicht vollständig ausschließen, dass der Asteroid aus lose zusammenhängenden Geröllhaufen besteht. „Wir haben noch nie einen zehn Meter großen Asteroiden vor Ort gesehen, daher wissen wir nicht wirklich, was uns erwartet und wie er aussehen wird“, sagt Santana-Ros, der auch der Universität Barcelona angehört.

„Das Erstaunliche ist, dass der Asteroid in etwa so groß ist wie die Raumsonde, die ihn besuchen wird! Und dennoch ist es uns gelungen, ein so kleines Objekt mit unseren Teleskopen zu charakterisieren – ein Vorgehen, das wir künftig auch auf andere Objekte anwenden können“, sagt Santana-Ros. „Unsere Methoden könnten die Planung künftiger Missionen zur Erforschung erdnaher Asteroiden oder sogar zum Asteroidenbergbau beeinflussen.“

„Außerdem wissen wir jetzt, dass wir selbst die kleinsten gefährlichen Asteroiden analysieren können, die auf die Erde stürzen könnten, wie derjenige, der 2013 in der Nähe von Tscheljabinsk in Russland einschlug und kaum größer war als KY26“, schließt Hainaut.

Weitere Informationen
Diese Forschungsergebnisse wurden in einem Artikel mit dem Titel „Hayabusa2♯ mission target 1998 KY26 preview: decametre size, high albedo and rotating twice as fast“ vorgestellt, der in Nature Communications (doi: xx) erscheinen wird.

Das Team besteht aus T. Santana-Ros (Fachbereich Physik, Systemtechnik und Signaltheorie, Universität Alicante [Departamento de Física, Ingeniería de Sistemas y Teoría de la Señal, Universidad de Alicante], sowie Institut für Kosmoswissenschaften, Universität Barcelona [Institut de Ciències del Cosmos (ICCUB), Universitat de Barcelona (IEEC-UB)], Spanien), P. Bartczak (Universitätsinstitut für Angewandte Physik in Wissenschaft und Technologie, Universität Alicante [Instituto Universitario de Física Aplicada a las Ciencias y a las Tecnologías, Universidad de Alicante], Spanien, sowie Astronomisches Observatorium, Fakultät für Physik und Astronomie, Adam-Mickiewicz-Universität [AOI AMU], Polen), K. Muinonen (Fachbereich Physik, Universität Helsinki [UH], Finnland), A. Rożek (Institut für Astronomie, Universität Edinburgh, Royal Observatory Edinburgh [Institute for Astronomy, University of Edinburgh, Royal Observatory Edinburgh, IfA UoE], Vereinigtes Königreich), T. Müller (Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Deutschland), M. Hirabayashi (Georgia Institute of Technology, USA), D. Farnocchia (Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology [JPL], USA), D. Oszkiewicz (AOI AMU), M. Micheli (ESA ESRIN / Planetary Defence Office / NEO Coordination Centre, Italien), R. E. Cannon (IfA UoE), M. Brozovic (JPL), O. Hainaut (Europäische Südsternwarte [European Southern Observatory], Deutschland), A. K. Virkki (UH), L. A. M. Benner (JPL), A. Cabrera-Lavers (Großteleskop der Kanarischen Inseln [GRANTECAN] und Institut für Astrophysik der Kanarischen Inseln [Instituto de Astrofísica de Canarias], Spanien), C. E. Martínez-Vázquez (International Gemini Observatory / NSF NOIRLab, USA), K. Vivas (Cerro Tololo Inter-American Observatory / NSF NOIRLab, Chile).

Die Europäische Südsternwarte (ESO) befähigt Wissenschaftler*innen weltweit, die Geheimnisse des Universums zum Nutzen aller zu entdecken. Wir entwerfen, bauen und betreiben Observatorien von Weltrang. Astronom*innen nutzen sie, um spannende Fragen zu beantworten und die Faszination der Astronomie zu wecken. Außerdem fördern wir die internationale Zusammenarbeit in der Astronomie. Die ESO wurde 1962 als zwischenstaatliche Organisation gegründet. Heute wird sie von 16 Mitgliedsländer (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechien und das Vereinigte Königreich) sowie dem Gastland Chile und Australien als strategischem Partner unterstützt. Der Hauptsitz der ESO sowie das Besucherzentrum und Planetarium, die ESO Supernova, befinden sich in der Nähe von München in Deutschland. Die Teleskope der ESO stehen in der chilenischen Atacama-Wüste, einem wunderbaren Ort mit einzigartigen Bedingungen für die Himmelsbeobachtung. Die ESO betreibt drei Beobachtungsstandorte: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal stehen das Very Large Telescope (VLT) mit dem zugehörigen Very Large Telescope Interferometer (VLTI) sowie Durchmusterungsteleskope wie VISTA. Ebenfalls am Paranal wird die ESO das südliche Feld des Cherenkov Telescope Array (CTAO) betreiben, das größte und empfindlichste Gammastrahlen-Observatorium der Welt. Zusammen mit internationalen Partnern betreibt die ESO auf dem Hochplateau von Chajnantor das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) zur Beobachtung des Himmels im Millimeter- und Submillimeterbereich. Auf dem Cerro Armazones, nahe dem Paranal, errichten wir derzeit das Extremely Large Telescope (ELT). Es wird das größte optische Teleskop der Welt sein und wird oft als „das weltweit größte Auge am Himmel“ bezeichnet. Von unseren Büros in Santiago de Chile aus unterstützen wir unsere Aktivitäten im Land. Außerdem arbeiten wir mit chilenischen Partnern und der Gesellschaft zusammen.

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Originalpublikation:
Toni Santana-Ros et al., "Hayabusa2# mission target 1998 KY26 preview: decametre size, high albedo and rotating twice as fast", Nature Communications (2025). doi: 10.1038/s41467-025-63697-4

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